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Weitere Zeugen werden geladen und befragt

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  • VonTheo Auer
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Wasserburg – Eine Wurzelrinde aus dem Internet ist vielseitig verwendbar: als Droge oder auch als Färbemittel.

Vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht Rosenheim behauptete der Angeklagte, er habe die Rinde zum Färben von Seife nutzen wollen. Das konnte die Staatsanwaltschaft nicht glauben.

Im November 2019 deckte die Saarbrücker Kriminalpolizei einen Internethändler auf, der dort verschiedene psychotrope Drogen verkaufte. Dabei kam dessen Vertriebsorganisation und damit auch dessen Kundenliste ans Licht. Darauf fand sich auch ein 29-Jähriger aus Wasserburg, der im Oktober 2017 bei dem Drogenhändler 500 Gramm von der Wurzelrinde eines mexikanischen Wüstenstrauches über das Internet erworben hatte. Diese Rinde der Mimosa hospitilis – so der lateinische Name – wurde bereits seit mehreren Hundert Jahren von indianischen Schamanen verwendet, um sich in tranceähnliche Zustände zu versetzen. Seit 1976 zählt die Verwendung des daraus gewonnenen Wirkstoffes Dimethyltryptamin nach dem deutschen Betäubungsmittelgesetz zu den verbotenen Substanzen.

Sofern man diesen Wirkstoff im Internet sucht, findet man als erstes den Rat eines Anwaltes, bei einer Beschuldigung sich auf die Tatsache zu berufen, dass diese Wurzelrinde auch zum Färben verwendet werden kann. Tatsächlich gibt dieses Material rötliche Farbstoffe ab.

Der Angeklagte beschrieb vor Gericht ebenfalls ausführlich, wie er versucht habe, eine Seife mittels dieses „Färbemittel“ zu kolorieren. Nachdem dieses nicht von Erfolg gekrönt gewesen sei, habe er das Material zur Gänze entsorgt. Zu keiner Zeit habe er es als Rauschmittel verwendet oder diese Absicht gehabt.

Die Cannabisprodukte, welche man im Zuge einer Hausdurchsuchung am 26. Mai 2020 bei ihm fand, konnte er teils als ärztlich verordnetes Material belegen, teils als einem Mitbewohner gehörend erklären – was dieser bestätigte.

Das Gericht regte ein Rechtsgespräch an, in dessen Zuge der Verteidiger Rechtsanwalt Michael Kümpfbeck vorschlug, das Verfahren einzustellen, weil eine missbräuchliche Verwendung, ja sogar eine solche Absicht beim Erwerb der Wurzelrinde kaum nachweisbar sei und die aufgefundenen Cannabisprodukte erwiesenermaßen keine Straftaten seines Mandanten seien.

Dem mochte der Vertreter der Staatsanwaltschaft nicht zustimmen. Immerhin hatte der Angeklagte zwar keine Vorstrafen, aber eine erhebliche Drogenvergangenheit. Bekanntermaßen war er über einen längeren Zeitraum heroinabhängig.

Auch wenn die Haaranalyse Drogenfreiheit im vergangenen Halbjahr belegte, so wollte der Staatsanwalt einer Einstellung nicht zustimmen. Nachdem diesbezüglich eine Verständigung nicht zustande kam, setzte die Vorsitzende Richterin Melanie Bartschat die Verhandlung aus. Weitere Zeugen sollen geladen und befragt werden, damit das Gericht zu einem begründeten Urteil kommen kann. au

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