Ich und Corona: Winfried Weithofer trifft beim Gassi gehen in Wasserburg Mutmacher

Winfried Weithoferund seine Flocke. privat
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Winfried Weithoferund seine Flocke. privat
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Freier Mitarbeiter unserer Zeitung begegnet während der Corona-Krise inspirierenden Zeitgenossen

Wasserburg – Als freier Mitarbeiter der OVB-Heimatzeitungen streift Winfried Weithofer tagtäglich durch Wasserburg – meist in Begleitung seiner Hündin Flocke. Zu Corona hat er sich seine ganz eignen Gedanken gemacht:

In der Corona-Krise helfen Spaziergänge durch Wasserburg

„Schon eine gefühlte Ewigkeit scheint die Coronakrise zu dauern. Dankbar bin ich für den Hund, der mir als Rentner Abwechslung in den Tagesablauf bringt. Mit Flocke streife ich Tag für Tag vom Gerblanger in die Stadt – und zurück. Und beobachte meine Umgebung, vielleicht genauer als früher. ‚Und die Welt steht still‘, heißt es auf einem Werbeplakat für Zigaretten. Werbung, die einmal nicht lügt.

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Manchen schlägt die Corona-Pandemie aufs Gemüt

Ich stelle fest, dass die Krise so manchem aufs Gemüt schlägt. Auf der roten Brücke spricht mich unvermittelt ein älterer Mann an, der behauptet, das eigentliche Problem sei doch nicht das Virus, sondern das Rauschgift. Er versteigt sich zu der These, dass 90 Prozent der Wasserburger drogensüchtig seien. Dagegen sollte man was unternehmen – Corona, schimpft er lautstark, sei doch lächerlich. ‚Glaubst Du das mit der Gefährlichkeit?‘, herrscht er mich an.

Eine Passantin nimmt es gelassen

Die Passantin, die derweil der Flocke ein paar Leckerli gibt, schaut weg. Übrigens eine tolle Frau, diese Elfriede Gabriel. Die alten Wasserburger kennen sie als erstes Gardemädchen – mit gerade mal 18 Jahren hatte sie ihren ersten Auftritt. Die Begeisterung, mit der sie 1965 ihre selbst gewählte Aufgabe wahrnahm, zündete ein großes Feuer. Jahrzehnte wirkte sie auf der Bühne und hinter den Kulissen mit.

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Eine weitere Wasserburgerin, die in Corona-zeiten Mut macht

Sie gehört in dieser schweren Zeit zu den Menschen, von denen so viel Positives ausgeht, die Mut machen. Der derbe Typ von der Brücke gehört sicher nicht dazu. Aber ganz bestimmt Dorle Irlbeck, die Frau im Dirndl. Vermutlich hundert hat sie davon, trägt jeden Tag ein anderes. Nicht nur von ihrer Bekleidung, sondern von ihrer ganzen Art ist sie eine Ausnahmeerscheinung in der Stadt. Was für eine mitreißende Persönlichkeit! Herzensgut und charmant, aber auch eine, die mit fester Stimme ihre Meinung kundtut.

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Wer in Wasserburg wohnt, muss nicht unbedingt reisen

‚Ja und?‘, sagt die 84-Jährige, als ich bedaure, dass so viele Feste abgeblasen wurden. ‚Dann läuft halt mal ‚ne Weile nix.‘ Nach dem Krieg habe es ja auch lange gedauert, bis wieder gefeiert wurde. Wenig Mitleid hat sie auch mit denen, die jetzt auf ihren Urlaub in fernen Ländern verzichten müssen. ‚Was machen die da? Fliegen tausende Kilometer und hocken dann am Pool.‘ Dabei sei es rund um Wasserburg doch ‚so schee‘. Recht hat sie. Nur nicht jammern: Diese Haltung verkörpert Dorle perfekt. Auch diese Krise geht vorbei. Wer mit ihr gesprochen hat, zweifelt nicht mehr daran.“

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