Antrag auf nachträgliche Genehmigung

„Wild drauf losgezimmert“: Muss in Wasserburger Siedlung jetzt zurückgebaut werden?

„Architektonisch ist das nicht der Hit“, sagte Helmut Schmid vom Wasserburger Bauamt in der Bauausschuss-Sitzung über die „Schwarzbauten“ an einem Reihenmittelhaus in der nördlichen Burgau. Weder Balkonumhausung, noch Wintergarten, noch Anbau im Backsteinlook (links) oder das übergroße Gartenhäusl (rechts) sind genehmigt.
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„Architektonisch ist das nicht der Hit“, sagte Helmut Schmid vom Wasserburger Bauamt in der Bauausschuss-Sitzung über die „Schwarzbauten“ an einem Reihenmittelhaus in der nördlichen Burgau. Weder Balkonumhausung, noch Wintergarten, noch Anbau im Backsteinlook (links) oder das übergroße Gartenhäusl (rechts) sind genehmigt.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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„Architektonisch ist das nicht der Hit, und städtebaulich vertretbar ist das auch nicht“, sagte Helmut Schmid vom Wasserburger Bauamt zu einem „wilden Umbau“ an einem Reihenmittelhaus in der Hermann-Schlittgen-Straße. Der Bauausschuss debattierte über einen Antrag auf nachträgliche Genehmigung.

Wasserburg – Ob ein Rückbau nötig ist, entscheidet das Landratsamt. Es geht um die Umhausung einer Terrasse und eines Balkons, um einen Windschutz mit Überdachung an einem weiteren Balkon und einen ungeheizten Anbau.

Das Haus wurde ursprünglich im Jahr 1999 gemäß geltender Regeln errichtet. Im Jahr darauf wurde der Anbau eines Quergiebels mit zwei Balkonen genehmigt. Dabei hat das Landratsamt Rosenheim bereits eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes erteilt, weil der Quergiebel die Baugrenze überschreitet.

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Heuer im Juli machte das Landratsamt eine Baukontrolle und hat einige Umbauten entdeckt, die als „nicht geringfügige Überschreitungen“ moniert wurden. So sind die Balkone so verglast, dass sie als Wohnräume genutzt werden.

Nachbarzustimmung auch nicht vorhanden

An der Nordfassade in Richtung Waldrand gibt es einen durchgehenden Wintergarten mit einer Tiefe von drei Metern. Dann wurde daran noch an der östlichen Grundstücksgrenze noch ein Anbau auf einer Fläche von drei auf vier Metern errichtet und an der nordwestlichen Grundstücksgrenze ein Gartenhaus mit neun Quadratmetern Grundfläche gezimmert. Die mittlere Wandhöhe liegt etwa bei 3,50 Metern. Eine isolierte Abweichung ist hier nicht möglich. In diesem Bebauungsplan ist für Gartenhäusl nur eine Grundfläche von acht Quadratmetern möglich, sofern die Abstandsflächen eingehalten sind. Und weil die Wand zu hoch ist, hätte das Häusl auch nicht als „Grenzbau“ errichtet werden dürfen.

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Eine Genehmigung liegt in all diesen Punkten nicht vor, auch Nachbarunterschriften gibt es nicht. „Oiso, Schwarzbau“, resümierte Wolfgang Schmid (CSU).

Bürgermeister: Eine ganze Litanei

Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) seufzte angesichts der „ganzen Litanei“ und sagte, man müsse nun schauen, was davon genehmigungsfähig sei und was nicht. Seinen Worten zufolge wäre nur die Balkonverglasung okay, weil sie die Grundzüge der Planung nicht berührt und städtebaulich vertretbar sei. So sei der nun „geschlossene Quergiebel mit den eingebauten Fenstern im Nachhinein genehmigungsfähig – das sahen alle im Gremium so.

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Nicht aber der Wintergarten und der Anbau, da die Baugrenzen überschritten sind (auch 7:0). Der Wintergarten überschreitet diese gar um drei Meter. Auch die Länge des Bauteils ist um vier Meter zu lang.

Baugrenzen dürfen nicht überschritten werden

Christian Stadler (Grüne) erklärte zum Thema „fehlende Nachbarunterschriften“ eine juristische Feinheit. Er war der Meinung, dass die fehlende Nachbarzustimmung zwar von der Genehmigungsbehörde (Landratsamt) berücksichtigt werden müsse, „wir aber unser gemeindliches Einvernehmen nicht davon abhängig machen dürfen, bzw. die Verweigerung des gemeindlichen Einvernehmens nicht mit fehlenden Nachbarzustimmungen begründet werden darf“. Das Bauamt war in diesem Punkt anderer Meinung, schließlich seien nachbarschaftliche Belange stark betroffen. In der grundsätzlichen Frage, dass es kein gemeindliches Einvernehmen zur Baugrenzenüberschreitung geben soll, waren sich alle einig.

Bauherr wohl „wild drauf losgebaut“

Dr. Hermann Budenhofer (Bürgerforum/FWRW/ÖDP-Fraktion) fragte etwas irritiert, als er die Bilder der Schwarzbauten sah, „hat sich der Bauherr Gedanken gemacht, über den Bebauungsplan?“.

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Kölbl schüttelte den Kopf: „Der hat sich damit wohl nicht auseinander gesetzt und wild drauf los gebaut.“

Läuft das auf Rückbau hinaus?

Wolfgang Schmid ergänzte, „ausgerechnet in der Hermann-Schlittgen-Straße. Dort ist die Bebauung ja so streng geregelt. Ich erinnere mich, dass da ja schon ein Brimborium um die Müllhäusl gemacht wurde“.

„Läuft das auf einen Rückbau hinaus?“, wollte Friederike Kayser-Bücker (SPD) wissen. Laut Bürgermeister entscheide dies das Landratsamt und überwache gegebenenfalls auch den Rückbau.

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