„Wir wollen mit anpacken“: Neuer Dorfentwicklungsverein hat viele Ideen für Isen

Der St. Zeno-Platz in Isen mit Kirche, alter Raiffeisenbank, Arzt und Apotheke und Brunauer-Haus: Hier sehen die Isenwerker Bedarf und Potenzial für eine städtebauliche Entwicklung.
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Der St. Zeno-Platz in Isen mit Kirche, alter Raiffeisenbank, Arzt und Apotheke und Brunauer-Haus: Hier sehen die Isenwerker Bedarf und Potenzial für eine städtebauliche Entwicklung.

Beim „Isenwerk“ ist der Name Programm. Denn die aktuell 30 Mitglieder des neuen Vereins wollen nicht nur Ideen sammeln und auf ihre Umsetzbarkeit prüfen – sie wollen für die Entwicklung des Ortes Isen aktiv werden.

Von Anne Huber

Isen – „Wir sind bereit Engagement zu zeigen, wir wollen anpacken und werden dafür im Zweifelsfall auch eine Schaufel in die Hand nehmen“, sagt Udo Rieger. Der Isener Architekt bildet mit seiner Berufskollegin Geraldine Frisch neben Petra Rieger (Kasse) und Sebastian Kruppa (Schriftführung) den Vorstand, über den der neue Verein „Isenwerk“ offiziell verfügen muss. Die Entwicklung des Ortskerns steht nicht zufällig ganz oben auf der To-do-Liste. Die Belebung des Innenbereichs hatten alle Parteien und Gruppen im letzten Kommunalwahlkampf als dringendes städtebauliches Ziel ins Programm aufgenommen.

Isenwerk hat das Thema aufgegriffen

Damit es nicht nur bei guten Vorsätze bleibt, hat Isenwerk das Thema aufgegriffen. Was aus St. Zeno-Platz und Marktplatz wird, wenn Apotheke und ansässige Hausarztpraxis tatsächlich ein Gebäude am Ortsrand beziehen, ist eine der Fragen, die in der Gruppe diskutiert werden.

Gespräche führt man über ein Gebäude, das zu einem Bürger- und Kulturhaus mit Repair-Café, „Coworking spaces“ (Arbeitsplätze, die zeitlich geteilt werden, Anm. d. Red.), einem Café ohne Zwang, etwas konsumieren zu müssen, und Platz für Workshops und Kultur- und Freiluftveranstaltungen werden könnte.

Mit vielen kleinen Angeboten Vielfalt erzeugen

Niedrigschwellig und breit aufgestellt sollen nicht nur die Workshops sein, auch bei der Kultur will der Verein mit vielen kleinen Angeboten Vielfalt erzeugen. Musik von Klassik bis Jazz, Poetry Slam, Ausstellungen und Lesungen fallen Frisch und Rieger dazu ein. „Wir sind bereit Engagement zu zeigen, um einen lebendigen, konfessions- und parteilosen Treffpunkt im Ort zu schaffen“, betonen sie ihre Haltung, nicht nur Forderungen stellen zu wollen, sondern mitanzupacken.

Doch Architektin Frisch schwebt für Isens Mitte noch viel mehr vor: Italienische Städte wie Siena kommen ihr in den Sinn, wenn sie sich überlegt, dass sich die Plätze mit einem durchgehenden Pflaster für Fußgänger barrierefrei gestalten ließen und trotzdem eine achtsame gemeinsame Nutzung der Verkehrsteilnehmer möglich machten.

Die Belebung und Gestaltung des Ortskerns sei ein ideales Programmziel der Städtebauförderung, sind die Isenwerk-Vorsitzenden überzeugt. Erste sondierende Gespräche haben mit dem Rathaus bereits stattgefunden.

Gedanken über neue Wohnformen

Gedanken hat man sich beim Isenwerk auch bereits über neue Wohnformen gemacht. „Nicht 08/15“ soll alternatives Konzept und architektonische Umsetzung des innovativen Wohnungsbaus ein, der über eine Genossenschaft finanziert und realisiert werden könne. Kritisch sehen die Isenwerk-Denker die Planung des neuen Baugebiets Ranischberg-Ziegelstadl. In einer erstenAnalyse, die im Internet zu finden ist, wurden Punkte herausgearbeitet, die „bedenklich beziehungsweise zumindest gedenkenswert“ erscheinen. Auch die Größe des geplanten Baugebiets, dass für 160 Wohneinheiten und 500 Menschen ausgelegt ist, stößt auf Widerstand.

Ein weiteres wichtiges Thema ist für den Verein Isenwerk die Gewässerentwicklung. Drei Bereiche wurden ins Visier genommen; die Isen am Bürgerpark, „wo der Wasserstand zeitweise extrem niedrig ist“, den begradigten Teil des Schinderbachs zwischen Wildenmoos und Brücke in der Ziegelstätter Straße und die verrohrten Zuläufe. Zusammen mit Landwirten und Grundbesitzern sollen möglichst viele solcher Zuflüsse geöffnet werden.

Für ein Pilotprojekt wird ein Landwirt gesucht

Für ein Pilotprojekt wird deswegen ein Landwirt gesucht, der bereit ist, auf seinem Grund die Renaturierungsmaßnahme zur Verfügung durchführen zu lassen. Ortsverschönerungsverein, Fischergilde und Vogelschutzbund sollen bei den Aktionen ins Boot geholt werden.

„Alle sind eingeladen mitzumachen“, betonen die Macher des Isenwerks, dass auch für alle Ortsteile der Flächengemeinde da sein will. „Wir können durch die Zusammenarbeit uns gegenseitig befruchten“, sind Frisch und Rieger überzeugt.

Doch nicht nur Wasser, als wichtiger Bestandteil der Identität der Marktgemeinde, haben beide im Sinn. „Werkbeet“ heißt ein Projekt, das einen Gemeinschaftsgarten „für Städter auf dem Land“ schaffen möchte. Eine geeignete Fläche sei bereits gefunden, sagen die Isenwerker.

Engagement durch Preis würdigen

Doch die Aktiven des Isenwerks haben noch mehr im Hinterkopf: Bürgerliches Engagement im sozialen oder kulturellen Bereich soll durch einen Preis gewürdigt werden; Gastkünstlern könnte ein Atelier zur Verfügung gestellt werden. Problem ist noch die Finanzierung: Zwar könne das avisierte Bürgerhaus über Crowdfunding (eine Vielzahl von Menschen unterstützt finanziell ein Projekt, sie erhalten ein nicht-finanzielles Dankeschön. Anm. d. Red.) und möglicherweise Städtebauförderung finanziert werden; alles andere „kostet Geld, das man sich leisten wollen muss“.

Neue Gesichter und Ideen sind den Machern des Isenwerks „herzlich willkommen“. Wer mehr über Konzept, Projekte und Leute erfahren will, wird beim nächsten Werktisch, so die interne Bezeichnung für den monatlichen Stammtisch, am Mittwoch, 16. August, um 20 Uhr in der Isener Pizzeria Ciao Italia oder unter www.isenwerk.de fündig.

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