„Weniger Zickenkrieg“ Haagerin Sophia Lutz macht eine Lehre zur Industrieelektrikerin

Kein alltäglicher Anblick in der Fertigungshalle der Firma Altmann in Albaching: Eine junge Frau tüftelt mit Ausbildungsleiter Markus Krude an einer Motorschaltung. Sophia Lutz aus Haag macht eine Lehre zur Industrieelektrikerin.
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Kein alltäglicher Anblick in der Fertigungshalle der Firma Altmann in Albaching: Eine junge Frau tüftelt mit Ausbildungsleiter Markus Krude an einer Motorschaltung. Sophia Lutz aus Haag macht eine Lehre zur Industrieelektrikerin.

Über diverse Praktika in allen Branchen kam Sophia Lutz aus Haag schließlich auf den Ausbildungsberuf der Industrieelektrikerin. Warum das junge Mädchen sich für den männerdominierten Beruf entschieden hat, erfahren Sie hier.

Von Andrea Klemm und Sophia Huber

Haag/Albaching – „Das hat am besten zu mir gepasst“, sagt Sophia Lutz über ihre Ausbildung zur Industrie-Elektrikerin. In der Fertigungshalle des Kranspezialisten Altmann in Albaching sitzt die 17-jährige Haagerin in der Lehrlingswerkstatt in tüftelt mit Ausbildungsleiter Markus Krude an einer Motorschaltung und baut ein Schutzrelais ein.

Praktika halfen bei der Berufswahl

Sie hat diverse Praktika hinter sich und nach dem Ausschlussverfahren ihren Lehrberuf ausgewählt. „Ich hab mich ausprobiert in einem Kindergarten, einem Altenheim, in einem Büro, einer Schreinerei, einer Zimmerei, bei einem Elektriker und am Girls Day bei Metallbau Hutterer teilgenommen. Auch bei Altmann hab ich ein Praktikum gemacht. Da hat es mir einfach getaugt“, sagt die Auszubildende. Industrie-Elektrikerin sei körperlich nicht so anstrengend wie Schreinerin, findet sie. Sie ist eine von fünf Azubis im Betrieb des Kranspezialisten und dabei das einzige Mädchen.

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Branche ist eine Männerdomäne

„Ja, unsere Branche ist eine Männerdomäne“, räumt ihr Chef, Robert Altmann, ein, „das Zeug, mit dem wir arbeiten, ist schwer. Sein Betrieb stellt Kran-Sonderanlagen her und bildet alle Gewerke – bis auf den Motorenbau – selbst ab. Hier arbeiten Ingenieure, Techniker, Schlosser, Elektriker, Mechatroniker und Zerspanungsmechaniker.

Lutz hat allerdings nichts dagegen in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten. Im Gegenteil, „da ist viel weniger Zickenkrieg. Es ist alles viel entspannter.“ Der einzige Nachteil, den sie sieht. „Ich habe Kontakt zu nur zwei Mädchen in meinem Alter.“

Eltern haben mit Handwerk wenig zu tun

Dass Lutz eine eher handwerkliche Tätigkeit ausführt, ist auf dem ersten Blick gar nicht selbstverständlich. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich eher mit Musik, spielt Querflöte und liest gerne. Auch ihre Eltern haben mit Handwerk wenig zu tun. „Meine Mutter ist gelernte Bankkauffrau. Mein Vater arbeitet in einer Versicherung.“ Beide hätten also einen Bürojob, aber Lutz wusste spätestens nach einem ihrer vielen Praktika, dass sie so etwas nicht machen wolle. „Im Büro sitzt man einfach nur rum, telefoniert und schaut in einen Computer. Da hat man am Ende gar nichts in der Hand, man sieht kein Produkt. Das fände ich sehr frustrierend.“

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Ihre kleine Schwester sei ähnlich gestrickt. „Sie hat zwei Praktika bei Friseuren gemacht.“ Vor Kurzem habe sie auch ein Praktikum bei der Firma Altmann absolviert und ihrer großen Schwester über die Schulter geschaut. „Sie wollte mal sehen, was ich hier so mache und wissen, ob das auch was für sie ist.“

Lehre im eigenen Betrieb wichtig

Robert Altmann jedenfalls hätte nichts dagegen, mehr Frauen auszubilden. Wie „Sophia den Job lebt und ihn toll findet“, das beeindruckt ihn.

Generell setzt er auf Ausbildung im eigenen Betrieb. „Unsere Eigengewächse kriegen auch mit, was in den anderen Bereichen, die zu unserem Business gehören, läuft. Haben Einblicke in die Mechanik oder die Konstruktion – und am Ende sehen sie das fertige Produkt, das große Ganze. Da steckt die Arbeit eines jeden drin“, sagt der Geschäftsführer, für den es keine „wichtigen und unwichtigen Berufe“ gibt.

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DAS SAGT DIE KREISHANDWERKERSCHAFT:

Im Handwerk arbeiten in Deutschland mehr Männer als Frauen. Laut Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) sind 36 Prozent aller im Handwerk beschäftigten Personen Frauen. „Es ist immer noch eine Männerdomäne“, sagt Mirjana Berndanner, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Rosenheim auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen. „Der Gender Gap wird sich auch nicht so schnell schließen. Aber es ist immer wieder toll bei den Freisprechungen zu sehen, dass Mädchen dabei sein, zum Beispiel haben wir kürzlich vier Elektrikerinnen verabschiedet“, so Berndanner.

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