Der Wildpark Oberreith in der Corona-Krise – „Wir lassen unsere Mitarbeiter nicht hängen“

„Derzeit haben wir viele Jungtiere,die Lämmer springen herum“, sagt Wildpark-Chef Thomas Mittermair. Er will in der Corona-Krise seine Mitarbeiter „nicht hängen lassen“.
  • Andrea Klemm
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„Wir sitzen auf dem Trockenen“, sagt Thomas Mittermair, Inhaber und Betreiber des Wildpark Oberreith, „und haben, wie viele andere Betriebe während der Corona-Krise einen hundertprozentigen Ausfall“. Er muss einen Teil seiner 30 Festangestellten in Kurzarbeit schicken, will aber sein Team weiter unterstützen.

Der Parkwird im Moment schön hergerichtet, damit alles fertig ist, wenn er nach der Corona-Krise wieder aufsperren darf. Unser Bild zeigt den Bauerngarten.

Unterreit – Die Ausgaben laufen weiter, während der Park wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen geschlossen bleiben muss. Personalkosten, Tierversorgung, Kapitaldienste – all dies will bezahlt werden. „Wir werden keinen hängen lassen. Ich spreche mit all meinen Mitarbeitern, es läuft bei etwa der Hälfte der Festangestellten auf Kurzarbeit hinaus“, sagt der Park-Chef im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung. Der Park habe momentan 67 Beschäftigte, davon sind 30 Festangestellt. Im Sommer arbeiten hier in der Regel bis zu 130 Mitarbeiter, darunter studentisches Hilfskräfte und geringfügig Beschäftigte.

Ihm sei bewusst, dass es Mitarbeiter gebe, die mit 60 Prozent ihres normalen Gehaltes nicht zurechtkommen können, etwa einige alleinerziehende Mütter. „Ich will sehen, dass die auf ihr Geld kommen, wir lassen niemanden hängen, solange wir zahlen können“, ist seine Devise.

Park wird für Zeit nach der Krise herausgeputzt

Er fürchtet, sein Betrieb werde keine Soforthilfe bekommen, weil der Park für die Indoorhalle eine Förderung bekommen habe.

Gestatten, Roy, der Truthahngeier. Er ist schon topfit und wartet auf die Saison.

„Eine Zeit lang können wir überbrücken. Aber wenn das Ganze länger dauern muss, wird es spannend“, sagt der Unterreiter, der nicht müde wird, im Wildpark alles für die Zeit nach der Corona-Krise herzurichten. Seine Hoffnung liege auf Ende April, dass dann das öffentliche Leben wieder weitergehen könne. „Das hängt schon auch davon ab, wie vernünftig die Leute sind und sich an die Regeln der Ausgangsbeschränkungen halten.“

Wüstenbussard Georgina sagt „Gugugg“ zur Kamera.

Die Unvernunft mancher Menschen könne er partout nicht begreifen, etwa dass immer noch junge Leute treffen und zusammenhocken. „Da werd‘ ich sauer, denn dann hört das Ganze ja nie auf“, appelliert Mittermair. „Lokale und Betriebe sind zu und mancherorts trifft man sich zu privaten Partys. Aber irgendwann wird es auch der letzte Ignorant kapieren.“

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Im Wildpark werden derzeit die restlichen Arbeiten an den Außenanlagen erledigt und auch die Gestaltung des Bauerngartens.

Die Mitarbeiter, die jetzt noch im Einsatz sind, halten natürlich den gebotenen Abstand zueinander, wie er versichert. Auch nach dem Bau der Indoorhalle sei dort noch einiges zu tun. Der Indoorspielplatz ist schon in Betrieb gegangen. Hinzu kommen ein Bahnhof für die kleine Parkeisenbahn, ein Souvenir- und ein Regionalladen, ein zusätzliches Café und ein Kindergeburtstagsraum.

Rund 350 Tiere wollen trotz Corona-Krise versorgt werden

Ende Mai wäre die Einweihung geplant gewesen. Ob die nun stattfinden könne, stehe in den Sternen. „Vergangenes Jahr haben wir überall Blumenzwiebel gesetzt, jetzt fängt alles an zu blühen“, so Mittermair.

Die rund 350 Tiere, die in dem Park leben, wollen – Corona hin oder her – versorgt werden. Das heißt, die Tierpfleger und ein Falkner sind gut beschäftigt.

Viola Rohnstock, Falknerin, hat gerade alle Hände voll zu tun, die Greifvögel nach der Winterpause wieder in Form zu bringen und sie zu trainieren – sofern es nicht zu kalt und zu stürmisch ist, wie in den vergangen Tagen.

„Nach der Winterpause sind die ziemlich vollgefuttert. Jetzt werden sie täglich gewogen und das Futter wird langsam reduziert, damit sie wieder ihre Sommer-Figur bekommen“, erläutert Rohnstock. Sie nimmt die Vögel täglich „auf die Faust“ und trägt sie spazieren, damit sie sich wieder an die Falkner gewöhnen – und die menschliche Nähe zu ihren zweibeinigen Arbeitskollegen erneut zulassen. Besonders Falken und Eulen fremdeln nach der Winterpause erst einmal.

Online Gutscheine kaufen und den Wildpark unterstützen

„Jeder Vogel kommt an die Lockschnur, die bis zu 20 Meter lang ist. Dann locke ich sie mit Futter und sie gewöhnen sich an mich. Das muss sein, bevor ich sie später wieder in den Freiflug lasse – und dafür bekommen sie dann einen Sender“, erklärt die Falknerin. „Wir trainieren die Tiere, damit sie fit sind, wenn es weiter geht.“ Natürlich sei dieser Zeitpunkt in der Schwebe und hänge von den künftigen Maßnahmen ab, die die Pandemie eben erforderlich machen. Wer den Park in diesen Zeiten unterstützen möchte, kann Gutscheine für Eintrittskartenpakte für den Wildpark oder den Waldseilgarten via eMail unter info@wildpark-oberreith.de erwerben, und sie zu einem späteren Zeitpunkt verwenden.

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