Wird in Wasserburg bald wieder ein Bier gebraut?

Ein Blick in die Katakombender Wasserburger Bierkeller. Nitzsche

1994 schloss die letzte Wasserburger Brauerei. Damit endete das Kapitel der Braukunst in der Innstadt. Die Kellerfreunde halten die Erinnerung an die Brauereitradition aufrecht. Jetzt gibt es sogar Hoffnung, dass es wieder ein Wasserburger Bier geben könnte.

Wasserburg – Am Rande der Jahreshauptversammlung der Kellerfreunde deutete Gruppenleiter Witgar Neumaier an: „Es tut sich was. Ich wurde darüber informiert, dass sich wohl eine Gruppe gefunden hat, die eventuell hier brauen will.“ Er will dieses Engagement unterstützen. „Ich bin dafür offen. Wie schön wäre es, wenn man wieder in Wasserburg brauen würde!“

Bierkeller zur Lagerung gäbe es bereits. Denn die Kellerfreunde pflegen diese engagiert und unermüdlich. Und erinnern bei Führungen an längst vergangenen Zeiten – als Wasserburg noch eine große Bierstadt war.

Gärbottiche und Holzfässer

Auch im vergangenen Jahr ist die Zahl der Interessenten wieder nach oben gegangen, wie bei der Mitgliederversammlung zu erfahren war. „Wir hatten acht Führungen, 143 Besucher und 17 Vorträge mehr als im Jahr 2018“, verkündete Gruppenleiter Witgar Neumaier vor knapp 20 Kellerfreunden in der von der Gruppe betriebenen Wirtschaft Schalander. Die Gäste kommen überwiegend aus dem Altlandkreis, aber auch aus ganz Oberbayern, aus Baden-Württemberg, sogar aus Frankreich und Österreich. Die Kellerfreunde sind kein eigener Verein. Sie sind dem Heimatverein Wasserburg angeschlossen, was ihnen viel Verwaltungsarbeit erspart.

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Einmal im Monate treffen sie sich, um, wie Neumaier betont, die „tollen Exponate“ in perfektem Zustand zu erhalten – Gärbottiche mit Kohlesäureschläuchen etwa, kleine und große Holzfässer oder Glasflaschen in Biertragerln.

Neumaier ist ein echter Lokalpatriot: „Bier gehört einfach zu Wasserburg. 1785 sind die ersten Keller gebaut worden, und wir können noch heute die Bierkeller in einer Art und Weise präsentieren, die einzigartig ist.“ In den alten Zeiten waren die Keller ein Segen für Biertrinker: Rund ums Jahr konnte der Gerstensaft gut gekühlt ohne gesundheitliche Bedenken genossen werden. Nicht nur für Neumaier ist die Tatsache schmerzlich, dass in Wasserburg seit 1997 nicht mehr gebraut wird. Dabei hatte es 1842 im Bezirk noch 15 Brauereien gegeben, der ewige Konkurrent Rosenheim konnte da nicht mithalten.

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Sorge bereitet Neumaier die Tatsache, dass es den Kellerfreunden an Nachwuchs fehlt – er selbst gehört mit 59 Jahren zu den Jüngsten. „Und wir haben Mitglieder, die gehen auf die 85 zu.“ Über jeden Neuzugang würde er ich freuen, sagt er beinahe flehentlich.

Schriftführer Werner Trepesch stellte in seinem Bericht die Gesamtbilanz der Gruppierung vor: 27 075 Besucher gab es seit 2003, 1154 Vorträge und 1544 Kellerführungen. Im vergangenen Jahr kamen 1814 Besucher (2018: 1671), 101 Kellerführungen wurden unternommen (2018: 93).

Die meisten Vorträge hat bisher Inge Löfflad gehalten: insgesamt 501 in den vergangenen Jahren. Bei den Führungen könne es immer noch weiter nach oben gehen mit der Resonanz, Kapazitäten seien vorhanden, sagt Neumaier.

Fasziniert sind die Gäste laut Trepesch vor allem von den technischen Apparaturen. in den zum Teil über 200 Jahre alten Sommerbierkellern. Am Schluss jeder Führung wird – natürlich – stets ein Bier gereicht.

Führungen durch die Bierkeller

Eine Führung kostet bei Einzelbuchung sechs Euro, eine Gruppe bis zu 20 Personen zahlt 120 Euro. Die Termine 2020 stehen auf der Internetseite der Stadt unter dem Stichwort Bierkatakomben.

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