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Weihnachtsgeschichte zum Zehentstadel

Zu den Berichterstattungen über den Haager Zehentstadel:

Sie lag ganz ruhig und friedlich in ihrer Grafschaft die kleine Markgemeinde. 200 Lichter strahlten von einem wunderschönen Gabenbaum, den die fleißige Bürgermeisterin des Fleckens aufstellen ließ. Jedem der braven Bürger hat sie es auch selbst mit einem Bild mitgeteilt. Leider konnte sie die bei den Bürgern beliebte Hauptstraße nicht weihnachtlich beleuchten lassen, weil dieser kaputt im Lager liegt und kein Geld für die Reparatur vorhanden ist.

Aber der liebe Gott hat ein Einsehen mit der braven Bürgermeisterin und hat den Landesvater beauftragt, sein Füllhorn mit vielen Millionen Euro auszuschütten, damit ein alter Stadl, der auch Maria und Josef gefallen hätte, renoviert wird. Dem Erzengel gefällt das schon seit Jahren nicht, denn die kleine Gemeinde kann sich nicht entscheiden, was in dem Stadl untergebracht werden soll. Es musste der Heilige Geist eingreifen, der die im Rat der Bürgermeisterin versammelten Gesellen veranlasst hat, zumindest dem göttlichen Mitarbeiter vor Ort ein neues Heim zu schaffen.

Ein Kino, zürnt der Erzengel, wollen sie für einige Millionen Taler einbauen. Haben sie nicht schon genug mit Fernsehen, Handy und Laptop? Haben sie vergessen, dass viele brave Bürger mit ihrem Zehnten das zusammengetragen haben, das hier ohne Hoffnung auf Rückzahlung verballert wird? Herr im Himmel, beten die Bürger, lasse den Heiligen Geist in der hochherrschaftlichen Runde walten, damit gesunder Menschenverstand der Eitelkeit und der Dummheit den Platz raubt.

Hoffentlich wird im nächsten Jahr wieder ein Weihnachtsbaum gespendet. Der Alte lässt sich nicht reparieren, für einen Neuen ist kein Geld da, denn die kleine brave Gemeinde braucht einen Stadl. Für wen und was auch immer.

Horst Berchtold

Haag

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