Wenig Organisches, noch immer viel Plastik: Wasserburger Restmüll unter der Lupe

Bis Freitag wird in der Schilchau der Inhalt der Mülltonnen analysiert. Falk Neumann (Mitte links) erläuterte Vertretern der Stadtverwaltung und des Stadtrates die Vorgehensweise. Duczek

Einen schmutzigen, aber wichtigen Job erledigen derzeit die Mitarbeiter des Witzenhausen-Instituts in der Recyclinganlage der Firma Zosseder in der Schilchau (Eiselfing). Sie nehmen den Restmüll unter die Lupe – im Auftrag der Stadt.

Wasserburg – Die Stadt möchte wissen, was die Bürger in die Mülltonnen werfen. Und daraus Schlüsse ziehen, um die Recyclingquote noch weiter zu steigern. Diese ist, wie berichtet, bereits sehr hoch: Von 2017 auf 2018 ist die Restmüllmenge pro Einwohner und Jahr von 134 auf 95 Kilogramm gesunken. Der Grund ist die Einführung der Biotonne.

Wenig Organisches, noch immer viel Plastik

Falk Neumann, Diplom-Ingenieur für Abfallwirtschaft, stellt nach zwei Tagen Restabfallanalyse in der Tat bereits fest: „In den Mülltonnen befindet sich kaum noch was Organisches.“ Das ist schon einmal eine gute Nachricht, die schlechte war jedoch im untersuchten Müllberg zu sehen: Noch immer landen viele Verpackungen aus Plastik , die eigentlich in die Wertstoffcontainer gehören, in der Tonne: Flaschen, Tüten, Behälter für Lebensmittel.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Eine Woche lang – noch bis Freitag – untersucht das Institut Witzenhausen den Restmüll. Gestern Morgen beim Besuch von Vertretern der Stadt und des Stadtrates analysierten die Mitarbeiter sieben Kubik. Alle Kleinteile mit einer Größe unter vier Zentimetern werden ausgesiebt, berichtete Neumann. Dann wird der Rest per Hand in 20 verschiedene „Fraktionen“ – Wertstoffklassen – sortiert.

Das könnte Sie auch interessieren: Wertvoller Müll: Das geschieht in Wasserburg mit Papier, Plastik, Glas und Co.

Der mit der Analyse beauftragte Fachmann stellte fest, dass auch in Wasserburg nach wie vor viele verpackte Lebensmittel, vermutlich weil ihr Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, in der Mülltonne landen. Die Wegwerfmentalität ist auch in der Innstadt ein Thema. Ansonsten ist die Trennmoral der Wasserburger in vielen Punkten vorbildlich: Im Altstadtabfall, der am Montag untersucht worden war, fanden sich nur sieben Batterien. Im gestrigen Müll, gesammelt in einer Wasserburger Wohnsiedlung mit Ein- und Zweifamilienhäusern, gab es kaum „Ausreißer“, also Stoffe, die eigentlich in die Container oder in die Sammelstellen am Wertstoffhof gehören, um sie der Wiederverwertung zukommen zu lassen oder weil sie gefährlich sind. Heute wird der Müll einer Wohnanlage unter die Lupe genommen: Hier erwartet der Fachmann in der Regel eher Verstöße gegen die Mülltrennung – auch weil die soziale Kontrolle oft fehlt.

Die Deutschen haben über 30 Jahre Erfahrung mit der Mülltrennung, berichtete Neumann, Neubürger mit Migrationshintergrund benötigen nach seinen Angaben oft Beratung und Hilfestellung. Anleitungen der Stadt sollten deshalb in mövielen Sprachen veröffentlicht werden.

An welchen Stellschrauben die Stadt drehen kann

Grundsätzlich kristallisiert sich bereits heraus, dass die Stadt angesichts des dichten Containernetzes nur noch an wenigen Stellschrauben drehen kann, um den Anteil des Restmülls noch weiter zu verringern. In welchen Bereichen es Möglichkeiten gibt, darüber soll die Restmüllanalyse Aussagen treffen. Die Ergebnisse werden im Umweltausschuss des Stadtrates vorgestellt, teilte Bürgermeister Michael Kölbl.

Kommentare