Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Welchen Helmut hätten‘s denn gern?

Alles Helmut, oder was? Die Bilder von Kohl, Schmidt, Markwort und Co. bekamen die Betreiber der „Bar Helmut“, Maxim Bertram (links) und Moritz Reil, von Freunden und Gästen geschenkt. „Sein Opa hieß auch Helmut“, lacht  Maxim, der sich hauptsächlich ums administrative Geschäft kümmert. Im Rollstuhl sitzt er, seit er vier ist – und lebt  damit nach eigenen Angaben „ganz normal“. Klemm
+
Alles Helmut, oder was? Die Bilder von Kohl, Schmidt, Markwort und Co. bekamen die Betreiber der „Bar Helmut“, Maxim Bertram (links) und Moritz Reil, von Freunden und Gästen geschenkt. „Sein Opa hieß auch Helmut“, lacht Maxim, der sich hauptsächlich ums administrative Geschäft kümmert. Im Rollstuhl sitzt er, seit er vier ist – und lebt damit nach eigenen Angaben „ganz normal“. Klemm

Wasserburg – Was haben Kohl, Schmidt, Markwort und der Gin Tonic mit Apfelscheiben und Thymian gemeinsam?

Den Vornamen: Helmut. Als Moritz Reil und Maxim Bertram das Lokal im Theater Wasserburg, bisher Belacqua, Anfang Dezember eröffneten und ihrem Baby den Namen „BarHelmut“ gaben, schenkten ihnen Freunde, Familie und Gäste eingerahmte berühmte Helmuts zum Aufstellen.

Die beiden Jungs kennen sich seit der sechsten Klasse am Luitpold Gymnasium. Jetzt wagten sie gemeinsam den Schritt in die Selbstständigkeit. Das Besondere an Maxim ist sein Humor, sein ansteckendes Lachen, seine Souveränität – und dass ihm die richtig blöden Sprüche nichts ausmachen. Seit einem Unfall, bei dem er Rückenmarksverletzungen erlitt, ist er querschnittsgelähmt. Da war er vier.

Originell dämlich war ein Arzt, der ihn mit der Akte auf dem Schoß fragte: „Da sind Sie aber nicht selber gefahren, oder?“ Auch so ne Marke: „Eigentlich tust Du mir gar nicht sooo leid. Es gibt ja Exoskelette“ (äußere Stützstruktur, die aussieht, wie ein Roboter-Anzug, Anm. d. Red.).

Maxim kann bei sowas nur müde lächeln. „Ich reg mich nicht auf, dafür hab ich Momo und meine Freunde, die machen das stellvertretend“, sagt Maxim und zuckt die Schultern. Momo ist sein Kumpel, sein Compagnon Moritz, mit dem er jetzt Barbesitzer ist. „Ich flippe aus, wenn irgendwo eine Stufe ist, die da nicht sein soll, jemand den Behindertenparkplatz unberechtigt belegt“, sagt der 20-Jährige. Momo verteidigt Maxim. Das ist Freundschaft.

„Ich bleibe cool, fahre Auto, lebe mein normales Leben“, sagt Maxim Bertram. Wenn der Oberreither zwischendurch stationäre Aufenthalte in Murnau braucht, wo er erlebt, wie junge Leute, Anfang 20, nach schwersten Skiunfällen plötzlich nicht mehr laufen können und am Rad drehen, sei das echt hart.

„Ich kenne es ja nicht anders, weil ich damit groß geworden bin.“ Seine Sicht der Dinge: Im Rollstuhl zu sitzen, habe durchaus „Boni“. So bekommen er und eine Begleitperson Flug- und Bahntickets zum Sonderpreis. Bei Konzerten gelte dasselbe. „Ich bin ganz vorne an der Bühne, immer erste Reihe. Fange auch die Leute auf, die über mich drüber fallen.“ Praktisch, wenn das Mal ein hübsches Mädl ist, die so auf seinem Schoß landet. „Dem gefällt eh keine“, neckt ihn Moritz.

Der Edlinger studiert in Landshut Automobilwirtschaft und Technik. Das Grundstudium muss er hinter sich bringen, dann wird es interessant, sagt er augenzwinkernd. Neben der Uni habe er genug mit der Bar zu tun. Sie ist sein Baby – und schuld, wenn er mitten in der Nacht wach wird. Dann grübelt er: Hab ich an alles gedacht? Und geht seine To-Do-Liste durch.

