BEGEGNUNGSSTÄTTE IN CORONA-ZEITEN

„Wir leben vom Kontakt“ Mehrgenerationenhaus Wasserburg trifft die Corona-Krise hart

2019 fand der letzte Präsenz-Benefizlauf für das Wasserburger Mehrgenerationenhaus statt. Vorneweg (links): Bürgermeister Michael Kölbl.
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2019 fand der letzte Präsenz-Benefizlauf für das Wasserburger Mehrgenerationenhaus statt. Vorneweg (links): Bürgermeister Michael Kölbl.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Das Mehrgenerationenhaus (MGH) ist eine feste Größe in Wasserburg. Eigentlich ist es auch eine Anlaufstelle bei Fragen und Problemen des Alltags und zur Integration von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund. Eigentlich, denn im Moment kann das Haus kaum Veranstaltungen anbieten.

Wasserburg – Seit 2007 verbindet das Mehrgenerationenhaus Wasserburg Menschen vieler Nationen, Altersgruppen, Religionen und Kulturen miteinander. Nun müssen fast alle Veranstaltungen ausfallen. Das ist nicht nur ein Problem für die Personen, die bisher Hilfe vom Haus bezogen und dort Kontakte gepflegt haben, sondern auch für die Mitarbeiter. „Auch wir leben vom Kontakt und von spontanen Ideen“, erklärt Leiterin Maria Hessdörfer. In Corona-Zeiten ist das nicht möglich.

Nur draußen ein Kindertisch

Statt Senioren- und Repaircafé gibt es derzeit nur eine feste Veranstaltung im Mehrgenerationenhaus: der Kindertisch zum Basteln, in sehr eingeschränkter Form und draußen. Die Familien können Kaffee to go abholen und die PC-Kurse werden über Zoom weitergeführt. „Aber auch die können nur in einer festen Gruppe veranstaltet werden“, so Hessdörfer. „Das, wofür wir stehen, Menschen, die spontan vorbeikommen und in wechselnden Gruppen sich treffen, das geht alles nicht. Die Maßnahmen treffen uns daher sehr stark.“

Hemmschwelle am Telefon höher

Dass der Kontakt fehlt, das erfährt Hessdörfer auch von den Familien. „Wir bekommen ständig Anfragen, wann es denn wieder losgeht. Auch die Kinder fragen, wann sie denn wieder rein dürfen.“ Vor allem Menschen, die sonst kaum soziale Kontakte haben und sie vor allem über das Mehrgenerationenhaus pflegen, treffe eine solche Einschränkung sehr.

Doch auch für die Mitarbeiter des Hauses ist der Kontakt wichtig. „Meist kommt erst durch Gespräche raus, wo Bedarf besteht“, so die Erfahrung von Hessdörfer. „Jetzt ist das nicht möglich.“ Zwar sind die Mitarbeiter immer telefonisch erreichbar. „Aber das ist nicht dasselbe. Da ist die Hemmschwelle, um Hilfe zu bitten, höher.“

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Das Mehrgenerationenhaus plant demnächst eine Umfrage, um festzustellen, wo die Bedürfnisse genau liegen. „Wir bieten im Moment auch wieder an, dass wir die Hausaufgaben für das Homeschooling ausdrucken“, erklärt Hessdörfer, „aber es herrscht natürlich auch woanders Bedarf.“

Stadtrat beantragt weiter Förderung durch Bundesmittel

Hessdörfer bedauert auch, wie viele Projekte derzeit nicht stattfinden können. „Bei solchen Veranstaltungen steckt natürlich viel Planung dahinter.“ Außerdem sei eine gewisse Anlaufzeit nötig. „Das Repaircafé und auch das Seniorencafé sind inzwischen gut angenommen worden und jetzt müssen sie pausieren“, so Hessdörfer, „das ist natürlich traurig.“

Auch finanziell bemerkt das Mehrgenerationenhaus Wasserburg den Lockdown deutlich. Zwar wurde vor Kurzem im Stadtrat die erneute Beantragung von Bundesmitteln zur Förderung des Hauses in die Wege geleitet – erstmals für acht statt wie bisher für vier Jahre. Einstimmig stellte sich der Stadtrat hinter die Einrichtung in Trägerschaft des Kinderschutzbundes Rosenheim. An die Bundesförderung gekoppelt ist eine Kofinanzierung der Stadt selbst, die jährlich mit 10 000 Euro unterstützt. „Das ist natürlich super für uns“, so Hessdörfer. „Dadurch können wir viel besser planen.“

Großteil der Spendengelder fehlt

Doch trotz allem: „Ein Großteil der Spendengelder sind weggefallen“, so Hessdörfer. Beispielsweise die Sponsorenmittel aus dem Wasserburger Lauf, an dem sich vor Corona gut 1000 beteiligten. „Wir haben ihn zwar online veranstaltet, aber da kam natürlich nicht so viel zusammen wie normalerweise.“

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Zwar habe das Mehrgenerationenhaus im Moment auch weniger Ausgaben. „Aber es fallen natürlich Einnahmen weg, mit denen wir fest gerechnet haben.“

Doch Hessdörfer bleibt optimistisch. „Es wird wieder besser werden“, ist sie überzeugt.

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