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Energieversorgung

„Wir müssen haushalten“: Markus Söder und Hubert Aiwanger begutachten Unterreiter Erdgasspeicher

Besichtigung des Erdgasspeichers in Bierwang bei Unterreit (von links): Vorstandsvorsitzender von Uniper, Prof. Dr. Klaus-Dieter Maubach, der Bayerische Ministerpräsident, Dr. Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.
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Besichtigung des Erdgasspeichers in Bierwang bei Unterreit (von links): Vorstandsvorsitzender von Uniper, Prof. Dr. Klaus-Dieter Maubach, der Bayerische Ministerpräsident, Dr. Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.
  • VonAnja Leitner
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Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger haben den Erdgasspeicher Bierwang bei Unterreit begutachtet, um sich ein Bild von der aktuellen Speichersituation zu machen. Welche Maßnahmen zur Versorgungssicherheit trifft die Regierung?

Unterreit – Welche nötigen Maßnahmen zur Versorgungssicherheit trifft die Regierung? Der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder und der Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger haben den Erdgasspeicher Bierwang bei Unterreit begutachtet, um sich dort ein Bild von der aktuellen Speichersituation zu machen.

Das Ziel: die dauerhafte Gasversorgung zu gewährleisten, so Söder während des Rundgangs. „Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass alle Speicher vor dem Winter gefüllt sind“, verdeutlichte er.

Trotzdem müsse klar sein: Wenn das russische Gas jetzt versiegen würde, „hätten wir ein echtes Problem mit der Versorgung“, so der Bayerische Ministerpräsident. Weitere Gasquellen zu mobilisieren, lasse sich in der Kürze der Zeit nicht organisieren, erklärte er. „Insofern ist es unabdingbar, sich unabhängig von russischem Gas zu machen. „Wir müssen sämtliche Energieformen nutzen, die uns zur Verfügung stehen – und umgekehrt dafür sorgen, dass die Speicher – wie hier in Bierwang – gefüllt sind.“

Speicherfüllstände in Bayern bei rund 30 Prozent

Die Energiepolitik sei laut Söder eine „große Herausforderung“, die der Bundesrepublik bevorstehe. „Den Ausstieg zu formulieren geht schnell, Ersatz zu bekommen, nicht.“

Aiwanger betonte, dass die Regierung sehr genau beobachte, wie sich die Speicherfüllstände entwickeln würden. Zurzeit liege er in Bayern bei rund 30 Prozent, in Bierwang bei etwa 28 Prozent, so der Wirtschaftsminister. Bis November soll bis zu 90 Prozent aufgefüllt werden, um über den Winter zu kommen. „Wir tun alles dafür, um das hinzubekommen. Aber es ist nicht so einfach, weil der Energiehandel ein privatisiertes Geschäft“ ist.“

„Wir dürfen den Mund nicht zu voll nehmen“

Auch die knappen Gasvorkommen müssten geschont werden und – wo es möglich sei – durch Alternativen ersetzt werden. Er fordert, dass es „in dieser Krisenzeit“ erlaubt sein müsse, dass Unternehmen Gas durch Öl oder Kohle ersetzen. Der höhere CO2-Ausstoß, der dadurch entstehe, sollte nicht abgestraft werden. „So wird der Gasverbrauch reduziert – und die Speicher sind schneller gefüllt.“

Auch ein Gas-Embargo gegen Russland zu fordern, findet Aiwanger „sehr schwierig. Wir dürfen den Mund nicht zu voll nehmen – wir können ansonsten unsere Speicher nicht befüllen und würden kommenden Winter auf dem Trockenen sitzen. Wir müssen haushalten“, sagte er.

Erst ab 2024 könnte Deutschland von Katar Gas beziehen – und die Lücke müsse bis dahin gefüllt werden, meinte auch Söder dazu. Eine eigenständige Südversorgung – also für Bayern und Baden-Württemberg – müsse angestrebt werden. Beim österreichischen Speicher, der auch für Bayern zuständig sei, sei „erst sehr spät begonnen worden, die Auffüllungsprozesse einzuleiten“, so der Ministerpräsident.

Für Bayern stehe im Fokus, Selbstversorger zu werden. Dazu müssten die erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Damit wäre „ein enormer Schritt“ getan. Die neuen Windräder würden sehr gute Kapazitäten erreichen, somit könnten „im On-Shore-Bereich andere Länder überholt werden, was die Leistung angeht“, erklärte Söder.

„So schnell können wir uns nicht unabhängig machen“

Auf die Frage, ob es möglich sei, den Erdgasspeicher bis November zu 80 Prozent zu befüllen, meinte Prof. Dr. Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsvorsitzender von Uniper, der der Betreiber des Gasspeichers in Bierwang ist, ganz klar: „Ja, es ist möglich. Der Anstieg der Füllstände ist in den vergangenen Wochen stetig gestiegen. Bis November erreichen wir 80 Prozent“, so Maubach, „die Frage ist eher: Bekommen wir bis dahin weiterhin russisches Erdgas? Sobald es zu einer Unterbrechung kommt, wird es sehr schwer werden.“ Der Betreiber hofft, dass auch im kommenden Winter weitere Lieferungen eintreffen. „So schnell können wir uns nicht unabhängig machen“, erklärt der Vorsitzende.

Und genau hier liege der Knackpunkt, so Söder: „Einerseits brauchen wir das Gas, andererseits wollen wir es auch nur bedingt – und wer weiß, wie lange Russland noch liefern will.“ Sämtliche Prognosen dazu seien „auf unsicherem Sand“ geparkt.

Weitere Anlagen

Bierwang ist einer von fünf bayerischen Speichern. Neben Bierwang (Landkreis Mühldorf) gibt es Breitbrunn, Inzenham-West, und Schmidhausen, alle im Landkreis Rosenheim. Der fünfte Speicher befindet sich in Wolfersberg, im Landkreis Ebersberg, teilt Jürgen Marks, Leiter des Pressereferats mit. Durchschnittlich sind die bayerischen Speicher derzeit zu 31,8 Prozent gefüllt. Der bundesweite Speicherfüllstand liegt bei durchschnittlich 42,8 Prozent, so Marks weiter. Die bayerischen Anlagen sind sogenannte Porenspeicher, die das Gas in porösen Gesteinsschichten speichern. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten ist die Ein- und Ausspeicherleistung von Porenspeichern geringer als die von Kavernenspeichern, daher lassen sich Porenspeicher nur langsamer befüllen, erklärt Marks.

Der Erdgasspeicher in Bierwang bei Unterreit läuft momentan mit einer Kapazität von etwa 15 Prozent, so Leitstandfahrer Christoph Mangstl bei der Begehung. Es würden 111.000 Kubikmeter pro Stunde eingespeichert, erklärt er.