Selbstdisziplin ist etwas, was sich junge Leute manchmal erst antrainieren müssen. Das weiß er ziemlich genau und schmunzelt wissend. Wichtig war ihm, wie auch seinem Geschäftspartner, nicht einfach nur das übliche Sortiment anzubieten. So gibt es neben Cola und Bier auch Gurken- oder Basilikumlimo und freche Cocktail-Kreationen. Abheben von der Masse, ist die Devise.

Gerade kommt der Bierfahrer, karrt die Kästen ins Lokal. Am Anlieferungstag, Donnerstag, startet Moritz gleich nach der Uni nach Wasserburg durch, schleppt Kisten, unterschreibt Lieferscheine, kauft Milchkartons, weil der Cappuccino gut gelaufen ist. Er kommt ins Schwitzen.

Das Grundstudium überstehen, dann wird es interessant

Maxim lehnt sich zurück und grinst. Die beiden haben eine klare Aufgabentrennung. Das operative Geschäft – Barkeeper, Kellner, Fingerfood-Koch, Personaleinteilung, Sortiment – regelt Moritz.

Das Administrative ist Maxims Part. „Ich treffe die Anzugträger, quatsche also mit Steuerberater, Versicherungsvertreter und Banker und kümmere mich um die Bestellungen. Wenn dann morgens um 3 noch ein paar Hanseln in der Bar abhängen, frühstücke ich die ab und rolle die Bestellung hin.“

Dann kann sein Spezl heimgehen und pennen, er muss ja am nächsten Tag wieder anpacken und Umsatz machen – oder studieren.

„El Patron“ – so wird Maxim von manchem genannt. Weil er am Kassentisch neben dem Tresen sitzt. Man kommt zu ihm, bestellt, bezahlt und bekommt die Order dann gebracht. Ganz einfach, wie in Italien. So spart man sich Personal und hat die Finanzkontrolle. „El Patron“, eben.

Maxim konzentriert sich im Moment voll auf die Bar. Der 21-Jährige hat im Berufsbildungswerk Waldwinkel Aschau/Inn eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann gemacht und sich im Anschluss auf die Selbstständigkeit vorbereitet. Finanzierung, Konzept, Umsetzung, Einrichtung – ein halbes Jahr ist da nix.

Seit Anfang Dezember ist die „Bar Helmut“ geöffnet. Bewirtet werden hier Theatergäste und „Walk-ins“, also Leute, die hier oben am Berg was trinken gehen wollen. In Wasserburg geht man oft „runter“, ein paar Stufen oder in eine Kellerbar, wenn man einen Absacker möchte. „Wir sind oben, haben einen schönen Ausblick, es ist hell und freundlich und im Sommer haben wir viel Platz für einen großen Biergarten“, kündigt Maxim an.

Das Thema Sperrzeiten hat die beiden Betreiber bisher nicht kümmern müssen. Da ihr Lokal sich nicht im Altstadtbereich befand, war es von dieser Beschränkung nicht betroffen.

Inzwischen ist die Sperrzeit wieder abgeschafft. Dadurch sei in Wasserburg generell wieder mehr los. Und davon profitiert auch die Bar Helmut. Auch ganz fremde Gesichter verirren sich inzwischen auf die Anhöhe an der Salzburger Straße in die Theaterbar, die sich in keine Schublade stecken lassen will.

Maxim: „Helmut ist wandelbar. Eingerichtet sind wir rustikal, loungig, loftig. Es gibt Couchen, massive Tische aus schwerer Eiche und Eisen, Fabriklampen. „Wenn jemand hier Geburtstag feiern und tanzen will, räumen wir aus und es wird getanzt. Oder Super Bowl geschaut oder einer Lesung gelauscht.“

Zweite Bar im Haus für den Austausch nach dem Theater

Sie wollen zwei Generationen gerecht werden: den etablierten Theatergängern und den jungen Nachtschwärmern. Die einen trinken ihren Sekt vor einem Stück, die anderen kommen nach 22 Uhr und freuen sich, wenn die Musik dann laut und basslastig ist.

Nach der Vorstellung mischen sich die Zuschauer dann bei Helmut unters Volk oder sie suchen die kleine Bar auf der Rückseite des Gebäudes auf, die auch geöffnet hat. In Helmuts kleinem Bruder kann man noch ratschen und diskutieren übers Theater – ohne gegen die Mukke aus der großen Box anbrüllen zu müssen. Die offizielle Eröffnungssause ist am Samstag, 16. Feb ruar, ab 20 Uhr. Helmut ist donnerstags bis sonntags ab 17 Uhr für seine Gäste da.

Kommentare