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BAUVORHABEN „BEDROHT“ TRINKWASSER

Wasserwirtschaftsamt erklärt, warum man in Haag nicht in der Zone II bauen darf

Hinter dem Zaun liegen Brunnen und Wasserschutzgebiet, im Hintergrund sind Baywa, HEP und der Herbstfestplatz zu sehen.
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Hinter dem Zaun liegen Brunnen und Wasserschutzgebiet, im Hintergrund sind Baywa, HEP und der Herbstfestplatz zu sehen.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Von einem „hinreichend abstrakten Gefahrenpotenzial für die Trinkwassergewinnung“ spricht das Wasserwirtschaftsamt. Darum darf ein Bauherr aus Haag seinen Traum vom Mehrfamilienhaus in der Westendstraße nicht erfüllen. Das Fleckerl liegt in der Zone II des Wasserschutzgebietes.

Rosenheim/Haag – Ein Bauvorhaben in der letzten Baulücke an der Westendstraße in Haag kann nicht verwirklicht werden. Das geplante Mehrfamilienhaus ist ein „hinreichend abstraktes Gefahrenpotenzial für die Trinkwassergewinnung“, sagt Paul Geisenhofer, Baudirektor im Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (WWA). Er erklärt die Hintergründe. Der Brunnen III im Bereich von Haag ist technisch nicht gut ausgebaut und muss aufgegeben werden.

Grundwässer sollen sich nicht vermischen

Im Bereich des Marktes Haag liegen zwei natürlich durch Deckschichten getrennte Grundwasservorkommen vor: das oberflächennahe Grundwasser sowie das darunter liegende tiefere Grundwasserstockwerk. „Diese Grundwässer dürfen nicht vermischt werden. Der Brunnen III des Marktes Haag ist technisch schlecht ausgebaut und verbindet jedoch diese beiden Grundwasservorkommen“, so der Amtschef im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung. Somit entspreche der Brunnen III nicht dem Stand der Technik und die Grundwasserkörper können sich gegenseitig beeinflussen.

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Das normalerweise gut geschützte tiefere Grundwasser, die „eiserne Reserve“ – auch für künftige Generationen – kann dadurch in seiner Qualität und Quantität beeinträchtigt werden, befürchtet das WWA. „Das ist nicht vertretbar, der Brunnen III muss aufgegeben und zurückgebaut werden“, so Geisenhofer.

Zone II

Warum das „Bauvorhaben Eder“ abgelehnt wird, erklärt er wie folgt: Das Bauvorhaben liegt in der Zone II des Wasserschutzgebietes des Marktes Haag. „Die Zone II ist die engere Schutzzone eines Wasserschutzgebietes und damit ein sehr sensibler Bereich.“

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Während der Baumaßnahme, aber auch im Rahmen der Nutzungen treten Risiken für das Grundwasser auf. Das seien etwa die Reduzierung der Deckschichten, die Versickerung von Niederschlagswasser, erhöhtes Verkehrsaufkommen, Abwasserableitung, und eventuell der Einsatz von Pflanzenschutzmittel im Hausgarten.

Trinkwasser ist zu schützen

Er spricht von einem „hinreichend abstrakten Gefahrenpotenzial für die Trinkwassergewinnung“ – durch den Bau eines Mehrfamilienhauses. „Diese Risiken können durch Auflagen oder technische Maßnahmen aus fachlicher Sicht nicht ausgeglichen werden“, erklärt er und ergänzt, „solche zusätzlichen Gefährdungen für das Grundwasser können in unmittelbarer Nähe zum Brunnen nicht vertreten werden“.

Warum sind andere Bauvorhaben in der Nachbarschaft (Supermarkt, Tankstelle, Autowaschanlage) in den vergangenen Jahren auf diesem Wege genehmigt worden?#

Zone III

Laut Geisenhofer liegen diese Bauten nicht in der Zone II, sondern in der Zone III des Wasserschutzgebietes: Sie seien weiter vom Brunnen entfernt. „Das Grundwasser wird aufgrund der längeren Fließzeit zum Brunnen deutlich besser gereinigt. Trotz der bestehenden Bebauung konnte in der Vergangenheit ein wirksamer Trinkwasserschutz durch das Schutzgebiet erreicht werden“, erklärt er. Jede weitere Bebauung der engeren Schutzzone erhöhe jedoch das Risiko für den Brunnen.

Bauvorhaben in der Zone II hatte das Wasserwirtschaftsamt daher bisher aus fachlicher Sicht generell nicht befürwortet. Dem Bebauungsplan wurde damals zugestimmt, da zum damaligen Zeitpunkt der Brunnen III innerhalb kurzer Zeit aufgelassen werden sollte, erinnert Geisenhofer.

Brunnenproblem ist ungelöst

Dass nun über 20 Jahre später der Brunnen III jedoch immer noch am Netz ist, bestätigt er. Auf Nachfrage der Zeitung sagt Geisenhofer, der Eindruck des Baubewerbers, das WWA wolle über das Nein zu seinem Vorhaben jetzt Druck auf die Gemeinde ausüben, das Brunnenproblem endlich zu lösen, stimme nicht.

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„Die Ablehnung des Bauvorhabens hat fachliche Gründe. Sie ist zum Schutz des Grundwassers für die öffentliche Trinkwasserversorgung notwendig. Der Markt Haag sucht bereits seit einigen Jahren einen alternativen Brunnenstandort, um den Brunnen III ersetzen zu können. Dass die Suche bisher noch keinen Erfolg hatte, liegt überwiegend an den schwierigen geologischen Verhältnissen“, so der Amtschef aus Rosenheim.

Keine Ausnahme möglich

Eine Ausnahmegenehmigung aus wasserrechtlicher Sicht – da der Brunnen 2025 sowieso vom Netz genommen werden muss – sei nicht machbar. „Solange der Brunnen III noch weiter genutzt wird, muss der Schutz bestmöglich gewährleistet sein. Insofern ist es unerheblich, wie lange die Trinkwasserversorgung durch den Brunnen III weiter betrieben wird.“ Maßgeblich sei, dass der Brunnen III weiterhin zur Trinkwasserversorgung erforderlich ist, da noch kein Ersatzbrunnen existiert.

Die zuständige Rechtsbehörde für eine wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung sei das Landratsamt Mühldorf, wirft er ein. Das Wasserwirtschaftsamt nehme im Verfahren fachlich Stellung. In gleicher Weise werde auch das Gesundheitsamt beteiligt. Das öffentliche Interesse an einer einwandfreien Trinkwasserversorgung und die Interessen des Bauherren an der Realisierung eines Baugesuchs werden im Genehmigungsverfahren abgewogen.

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Auf Nachfrage bestätigt Geisenhofer, die Gemeinde Haag wisse bereits seit dem Jahr 2000, dass der Brunnen III zu ersetzen sei. Was geschehe, wenn es Haag bis 2025 nicht gelinge, einen Ersatz zu finden, hänge stark von den neuen Ergebnissen der Ersatzstandortsuche ab.

Keine neuen Erkenntnisse

Einen Runden Tisch im Landratsamt Mühldorf zu diesem Thema hat es nicht gegeben. Geisenhofer begründet: Das WWA hat seine Stellungnahme aufgrund der vorliegenden Informationen erstellt. „Da sich für den anberaumten Gesprächstermin keine neuen fachlichen Erkenntnisse ergeben haben, anhand derer sich die Stellungnahme verändert hätte, haben wir eine Teilnahme an einem Gespräch bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse vorerst zurückgestellt.“

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