GENEALOGIE ALS HOBBY

Wer in Wang etwas über seine Vorfahren wissen will, fragt den „Feichtner Hardl“

Wer in Wang wohnt und etwas über seine Vorfahren herausfinden möchte, ist beim „Feichtner Hardl“ richtig. Leonhard Mittermaier ist Hobby-Ahnenforscher.
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Wer in Wang wohnt und etwas über seine Vorfahren herausfinden möchte, ist beim „Feichtner Hardl“ richtig. Leonhard Mittermaier ist Hobby-Ahnenforscher.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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  • Marianne Fill
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1500 Sterbebilder aus 200 Jahren hat Leonhard Mittermaier aus Moos bei Wang gesammelt. Sein Hobby ist die Ahnenforschung. Wer etwas über seine Vorfahren herausfinden möchte, ist bei ihm genau richtig.

Wang/Unterreit – Ahnenforschung leicht gemacht: Für die Wanger Bürger ist es oft nur ein Gang zum „Feichtner Hardl“ nach Moos. In vielen Fragen braucht man kein Internet oder Ancestry, den weltweit agierenden Dienstleister für Familienforschung.

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Im Dorf kann nämlich Leonhard Mittermaier weiterhelfen. Und der früherer Zimmerer macht es mit Begeisterung. Mit seinem Hobby hat er sich enormes Wissen angeeignet. „Du muaßt de nur interessier’n dafür, dann macht des Suacha Freid“, sagt der „Hardl“, wie ihn alle nennen, mit einem Augenzwinkern.

Er ist in vielen Vereinen nicht wegzudenken, so war er etwa 20 Jahre im Vorstand des ESV Wang und machte 40 Jahre beim „Wuidschiaßn“ den Moar. Auch war er zwölf Jahre Gemeinderatsmitglied in Unterreit und sechs Jahre stellvertretender Bürgermeister.

Er half bei Glockenstuhlrenovierung

Die Chronik seiner Heimatgemeinde lag ihm immer am Herzen, genauso wie die Glockenstuhlrenovierung der Pfarrkirche in Wang.

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Einen besonderen Blick in die Genealogie der Wanger Familien und Häuser ermöglicht sein Ordner mit den Sterbebildern aus längst vergangener Zeit bis in die Gegenwart. Rund 1500 sogenannte „Totenzettel“ erinnern an die Bewohner von Wang und ihre Familien. Fein säuberlich sortiert sind die Bilder rückblickend auf rund 200 Jahre zu finden, geordnet nach Familien in den verschiedenen Weilern und Ortsteilen. Dazu eine detaillierte Aufstellung wer wann geboren wurde, geheiratet hat und verstorben ist. Oft kennt er auch die Todesursache eines Verwandten, der vor 200 Jahren verstarb.

Mit 82 Jahren Computer angeschafft

Um auch die kleinsten noch fehlenden Angaben zu finden, hat er sich der 82-Jährige nun einen eigenen Computer angeschafft. „Im Internet konnst eigentlich scho fast ois find’n“, erklärt er und zeigt, wonach er dabei googelt.

Bis ins Jahr 1800 geht er zurück. Online stöbert er in den Pfarrmatrikeln. Diese sind im Internet allerdings nur bis 1893 zu finden. Jüngere Notizen, die die Geistlichen in die Pfarrbücher geschrieben haben, würde er in Gars in der Pfarrei finden. „Teilweise stoße ich an die Grenzen – wegen des Datenschutzes“, sagt er im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung.

Kinder starben häufig an der „Froas“

Schwierig werde es auch, wenn beispielsweise eine Hoferbin nach dem Tod des Ehepartners wieder geheiratet habe und weggezogen sei. Interessant sei auch, was der Pfarrer zum Teil als Sterbeursachen niedergeschrieben habe. „Wassersucht, Auszehrung oder Lungensucht steht da. Kinder sind den Aufzeichnungen zufolge oft an der Froas gestorben“, so Mittermaier.

Wassersucht kennt mein heutzutage als Ödem. Unter Auszehrung sei, so vermutet Mittermaier, Unterernährung oder Nahrungsverweigerung zu verstehen. Und die Lungensucht sei ein alter Name für Tuberkulose. Die „Froas“ war laut dem Bairischen Wörterbuch eine Säuglingskrankheit mit krankhaften Zuckungen, das „Fraisen“ meint epileptische Anfälle.

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„Eine Wissenschaft für sich, das sind alte Sterbebilder. Erst ab 1930 werden darauf vollständig Geburts- und Sterbedaten genannt. Bei älteren Buidln steht sowas wie, ,ist im Alter von 70 Jahren zur neunten Stunde verstorben‘, aber nicht wann er geboren wurde und der Todestag fehlt auch.“ Diese fehlenden Daten zu ermitteln, das hat sich Leonhard Mittermaier zur Aufgabe gemacht.

Derzeit aber hat er die Sterbebilder zur Seite gelegt und widmet sich einer neuen interessanten Aufgabe. Er stöbert in Gemeindeunterlagen, die seit dem Jahr 1825 bis heute im Keller des Wanger Leichenhauses gelagert waren. Bürgermeister Christian Seidl hat ihn dazu beauftragt. Auch daran hat er seine Freude, obwohl er von einer „Mammutaufgabe“ spricht. Doch der „Feichtner Hardl“ wird ja nicht umsonst „der ehrenamtliche Wanger Archivar“ genannt.

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