Im Porträt

Wasserburgs Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann: Mit Ordnung an die dicken Bretter

Als „tough“ würde sie sich nicht bezeichnen, sagt Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann – hier am Erkerplatz ihres Arbeitszimmers im Rathaus. Doch die Bürger erleben sie genauso: als selbstbewusst und kompetent.
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Als „tough“ würde sie sich nicht bezeichnen, sagt Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann – hier am Erkerplatz ihres Arbeitszimmers im Rathaus. Doch die Bürger erleben sie genauso: als selbstbewusst und kompetent.
  • Winfried Weithofer
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Sie gilt als „tough“, kompetent, als Frau der klaren Worte: Ein Portrait von Wasserburgs Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann, die überzeugt ist: „Es gibt für jedes Problem eine Lösung.“

Wasserburg – Sie kommt rasch auf den Punkt, vermittelt gleich den Eindruck der Kompetenz, wobei von bürokratischer Steifheit bei ihr nichts zu spüren ist. Locker pariert sie im Gespräch auch schräge Fragen. Mechtild Herrmann ist seit acht Jahren Stadtbaumeisterin von Wasserburg und das will sie bleiben. Eine Frau, die, wie man sagt, „auf Zack“ ist. Das müsse sie sein, „sonst würde ich nicht hier sitzen“, bekennt sie selbstbewusst.

Ihre Sprache ist treffsicher und schnörkellos. Und sie kann humorvoll sein. Die schelmische Frage, was sie denn den lieben langen Tag so mache, kontert sie mit den Worten: „Wie viel Zeit haben Sie?“ Bei ihr kann man sich kaum vorstellen, dass sie auch einmal die Nerven verliert. „Das kommt vor, aber äußerst selten. Ich habe eine relativ hohe Belastungsgrenze“, sagt sie. Aufregung bringe gar nichts.

Arbeitsweise: kontrolliert und strukturiert

Auf ihrem Schreibtisch liegen dicke Aktenstapel, auf mehrere Ablagen verteilt. Ganz rechts die Papiere mit der höchsten Dringlichkeitsstufe. „Das ist mein Tagesgeschäft, da muss ich immer sofort ran“, erklärt sie. Und sie deutet auf die Unterlagen zu den Themen Feuerwehrhaus, Wohnanlage in der Ponschabaustraße, Museumsdepot, Achatzkirche und Stadtmauersanierung.

Weitere Dokumente bewahrt sie in Fächern an der Wand hinter sich auf: „Da ist alles, was die Verwaltung betrifft, Protokolle von Sitzungen, Baubesprechungen, Organisatorisches.“ Es sieht geordnet aus. Darum kümmere sie sich regelmäßig, „und dann ist es wieder gut“. Natürlich hat sie alles im Computer gespeichert, aber auf die Papierform könne sie nicht verzichten, weil sie häufig auswärts unterwegs sei. Herrmann, so viel wird deutlich, geht als Chefin von zwölf Mitarbeitern ihr Tageswerk mit preußischer Disziplin an, kontrolliert und strukturiert.

Aus NRW zunächst in den Chiemgau

In Nordrhein-Westfalen ist Mechtild Herrmann groß geworden, nach dem Abitur studierte sie in den 80er Jahren Bauingenieurwesen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Schon gleich nach dem Diplom war ihr klar, dass sie nicht in NRW bleiben wollte. „Meinen Mann habe ich im Studium kennengelernt und wir hatten dieselbe Idee.“ Nach Süden sollte es gehen, nach Bayern, wo sie als Kind mit ihren Eltern einige Urlaube verbracht hatte.

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Im Chiemgau fanden die beiden 1988 ihren ersten Job, sie konnten sich ihren Wunsch erfüllen, in einer traumhaften Umgebung mit Bergen und Seen ihre ersten Schritte im Beruf zu tun. „Ich war eine leidenschaftliche Schwimmerin und im Winter hab‘ ich gern Skilanglauf gemacht“, erzählt Herrmann.

