Wertvoller Müll: Das geschieht in Wasserburg mit Papier, Plastik, Glas und Co.

Die Wasserburger sind fleißige Wiederverwerter ihres Abfalls: Dank der Biotonne hat ich die Menge des Restmülls pro Einwohner stark verringert, wie unsere Grafik zeigt. OVB/Klinger

Die Wasserburger sind top im Mülltrennen. An der Gesamtabfallmenge – 370 Kilogramm pro Einwohner – hat sich 2018 gegenüber dem Vorjahr zwar nichts geändert. Doch die Abfälle, die einer Verwertung zugeführt werden, haben sich von 236 auf 274 Kilogramm pro Einwohner erhöht.

Wasserburg – Die Menge des Rest- und Sperrmülls sank von 134 auf 95 Kilo. Diese positive Entwicklung hat einen einfach Grund: die Einführung der Biotonne im vergangenen Jahr. Seitdem stieg die Sammelmenge des Bioabfalls von sechs auf fast 70 Kilogramm pro Einwohner. Heute besichtigen Vertreter der Stadt die Recyclinganlage der Firma Zosseder in Schilchau (Eiselfing), um sich vor Ort ein Bild über die Zusammensetzung des Restmülls zu machen. Was landet noch in der Mülltonne? Dazu soll es Antworten geben.

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Was mit den Stoffen geschieht, die wiederverwertet werden, ist bekannt. Auf Anfrage der Linken Liste Wasserburg und ihres Stadtratsmitglieder Sophia Jokisch hat Bernhard Schachner, zuständig im Rathaus für die Abfallwirtschaft, zusammengetragen, was mit Papier, Plastik, Glas und Co. passiert. Besonderheit in Wasserburg: Der Landkreis, eigentlich zuständig für die Entsorgung, hat diese Aufgabe in der Regel der Stadt Wasserburg übertragen.

Restmüll

Er wird von der Firma Zosseder eingesammelt (Müllabfuhr) und direkt zur Umladestation des Landkreises nach Thansau gebracht. Dort werden die Abfälle in Waggons verpresst und per Bahn zum Müllheizkraftwerk des Zweckverbandes Abfallverwertung Südostbayern nach Burgkirchen gebracht. Hier werden die Abfälle energetisch verwertet – zur Erzeugung von Dampf, Strom und Wärme.

Bioabfälle

Die in der Biotonne eingesammelten Abfälle werden von der Firma Zosseder direkt zum Verwerter, der Maier OHG, Aham, transportiert. Dort erfolgt eine vierwöchige Gärung zur Gewinnung von Wärme und Strom sowie anschließende vierwöchigen Kompostierung. Aus dem kompostierbaren Material wird auf dem Firmengelände in Aham Pflanzerde erzeugt.

Papier

Die Firma Zosseder bringt die eingesammelten Papiere zur Umladestation in die firmeneigene Recyclinganlage Schilchau. Mit der Sortierung und Verwertung ist die Firma Rohprog, München, beauftragt. Sie holt das Sammelgut ab, es geht sortiert in unterschiedlichen Qualitäten zu Papierfabriken in den Landkreisen Augsburg, Weilheim und Traumstein. Sie stellen aus dem Material Recyclingpapiere und -pappen her.

Leichtverpackungen

Sie bestehen aus Kunststoff, Weißblech, Aluminium und Verbunden. Es besteht eine gesetzliche Rücknahme- und Verwertungspflicht für die Hersteller. Sie beauftragten damit das „Duale System“, das Sammlung und Verwertung wiederum an private Entsorgungsbetriebe weitergibt.

Leichtverpackungen werden in Wasserburg im Bringsystem über Depotcontainer an den Wertstoffinseln gesammelt. Die Firma Zosseder, beauftragt vom „Dualen System“, leert die Container zweimal wöchentlich und bringt das Material zur Umladestation in der Schilchau. Dort erfolgt eine Zwischenlagerung bis zum Transport zur Firma Wurzer aus Eitting. Diese sortiert maschinell und presst das Material in Ballen. Weißblech geht an Stahlwerke zur Einschmelzung, Aluminium wird an Alu-Schmelzen übergeben.

Tetra-Paks werden nach der Aufbereitung in Papierfabriken zur Papierherstellung genutzt – beispielsweise bei Heinzelpapier in Raubling. Die Kunststoffe werden nach Sorten getrennt und Recyclingbetrieben (unter anderem in Eislingen und Hörstel) zur Verwertung übergeben.

Glas

Auch hier sind die Hersteller gesetzlich verpflichtet, das Glas zurückzunehmen und zu verwerten. Sie geben dies an „Duale Systeme“ weiter, die private Unternehmen beauftragen.

