Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Experten aus der Region geben Tipps - mit *Checkliste*

Was tun mit aus dem Nest gefallenen Jungvögeln? Das müssen Sie wissen

Mit weit aufgerissenem Schnabel verdeutlich diese junge Amsel ihrer Mutter, dass sie hungrig ist. Sie sitzt noch wohlbehütet im Nest, doch was tun, wenn ein Jungtier scheinbar hilflos und einsam außerhalb angetroffen wird?
+
Mit weit aufgerissenem Schnabel verdeutlich diese junge Amsel ihrer Mutter, dass sie hungrig ist. Sie sitzt noch wohlbehütet im Nest, doch was tun, wenn ein Jungtier scheinbar hilflos und einsam außerhalb angetroffen wird?
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
    schließen

Momentan ist Vogelbrutzeit – auch in Wasserburg. So mancher flügge gewordene Jungvogel bettelt lautstark um Futter. Wurde er verlassen, soll man jetzt eingreifen? Das sagen die Experten.

Wasserburg/Amerang – Da sitzt sie mitten auf dem Weg: eine kleine Amsel, die mit Flügeln wild um sich schlägt und herzzerreißend um Futter bettelt. Bei diesem Anblick werden viele Beobachter schwach und wollen sofort helfen. Doch, was ist die beste Unterstützung für diesen kleinen Piepmatz? Das fragen sich dieser Tage viele Leserinnen und Leser. Wir haben Experten um Rat gebeten und dabei festgestellt: In Wasserburg direkt gibt es auf diesem Gebiet keinen Fachmann und keine Fachfrau.

Kein ausgewiesener Experte in Wasserburg

Das bestätigt auch Sabine Pröls, Leiterin der Regionalgeschäftsstelle Inn-Salzach im Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit Sitz in Engelsberg im Landkreis Traunstein.

Sabine Pröls, Diplom-Ingenieurin Landespflege, Leiterin der LBV-Regionalgeschäftsstelle Inn-Salzach.

Die Diplom-Ingenieurin für Landespflege ist zuständig für fünf Landkreise, darunter auch Rosenheim. Sie weiß, dass Wasserburg beim Thema „kleine Wildvögel“ ein weißer Fleck auf der Karte ist. „Wir haben dort leider keine ausgewiesenen Fachleute vor Ort“, erklärt sie, aber hilfreiche Tipps, die dem Vogelschutz dienen können, hat sie einige parat – und die gelten natürlich auch in Wasserburg.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier +++

So empfiehlt sie, den scheinbar verlassenen Jungvogel nicht sofort an sich zu reißen, sondern ihn zunächst aus sicherer Entfernung zu beobachten. „Nicht jeder Piepmatz ist in Gefahr. Lassen Sie ihm eine Stunde Zeit, meistens wird er dann doch noch von seinen Eltern versorgt“, rät sie.

Allerdings sollte er dabei nicht auf dem Boden sitzen bleiben, denn dort würden ihn die Eltern nicht füttern. „Man darf den Jungvogel aber gern anfassen und auf eine Astgabel oder natürlich bestenfalls in sein Nest zurücksetzen. Vögel haben keinen guten Geruchssinn, die Vogeleltern stört es nicht, wenn helfend Hände den Zögling berührt haben“, führt sie weiter aus.

Elke Stepen von der Wildtierhilfe Amerang geht sogar noch weiter: „Bauen Sie dem Kleinen gern auch ein kuscheliges Nest, falls Sie sein ursprüngliches Domizil nicht finden, und befestigen sie es möglichst weit oben in einem Baum an geschützter Stelle oder auf dem Balkon. Die Eltern werden in den meisten Fällen von den Rufen ihres Nachwuchses angelockt und übernehmen das Füttern wieder“, weiß auch sie aus Erfahrung. Sehr junge und kaum befiederte Küken sollten schnell zurück ins Nest. Ästlinge, die schon herumhüpfen aber anfangs noch nicht richtig fliegen können, sollten aus Gefahrenzonen gebracht und an eine geschützte, etwas erhöhte, Stelle gebracht werden. Jungvögel sollten auch möglichst vor Nässe geschützt werden, sie kühlen sonst zu schnell aus.

