Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Hilfe bei sozialen Anliegen

Wie der Wasserburger Bürgerbahnhof die richtigen Weichen stellt

Ethel D. Kafka, Leiterin des Bürgerbahnhofs, und Bürgermeister Michael Kölbl (von links) freuen sich auch über die gute Resonanz auf die Begegnungen im Cafésito.
+
Ethel D. Kafka, Leiterin des Bürgerbahnhofs, und Bürgermeister Michael Kölbl (von links) freuen sich auch über die gute Resonanz auf die Begegnungen im Cafésito.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
    schließen

In sechs Jahren hat sich der Wasserburger Bürgerbahnhof zur zentralen Anlaufstelle für Menschen entwickelt, die ein soziales Anliegen haben. Im früheren Altstadtbahnhof werden die Weichen gestellt, um zu helfen. Das ist so wichtig wie noch nie zuvor.

Wasserburg - Wer kennt das nicht? Beim Ausfüllen eines Antrags oder einer behördlichen Bescheinigung versteht man nur Bahnhof. Richtig kompliziert wird es, wenn es um soziale Leistungen geht. Dann gilt es in der Regel, sich durch einen Paragraphen-Dschungel zu kämpfen. Seit 2016 hilft hier der Bürgerbahnhof Wasserburg. Leiterin Ethel Kafka hält die Fäden in der Hand. Ihr Bericht im Stadtrat zeigte, wie wichtig die Einrichtung der Stadt ist - als Beratungsstelle, Initiatorin von Projekten und Organisation, die gut vernetzt ist - unter anderem über das Sozialforum, in dem sich Vertreter der karitativ tätigen Vereine und der Wohlfahrtsverbände zusammengeschlossen haben. Halbjährlich finden im Bürgerbahnhof Treffen des Sozialforums statt. Das Gremium wächst nach Angaben von Kafka kontinuierlich weiter.

Aus dem Sozialforum heraus wird eine Steuerungsgruppe gewählt, für drei Jahre. Sie reagiert auf Aktuelles, unter anderem hat das Gremium ausgearbeitet, nach welchen Kriterien Bürger mit Anspruch auf den Wasserburg-Pass in Härtefällen finanzielle Unterstützung bei der Bewältigung der explodierenden Energiekosten bekommen. Weitere Schwerpunkte der Arbeit waren laut Kafka: die Neuaufstellung der Familienberatung und der offenen Seniorenarbeit. Außerdem geht es darum, die Zusammenarbeit zwischen Bürgerbahnhof und der hier ebenfalls integrierten Begegnungsstätte Cafésito, betrieben von Fairjob, weiter auszubauen. Ein bereits umgesetztes Beispiel: das Café Ratsch, ein offenes Seniorenangebot: sich begegnen, neue Leute kennenlernen, reden, spielen, Kontakte knüpfen, sich informieren, darum geht es. Regelmäßig kommen auch Referenten. Schon da war unter anderem die Polizei, um über Enkeltrick und andere Betrugsmaschen aufzuklären, bei denen oft ältere Menschen Opfer werden. Das Café Ratsch als Ort des Austausches und der Begegnung war sogar nominiert für den Pflegekompass des Landkreises Rosenheim.

Beliebt: das „Freiwillige Soziale Schuljahr“

Der Bürgerbahnhof vernetzt, regt an, initiiert - dazu gehört auch die Idee, ein Freiwilliges Soziales Schuljahr (FSSJ) anzubieten. Es führt junge Leute an das Ehrenamt heran. Neben der Mittel- war heuer zum ersten Mal auch die Realschule Wasserburg Teilnehmerin, freut sich Kafka. Das Projekt ist mittlerweile sehr beliebt: 33 Verträge sind heuer abgeschlossen worden (im Vorjahr waren es sechs): für Schülerinnen und Schüler, die sich ehrenamtliche nach Unterrichtsschluss bei der Feuerwehr, im Sportverein, in Kirchengemeinden, in Kitas und in der Stiftung Attl engagieren. Für dieses Projekt ist sogar ein eigenes Logo entwickelt worden, berichtete die Leiterin des Bürgerbahnhofs.

Er ist auch Mitglied in vielen Gremien wie dem Behindertenbeirat, dem runden Tisch häusliche Gewalt, dem Elternnetztreffen oder dem Jugendhilfeforum. So gut vernetzt funktioniert die Beratungsarbeit am besten, denn es geht oft darum, zu wissen, wer in welchem Fall helfen kann, sagt Kafka. Die Beratung: niederschwellig, offen für alle Wasserburger, individuell, an zwei Tagen in der Woche. Auch Fachstellen kommen in den Bürgerbahnhof und bieten hier Sprechstunden an.

Ehrenamtliche unterstützen

Drei Ehrenamtliche unterstützen mittlerweile die Einrichtung, helfen auch bei administrativen Arbeiten und der Koordination der Leistungen und Angebote. Die Beratungen nehmen von Jahr zu Jahr zu, berichtet Kafka. Die wichtigsten Themen: Wo bekommt wer welche soziale Leistung, was tun, wenn finanzielle Probleme drücken oder in der Familie etwas schief läuft? Außerdem benötigen Besucher des Bürgerbahnhofs oft Hilfe bei der Bearbeitung von Anträgen oder beim Schriftverkehr mit Behörden. 85 Prozent der Kunden sind Wasserburger, so Kafka.

Sie hatte von März bis August außerdem ihren Arbeitsplatz in die Realschulturnhalle verlegt: Hier war übergangsweise eine Unterkunft für die Geflüchteten aus der Ukraine. Dank des Patenprojekts Asyl, der Caritas und vieler Ehrenamtlicher hat der Bürgerbahnhof als Anlaufstelle für die Ukraine-Hilfe die Sondersituation gut bewältigt, so Kafka. Nach wie vor nehme die Thematik breiten Raum in der Arbeit ein.

Bürgermeister Michael Kölbl würdigte den Bürgerbahnhof als „voll etabliert“. Wasserburg werde oft beneidet um „diese tolle soziale Einrichtung“. Der Strauß an Tätigkeit sei breit gefächert. Allein die Tatsache, dass sich die Anzahl der Beratungen 2022 auf fast 300 erhöht hätten, zeige, wie sehr die Fachstelle benötigt werde. Was Kölbl besonders freut: dass sich dank Bürgerbahnhof immer mehr Jugendliche in Wasserburg über das Freiwillige Soziale Schuljahr für das „unverzichtbare und unbezahlbare Ehrenamt“ interessieren. „Das ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft unserer Gesellschaft“, so Kölbl.

Mehr zum Thema

Kommentare