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KUNSTGESCHICHTLICHES RÄTSEL

Wer hat das Wasserburger Pfingstrelief geschaffen?

Die Spannung des Pfingsttages hat der unbekannte Meister im Pfingstrelief des Heilig-Geist-Spitals festgehalten.
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Die Spannung des Pfingsttages hat der unbekannte Meister im Pfingstrelief des Heilig-Geist-Spitals festgehalten.

Das spätgotische Pfingstrelief in der Heilig-Geist-Spital-Kirche gibt Rätsel auf. Wer hat das Kunstwerk erschaffen? In den Rechnungen der Stiftung finden sich keine Hinweise

Wasserburg –- Bis 1812 bildete das um 1341 gegründete Heilig- Geist-Spital eine selbstständige Pfarrei, zu der neben den Pfründnern auch die Bewohner der Bruckgasse und des oberen Marienplatzes gehörten. Ein eigener Geistlicher betreute die kleine Gemeinde. Mit der Auflösung des Spitals 1970/71 erloschen auch die Gottesdienste und kirchlichen Feste in der Kirche, die am Pfingstfest jeweils ihr Patrozinium feierte.

Kaum in Erinnerung

Erstmals für 1992 beantragte Pfarrer Ludwig Bauer, wieder einen Gottesdienst mit der Gemeinde am Vorabend des Pfingstfestes in der Kirche, die im Eigentum der Stadt ist, feiern zu dürfen.

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Anlässlich des bevorstehenden Pfingstfestes soll das spätgotische Relief des „Pfingstwunders“, das zwar zu den bedeutendsten Kunstwerken dieser Epoche in der Stadt zählt, aber kaum bekannt ist, in Erinnerung gebracht werden.

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Der Name „Spital zum hl. Geist“ setzt geradezu einen Altar mit der Darstellung des Pfingstereignisses voraus. Und obwohl der heutige Hochaltar ein spätgotisches Relief mit den um die Muttergottes gescharrten Aposteln und dem Heiligen Geist birgt, findet dieses Kunstwerk bei den Beschreibungen der Kirche und in den Rechnungen des 17. und 18. Jahrhunderts keinerlei Erwähnung.

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Der Nachweis, dass die „Sendung des hl. Geistes“ zum Altbestand der Spitalkirche um 1800 gehörte, dürfte die Annahme stützen, dass das Relief auch schon zum gotischen Schreinaltar um 1500 gehört hat. Die Frage nach Werkstatt und Meister des Kunstwerkes wurde in der Forschung kaum diskutiert, da ja auch die Beschreibung des Gotteshauses in der kunstgeschichtlichen Literatur kaum eine Rolle spielt. Die „Kunstdenkmale des Königreiches Bayern“ von 1902 datieren es an das Ende des 15. Jahrhunderts.

Diese zeitliche Nähe seiner Entstehungszeit zur Schaffensperiode des Erasmus Grasser (um 1450 bis 1518) hat dazu geführt, es einem „oberbairischen Meister aus dem Umkreis des Erasmus Grasser“ zuzuschreiben“, was so jedoch nicht mehr haltbar ist (Nagel 1965, Ernst 1970/2001). Es läge nahe, dieses Relief dem ortsansässigen Meister Wolfgang Leb (um 1460 bis 1519/1524 = letzte urkundliche Erwähnung beziehungsweise Aufnahme eines neuen Meisters) zuzuordnen, doch sind von ihm bislang – trotz intensiver Forschung - nur Arbeiten in Stein wissenschaftlich gesichert bekannt, sodass ein stilistischer Vergleich des Reliefs mit etwaigen Holzplastiken von ihm nicht möglich ist. Es sei jedoch darauf verwiesen, dass er nach archivalischen Unterlagen 1518 einen Palmesel für St. Jakob geschnitzt und sein Sohn nach dessen Tod 1525, eine Restsumme für Arbeiten seines Vaters für das Hl. Geist-Spital gefordert und vom Magistrat erhalten hat. A

Das Hochrelief mit einer Länge von 133 Zentimetern und einer Höhe von 109 Zentimetern ist aus drei Lindenholzblöcken zusammengesetzt. Auf einem schmalen Sockel von nur etwa 20 Zentimeter Tiefe sind die Figuren auf einem Geländestück schräg nach hinten gestaffelt angeordnet, sodass sich eine Tiefenwirkung ergibt. Maria sitzt in der Mitte, umgeben von je sechs Aposteln auf jeder Seite.

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Die vorderen vier Jünger knien, die anderen stehen, sodass sie jeweils von der vorderen Reihe zur Hälfte verdeckt werden. Der Bildhauer hat gleichsam den Moment zwischen dem ersten und zweiten Vers von Kapitel zwei der Apostelgeschichte festgehalten: „Als der Pfingsttag endlich da war, waren sie alle an einem Ort beisammen.“ Die Blicke der Apostel sind nur vereinzelt neugierig nach oben gerichtet, wo gleich „vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm heran jagt“, entstehen soll, sondern auf Maria, die im Zentrum der jungen Kirche steht.

Maria im Zentrum der jungen Kirche

Es liegt eine ungeheure Spannung in der Gruppe, die sich in wenigen Augenblicken durch die Feuerzungen und das begeisterte Reden lösen wird.

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Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, die Werkstatt dieses Reliefs zu erforschen, um das Kunstwerk in den größeren Rahmen des Schaffens von Malern, Bildhauern und Goldschmieden am Ende der Spätgotik in Wasserburg gesichert einordnen zu können.

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