Weiter geht’s mit dem Dornröschenschlaf: Projekt Zehentstadel in Haag wieder einmal vertagt

Wann wird der Zehentstadel im historischen Haager Ortszentrum aus dem Dornröschenschlaf erweckt?
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Wann wird der Zehentstadel im historischen Haager Ortszentrum aus dem Dornröschenschlaf erweckt?
  • vonLudwig Meindl
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Und wieder einmal ist das Projekt Zehentstadel vertagt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung standen der Vorentwurf zum Ausbau und ergänzende Anträge der CSU-Fraktion auf der Tagesordnung. Mit zwei Gegenstimmen von SPD-Chef Peter Bauer und Siegfried Maier (SPD) wurde der betreffende Punkt aufgeschoben.

Haag – Dritter Bürgermeister Dr. Florian Haas (PWG) legte für die Fraktionen der PWG, CSU und Grünen den Antrag auf den Tisch, den „Themenblock Zehentstadel von der Tagesordnung zu streichen“. Begründung: „Es fehlt an der notwendigen Informationsbasis.“

Auch in seiner Fraktion habe die Beratung, das Drehen an Zahlen, das Diskutieren an alten Beschlüssen kein „vollumfängliches Bild ergeben“. Seit über zwei Legislaturperioden werde über das Gebäude bereits debattiert, so Haas.

Keiner will Projekt verhindern

Generell unterstrich er in seinen Ausführungen, dass keiner das Projekt verhindern wolle. Sein Vorschlag ging dahin, „noch in diesem Jahr zu diesem Thema in Klausur zu gehen“, um mit Verwaltung und Architekten zu beratschlagen. Im Juni war zuletzt über das weitere Vorgehen im Gemeinderat beraten worden. Daraufhin hatte eine Ortsbegehung stattgefunden – nicht die erste, aber die erste für die neuen Gemeinderatsmitglieder.

Nun hatte sich zwischenzeitlich die CSU zu Wort gemeldet. Vor allem sollen vor der Umsiedlung des Pfarrheims und vor dem Einbau der Bibliothek nochmals „Einsparungspotenzial“ überprüft werden, etwa bei den Posten „runde oder gewendelte Bauteile“. Zu aktualisieren sei die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, die den von der Kirche in Aussicht gestellten Mietzins als wirtschaftlich errechnet hatte. Darüber sollten die Räte nochmals abstimmen.

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Ein weiterer Änderungspunkt der CSU-Fraktion betraf den Ostteil, der zuletzt für ein Kino mit „Stadtcafé“ vorgesehen war. Statt eines „reinen Kinos“, solle die alte Turnhalle einen Mehrzweckraum aufnehmen, in dem unter anderem auch Filme gezeigt werden könnten, der aber auch für andere Veranstaltungen zu nutzen sei. Eine Vergrößerung müssten die Toilettenanlagen erfahren, dass sie bei größeren Ereignissen – wie etwa dem Maibaumaufstellen am Marktplatz – ausreichend seien.

Wendeltreppe nicht rausstreichen

Daraufhin hatte Architekt Udo Rieger gleich signalisiert, dass die zentrale Wendeltreppe, die sich um die Bibliothekskanzel schraube, den Einsparungen nicht zum Opfer fallen dürfe, da sie den „prägnantesten Entwurfsgedanken“ enthalte. Das „Kulturzentrum mit Café“ solle zur Belebung des Ortskerns führen.

Nachdem der Zehenstadel einst Waffenlager war, diente der Bau ab 1678 als „Abgabelager“ für die Steuer des „Zehent“, des zehnten Teils des landwirtschaftlichen Ertrags. Bis der Bau dann im 18. Jahrhundert an die Brauerei ging und mit einem Keller erweitert wurde. Von der letzten Haager Gräfin Marie Leopoldine gelangte er dann in den Besitz der Grafen Moy, die mit ihrem „Moy Bier“ in die jüngere Haager Geschichte eingingen.

Bis 1997 gab es hier Moy-Bier

Ende der 1980er bis Mitte der 1990 Jahre füllte die Brauerei im Ostteil 20 000 Flaschen Weißbier in der Stunde ab. Schon 1997, als die Moy-Brauerei in das letzte Jahr der Haager Produktion mit „kleinem Mitarbeiterstab“ ging, konnte keiner Angaben oder Vorschläge zur Zukunft des Baus machen.

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Aufgeschreckt wurde Haag dann durch die angebliche Anfrage eines Zementherstellers, hier einzuziehen. Die Gemeinde kaufte vor knapp 20 Jahren das gesamte Objekt des Zehentstadels.

Dann ging man mit der Sanierung des Daches den ersten Schritt in eine ungewisse Zukunft. Die ursprünglichen Interessenten von den Schützen der FSG bis zu den Kletterern des Alpenvereins winkten alle wieder ab.

2014 zog in das Gewölbe Josef Hederer mit seinem Bauernmarkt, nachdem er zehn Jahre im Rathaushof abgehalten worden war. Im Westteil quartierten sich die Bogenschützen unter Siegfried Bichlmaier ein.

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