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Das sagt die Bahn

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo: Ramerberg verliert Haltepunkt - Bürger und Gemeinderäte sind sauer

Wer in Ramerberg in den Zug einsteigen möchte, der sollte dem Lokführer sicherheitshalber zuwinken, damit er an der Bedarfshaltestelle einsteigen kann.
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Wer in Ramerberg in den Zug einsteigen möchte, der sollte dem Lokführer sicherheitshalber zuwinken, damit er an der Bedarfshaltestelle einsteigen kann.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Wer in Ramerberg in den Zug einsteigen möchte, muss am Bahnsteig winkend auf sich aufmerksam machen. Viele Bürger sind sauer – auch weil sie von dieser Änderung nichts wussten. Die Bahn versteht den Ärger nicht.

Ramerberg – „Der Haltepunkt Ramerberg ist bei allen Zügen ab Fahrplanwechsel ein Bedarfshalt“, schreibt die Südostbayernbahn unter dem Stichpunkt „Fahrplanwechsel“ auf ihrer Internetseite. Ein Fakt, der seit dem 12. Dezember gilt und in Ramerberg für Irritationen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sprach Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR) das Thema an und kündigte an, bei der Bahn nach den Beweggründen für diese Regelung zu fragen. Außerdem brachte er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass weder er als Bürgermeister noch die Verwaltung über die neuen Bestimmungen informiert worden seien.

„Die schnellste Reisezeit für die Fahrt von Ramerberg nach Rosenheim mit dem Zug beträgt 20 Minuten. In der Regel fahren auf dieser Route, die sich über 19 Kilometer erstreckt, etwa 19 Züge am Tag. Sobald Sie an Bord sind, können Sie sich zurücklehnen und entspannen, auf Ihrem Weg nach Rosenheim sind keine Umstiege vorzunehmen“ – diese schönen Worte finden sich auf den Internetseiten der Südostbayernbahn.

Berufsschüler konnte nicht aussteigen

Im Gegensatz zu dieser beschriebenen Idylle steht ein Erlebnis, das Berufsschüler Yannic Tischer aus Ramerberg erst vor Kurzem hatte. Als er seine Schule in Rosenheim frühzeitig verließ, weil er sich unwohl fühlte, kam er leider nicht entspannt und auf direktem Weg nach Hause. Der 17-Jährige trat an diesem Morgen ziemlich allein die Rückfahrt im Zug von Rosenheim nach Ramerberg an, weil alle anderen noch die Schulbank drückten. Yannic wusste nicht, dass er neuerdings einen Halt in Ramerberg anfordern muss, wenn er dort aussteigen möchte. So reagierte der Schüler perplex, als der Zug durch Ramerberg durchfuhr. „Er kam nicht mal dazu, laut zu rufen, weil er so überrascht war“, schildert seine Mutter und Gemeinderätin Simone Tischer (UWR) den Vorfall.

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Ähnliches wäre fast Thomas Kirchgraber aus Ramerberg passiert, der Ende Dezember den Zug für einen Arztbesuch in Rosenheim nutzte. „Da wusste ich auch nichts davon, dass ich um Halt bitten muss“, erklärte er unserer Zeitung. „Aber da standen mehrere Fahrgäste in Ramerberg auf“, erinnert er sich. „Das war wohl mein Glück, sonst wäre ich auch in Reitmehring gelandet“, fürchtet er.

„Zum Aussteigen melden Sie sich bitte beim Triebfahrzeugführer, zum Einstieg stellen Sie sich bitte gut sichtbar auf den Bahnsteig“, heißt es auf der Internetseite der Südostbayernbahn zum Fahrplanwechsel.

Petra Hölzle, Gemeinderätin in Ramerberg (NRL/FWG) erinnert sich noch an bessere Zeiten: 2014 wurde der Stundentakt für den Ramerberger Zugverkehr eingeführt. „Von da an war unser Bahnhof dann ein fester Haltepunkt.“ Viele Ramerberger würden für ihre Wege zur Arbeit und zur Schule die Bahn nutzen. Für sie sei es deshalb unverständlich, warum sich die Südostbayernbahn für die Einrichtung einer Bedarfshaltestelle in Ramerberg entschieden hat, so die Hölzle.