Glas wird in Wasserburg im Depotcontainer an den Wertstoffinseln gesammelt (Bringsystem). Die Firma Zosseder entleert wöchentlich mindestens einmal und bringt das Material zur Umladestation in der Recyclinganlage Schilachau. Von dort gelangen die Glasscherben unter anderen zu Glashütten in Neuburg an der Donau oder Bad Wurzach.

Gartenabfälle

Sie werden zum Wertstoffhof gebracht oder direkt zur Kompostieranlage des Landkreises in Perfall. Die Firma Zosseder transportiert die Gartenabfälle vom Wertstoffhof ebenfalls dort hin. Nach der Zerkleinerung werden die Gartenabfälle kompostiert und zur Pflanzerde verarbeitet.

Holz (unbehandelt)

Altholz wird im Wertstoffhof in einem separaten Container gesammelt und von der Firma Zosseder in ein Heizkraftwerk im Landkreis Traunstein geliefert. Hier wird daraus Strom und Wärme für benachbarte Industriebetriebe erzeugt.

Metallschrott

Die Bürger bringen Metallschrott zum Wertstoffhof. Die Firma Zosseder transportier das Material zur Umladestation in die Schilchau. Dort wird sortiert und weitergeliefert – unter anderem an ein Stahlwerk im Landkreis Augsburg, wo die Eisenmetalle eingeschmolzen werden, um daraus wieder neue Produkte herstellen zu können.

Bauschutt

Er wird zum Wertstoffhof gebracht und von der Firma Zosseder direkt zu den eigenen Bauschuttgruben zur Wiederverfüllung geliefert.

Textilien/Schuhe

Auch sie werden in Containern an den Wertstoffanlagen gesammelt. Die Stadt hat die Firma Wittmann aus Geisenhausen mit der Leerung beauftragt. Vom Firmenstandort aus gehen die Textilien und Schuhe an zertifizierte Sortier- und Verwertungsbetriebe in Deutschland und im Ausland.

Hartkunststoffe

Die am Wertstoffhof erfassten Mengen bringt die Firma Zosseder in die Schilchau. Von dort gehen die Hartkunststoffe an eine Firma im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, wo sie sortiert und zerkleinert werden. Das zerkleinerte Material wird weitervermittelt an Kunststoffrecycler.

Flachglas

Die Bürger bringen es zum Wertstoffhof, die Firma Zosseder transportiert das Flachglas in die Schilchau, von dort geht es an ein Aufbereitungsunternehmen im Landkreis Regensburg.

Wachs und Kork

Die am Wertstoffhof erfassten Mengen werden von der Herzogsägmühle (eine karitative Einrichtung der Diakonie) abgeholt und in der eigenen Werkstatt zu neuen Kerzen verarbeitet. Die Korken sammelt ebenfalls die Diakonie und leitet sie an einen Betrieb für Korkplatten weiter.

Speisefette und Öle

Sie werden im Rahmen der „Öli-Aktion“ am Wertstoffhof gesammelt. Die vollen Tanks werden von der Firma Berndt aus Oberding im Tausch gegen leere abgeholt. Aus den Fetten und Ölen wird Biokraftstoff und Ökostrom hergestellt.

Elektronikgeräte

Hersteller sind verpflichtet, sie zurückzunehmen. Bürger geben sie am Wertstoffhof in der Landwehrstraße ab. Die Stadt sammelt die von den Herstellern abzuholenden Altgeräte, Übergabestellen befinden sich auf dem Gelände der Firma Zosseder in Wasserburg. Dort wird der Elektroschrott sortiert, zwischengelagert und von den Herstellern abgeholt.

Batterien

Sie werden im Wertstoffhof in speziellen Fässern erfasst und zur Abholung bereitgestellt. Dies erfolgt über das „Gemeinsame Rücknahmesystem“ (GRS) der Hersteller. Der weitere Entsorgungsweg ist nach Angaben der Stadt aus gesetzlichen Gründen für die Kommune nicht nachvollziehbar.

Tonerkartuschen/ Druckpatronen

Sie werden im Wertstoffhof in Kartons gesammelt, die befüllten Behälter werden über die Interseroh Product Cycle GmbH in Melle der Wiederverwertung zugeführt.

Schaumdosen

Die Sammlung erfolgt im Wertstoffhof. Die befüllten Kartons transportiert eine Spedition zur PDR Recycling GmbH in Thurnau.

Mineralöle

Verkaufsstellen müssen Altöl zurücknehmen und einer Aufbereitung zuführen. Kleine Menge nimmt der Wertstoffhof an und sammelt sie in einem 200-Liter-Fass. Die Firma Karo AS pumpt das Öl ab und bereitet es auf.

Behandeltes Holz aus dem Außenbereich

Es wird im Wertstoffhof in einem Container gesammelt und von der Firma Zosseder zu einem Heizkraftwerk im Landkreis Freising transportiert, wo damit Wärme und Strom erzeugt werden.

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