23 Gäste sind zu viel

Weihnachten in Corona-Zeiten: Wasserburger Großfamilie fühlt sich in Illegalität gedrängt

Weihnachten unter Corona-Auflagen: Heuer wird das Fest vor allem für Großfamilien eine Herausforderung. Wer darf kommen, wer muss daheim bleiben?
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Weihnachten unter Corona-Auflagen: Heuer wird das Fest vor allem für Großfamilien eine Herausforderung. Wer darf kommen, wer muss daheim bleiben?
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Es gibt sie noch – Großfamilien wie die Schwarz aus Wasserburg mit zwölf Kindern und sieben Enkeln. An Heiligabend kommen alle traditionell zusammen. Und heuer? Das Weihnachtsfest in Corona-Zeiten bereitet der Familie großes Kopfzerbrechen, denn im Elternhaus würden sich – eigentlich – mehr als doppelt so viele Personen versammeln wie erlaubt.

Wasserburg – Sechs der zwölf Kinder sind bereits verheiratet, drei haben feste Freunde und Freundinnen. Die sieben Enkel sind alle noch unter sieben Jahren alt, können also rausgerechnet werden. Trotzdem kommt Gastgeberin Marianne Schwarz auf 23 Personen, die anreisen würden. Sie haben alle Platz im großen Hof in Kornberg.

Die Mutter von zwölf Kindern im Alter von 15 bis 37 Jahren fragt sich, wie sie und ihr Mann heuer das Fest unter den Corona-Auflagen gestalten sollen. „Natürlich können wir auch an drei Tagen feiern, aber das ist logistisch nicht einfach. Außerdem wollen sich die Geschwister wenigstens an Weihnachten alle sehen, weil sie sich jetzt schon so lange nicht mehr getroffen haben“, sagt Marianne Schwarz.

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Was tun? Die behördlichen Regeln einfach ignorieren? Die Familie ist besorgt. „Von Bekannten haben wir gehört, dass eine Geburtstagsfeier mit 20 Personen stattgefunden hatte. Nachbarn zeigten dies bei der Polizei an, die kam und jeder der Gäste und das Geburtstagskind mussten 1000 Euro bezahlen, also insgesamt 20.000 Euro.“ Käme es soweit bei Familie Schwarz, würde es ein extrem teureres Familientreffen unter dem Christbaum. Marianne Schwarz fragt sich: „Sind wir auf dem Weg zum Stasistaat, wo jeder jeden anzeigen kann, wo alles überwacht und bestraft wird, wo jeder vor jedem Angst bekommt, wo keiner mehr seinem Nachbarn traut?“ Eine traurige Entwicklung sei das, findet sie.

„Dürfen wir an Weihnachten nicht einmal alle unsere Kinder einladen?“

„Kann es wirklich sein, dass wir an Weihnachten nicht einmal alle unsere Kinder einladen dürfen? Wer kann uns helfen?“, fragt Marianne Schwarz in einem Brief an die Wasserburger Zeitung (mit einem Bild möchte die Familie nicht in die Öffentlichkeit gehen). Einen Vorschlag hat sie: „Wäre es nicht schlauer gewesen, nicht die Anzahl der Personen auf zehn festzulegen, sondern einfach die Verwandtschaft in gerader Linie, also Großeltern-Eltern-Kinder-Enkel zuzulassen – egal wie viele Personen?“

Staatskanzlei: keine Ausnahmen

Die Pressestelle der Bayerischen Staatskanzlei teilt jedoch auf Anfrage der Wasserburger Zeitung mit, Ausnahmegenehmigungen seien vor dem Hintergrund der „kritischen Pandemielage und der zunehmenden Zahl der hospitalisierten Covid-19-Patienten zwischen dem 23. und 26. Dezember nicht möglich. Dass sich in dieser Zeitspanne zehn Personen – ohne Kindern unter 14 Jahren einzurechnen – treffen dürften, sei bereits eine Ausnahmevorschrift der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Verstöße würden eine Ordnungswidrigkeit darstellen und mit einem Bußgeld von bis zu maximal 25.000 Euro geahndet.

Angst vor hohem Bußgeld

Die Familie Schwarz wird sich deshalb Weihnachten 2020 räumlich trennen und ihre Zusammenkunft auf drei Häuser und Haushalte aufteilen. „Sonst werden wir als Großfamilie in die Illegalität gedrängt.“

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