Früher mit dem Zug direkt von Ramerberg bis nach Paris gereist

„Vor einigen Jahren bin ich mit meinem Mann noch von Ramerberg aus mit dem Zug direkt nach Paris gestartet“, beschreibt sie außerdem und bekräftigt weiter: „Wir nutzen den Zug aber auch häufig für Fahrten nach München ins Theater, oder Freunde nehmen ihr Rad im Zug mit, wenn sie uns besuchen kommen. Ramerberger kommen seit Dezember 2015 über Reitmehring mit dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) nach München, das ist kostengünstig und praktisch.“

„Seit Jahren kämpfen wir Mittergarser um den Erhalt dieses Bahnhaltepunktes, denn das ist ein Verkehrsmittel der Zukunft.“

Der Mittergarser Fritz Gottwald

Außerdem berichtet sie von einem Gesprächsprotokoll, das ihr vorliegt. „Im Februar 2019 fand ein Gespräch zwischen dem damaligen Bürgermeister Georg Gäch (NRL/FWG, Christian Kubasch, Geschäftsleiter bei der SOB, und Hans Ullrich Erbe von der Südostbayernbahn statt“, erläutert sie. Dabei sei man der einhelligen Meinung gewesen, dass der weitere Bestand der Haltestelle Ramerberg „unbedingt erforderlich“ sei, Kubasch habe den Ausbau oder die Erneuerung des Bahnhofsbereichs in Aussicht gestellt.

Was sagt die Deutsche Bahn zu der plötzlichen Umstellung?

Seit dem 12. Dezember ist Ramerberg nur noch ein Bedarfshaltestelle. Doch warum kam die Umstellung so plötzlich und warum wurde die Gemeinde nicht informiert? Dazu die Deutsche Bahn: „Die Umstellung erfolgte in Abstimmung mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Die Fahrgäste werden in so einem Fall von uns darüber informiert, eine weitere Information an Stakeholder erfolgt von unserer Seite nicht, da die Umstellung für die Reisenden keinerlei Einschränkungen im Angebot mit sich bringt. Dies ist das übliche Vorgehen bei der Änderung von Halte- in Bedarfshalte“, sagt die Pressestelle der Deutschen Bahn AG.

Es gebe keine Änderung oder Reduzierung beim Zugangebot Hintergrund dieser Maßnahme sei es, die Betriebsqualität und damit die Pünktlichkeit auf der Strecke zu verbessern. Grundsätzlich müsse ein Zug immer stehenbleiben, auch wenn keine Fahrgäste ein- oder aussteigen wollen. Da es in Ramerberg viele Zeiten gebe, an denen keine Fahrgäste aus- beziehungsweise einsteigen würden, müsse der Zug nun nicht mehr stehenbleiben und könne somit mögliche Verspätungen reduzieren.

Ärger über das Konzept der Bahn

Im Juni 2019 erreichte die Gemeinde Gars die Hiobsbotschaft: Die Südostbayernbahn werde an der dortigen Bedarfshaltestelle ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 keinen Zug mehr halten lassen, informierte das Landratsamt Mühldorf den damaligen Bürgermeister Norbert Strahllechner. Er vermutete damals: Die geringe Zahl der Passagiere, die in Mittergars zusteigen, sei offenbar nicht der einzige Grund. Es gebe in Mittergars auch Sicherheitsprobleme mit den Zu- und dem Einstiegen – baulicher Natur.

Gar nicht einverstanden mit dem Konzept der Bahn zeigte sich von Anfang an der Mittergarser Fritz Gottwald. „Seit Jahren kämpfen wir Mittergarser um den Erhalt dieses Bahnhaltepunktes, denn das ist ein Verkehrsmittel der Zukunft“, ärgerte er sich. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, alle vorhandenen Mittel für den Erhalt der Haltestelle einzusetzen – wenn auch, wie der Bürgermeister betont, die Gemeinde auf Entscheidungen der Betreiber keinen Einfluss nehmen könne. Das Dorfforum Mittergars kämpft gegen die Schließung des Bahnhaltepunktes – mit Protestschreiben, Mails, Anträgen, in Gesprächen mit Bahn, Politik und Behörden.

Im Februar 2020 lag Bürgermeister Strahllechner eine Zusage seitens der Südostbayernbahn beziehungsweise Bayerischer Eisenbahngesellschaft vor, dass das Grundstück im Bahnbereich nicht veräußert wird und auch ein Ausbau und die Wiedereröffnung des Bahnhalts erfolgen kann, sobald dafür vonseiten des Bundes ein Betrag von etwa 500 000 Euro zur Verfügung gestellt wird.

Darauf warte man in Mittergars noch heute – zwei Jahre später – erklärt auch der jetzige Garser Bürgermeister Robert Otter im Gespräch mit unserer Zeitung. „Im halbjährlichem Takt“ frage man bei der Bahn nach. Von deren Seite werde inzwischen auch die Elektrifizierung der Bahnstrecke als weitere Voraussetzung für eine Haltestelle am Mittergarser Bahnhofs genannt.

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