Zum Kerngeschäft der Wildtierhilfe gehören die Jungvögel zwar nicht, aber auch hier häufen sich die Anfragen von hilfesuchenden Vogelfreunden zur Brutzeit ganz besonders. „Wir sind aber keine Vogelauffangstation“, macht sie deutlich. „Wir helfen, wo es geht, beraten und geben Tipps. Je nach Situation vermitteln wir dann Kontakte und kompetente Ansprechpartner, aber die meisten, die sich ein wenig mit den kleinen Wildvögeln auskennen, werden von den Anfragen total überschwemmt und können nicht immer zusätzliche Pflegefälle versorgen,“ beschreibt sie die Situation. In den meisten Fällen sei es nicht notwendig, die Jungvögel einzusammeln.

Wie verzweifelt die Auffinder der kleinen Piepmätze oft sind, weiß auch Barbara Funke aus Wasserburg. Ihr Mann ist Tierarzt für Großtiere, „nicht für Vögel, trotzdem rufen immer wieder Ratsuchende bei uns an und fragen nach Tipps zur Rettung der kleinen Jungvögel“. Sie empfehle bei größeren Fundtieren die Fütterung mit Haferflocken und Würmern oder Maden, die es im Zoofachhandel zu kaufen gibt. „Aber vorerst sollte man schauen, ob die Vogeleltern die Fütterung nicht doch wieder übernehmen“, rät auch sie.

Wenn ein Vogel verletzt ist, dann gehöre er natürlich in ärztliche Obhut, sind sich alle drei Frauen einig. Wenn sie zwischen den Krallen einer Katze gelandet seien, dann bräuchten sie häufig Antibiotika oder weitere Hilfe. Doch auch unter den Veterinären seien Experten für wild lebende Vögel leider Mangelware.

Die Internetseite www.wildvogelhilfe.org sei allerdings eine super Alternative, empfehlen die Befragten einstimmig, wenn es gelte, sich fachkundigen Rat zu holen.

Das sind weitere Gefahrenquellen

Außerdem haben Elke Stepen und Sabine Pröls noch ein paar Tipps parat, die im Vorfeld für ein sicheres Aufwachsen der Jungvögel sorgen könnten: Katzen sollten während der Brutzeit erst in den Garten gelassen werden, nachdem mit ihnen ausgiebig gespielt wurde und sie reichlich fleischhaltige Nahrung gefressen haben, rät Pröls. Man solle die Stubentiger außerdem zur Dämmerung möglichst im Haus halten und könnte ihnen statt einem Glöckchen beim Freigang ein buntes Tuch umbinden.

Jungvögel brauchen manchmal Hilfe, aber nicht immer. Diese Checkliste hilft, besonnen Hilfe zu leisten. Grafik:

Stepen erinnert an Netze, die manche Gartenbesitzer zum Schutz ihrer Kirschernte oder anderen Beerensträucher aufhängen. Sie seien für manchen Vogel eine große Verletzungsgefahr. Dessen sollte man sich auch bewusst sein, wenn man sein Obst auf diese Weise schützen wolle.

Futterhilfe

Welcher Vogel mag welches Futter? Der Landesbund für Vogelschutz empfiehlt für sogenannte Weichfutterfresser wieAmseln, Drosseln, Rotkehlchen und Heckenbraunelle Äpfel, Rosinen oder Getreideflocken. Auch Mehlwürmer fressen diese Vögel gerne. Finken wieBuchfink, Bergfink, Erlenzeisig, Gimpel oder Kernbeißer sind ausgesprochene Körnerfresser. Sie wollen am liebsten Körnergemische, Erdnussbruch, Sonnenblumenkerne und energiereiche, ölhaltige Sämereien wie Hanf oder Mohn.Spechte und der Kleiber greift bei diesem Angebot auch gerne zu, freuen sich aber außerdem über Fettfutter und Mehlwürmer.Kohlmeise, Schwanzmeise, Sumpfmeise und Tannenmeise fressen besonders gerne Erdnussbruch, Sonnenblumenkerne und Fettfutter. Auch Mehlwürmer verschmähen sie nicht.

Hausperling und Feldsperling werden am besten mit Körnergemischen, Erdnüssen und Sonnenblumenkernen gefüttert.

Kommentare