Kein Heimweg nach der alten Heimat in NRW

Ihrer alten Heimat ist sie freilich weiter innerlich verbunden: „Ich schaue mit meinem Mann gerne WDR-Fernsehen.“ Aber Heimweh, nein, das habe sie nie verspürt. Bayern, das sei die richtige Wahl für den weiteren Lebensweg gewesen. Die erste Wohnung war in Eggstätt und als die Kinder auf die Welt kamen, wurde in Höslwang gebaut. Jetzt sind die Söhne 23 und 27 Jahre alt, der eine lebt in Wasserburg, der andere in Gräfelfing bei München.

Nach einer Zwischenstation in einem Planungsbüro in Bernau wechselte Herrmann ins Landratsamt Traunstein, wo sie sich bis zum Posten der Kreisbaumeisterin hocharbeitete. War es ein Karriereschritt, der in einer von Männern beherrschten Domäne mit Kampf verbunden war? „Ich habe es nicht so empfunden“, erinnert ich Herrmann. Sie habe „super Mitarbeiter“ gehabt, die sie unterstützt hätten. Natürlich habe ihr geholfen, dass sie ihr Fach beherrschte: „Ich bin sehr schnell in die ganze Thematik reingekommen.“

Zugleich habe sie rasch erkannt, dass es auch auf ein „gewisses Auftreten“ ankomme, wenn man etwas erreichen wolle. Auf die Frage, ob sie sich selbst als „tough“ bezeichnen würde, sagt sie, dass sie sich so nicht charakterisieren würde. „Wenn aber jemand von außen diesen Eindruck hat, liegt er nicht ganz falsch.“

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Auch das steht im Stadtentwicklungsprogramm von Wasserburg: ein Steg über den Inn

Die Traunsteiner Behörde konnte sie jedoch auf Dauer nicht begeistern. „Im Landratsamt ist man ja weit weg vom aktiven Bauen, es gibt viel Verwaltungsarbeit zu leisten. Ich bin aber eine Technikerin.“

2012 übernahm sie in Wasserburg die Stelle als Stadtbaumeisterin. Hier müsse sie zwar auch viele administrative Aufgaben stemmen, aber damit komme sie klar. Ob ihr die Arbeit Freude macht? Die Frage bejaht sie ohne Zögern. „Sonst würde ich mir was anderes suchen.“

Dass sie Bürgermeister Michael Kölbl in Sachfragen auch mal widerspricht, ihm im Stadtrat sogar ins Wort fällt, betrachtet sie als ganz normal. „Wir sind nicht immer einer Meinung. Das ist aber kein Problem.“ Wasserburg ist jedenfalls ihre letzte berufliche Station, was ihr schon bewusst war, als sie vor acht Jahren hierher wechselte. „Den Job kann man nicht nur drei, vier Jahre machen. Wenn man etwas erreichen will, braucht man Zeit.“

„Erklären, warum man nein sagt“

Kein Wunder bei der Vielzahl von Herausforderungen, die ihre Arbeit mit sich bringt. Stichwort Denkmalschutz: Jüngst ging es wieder um Solaranlagen auf Dächern der Altstadthäuser. Hier betont sie, wie wichtig diplomatisches Geschick sei: „Man muss erklären, warum man nein sagt.“ Der Antragsteller müsse die Begründung, wenn er sie schon nicht akzeptiert, so doch wenigstens verstehen, sagt Mechtild Herrmann.

Und wie steht es um die Umsetzung von ISEK, dem viel diskutierten Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept? „Da sind ganz dicke Bretter zu bohren“, räumt Herrmann ein. Zudem seien einige Entscheidungen des Stadtrats – etwa in der Frage der Fußgängerbrücke über den Inn – noch offen.

Pragmatikerin durch und durch, die ihre Freiheiten liebt

Mechtild Herrmann ist eine Pragmatikerin durch und durch, sie nimmt es hin, dass ihr hier und dort die Hände gebunden sind. „Ich bin zwar fremdbestimmt, aber in dieser Fremdbestimmtheit habe ich eine ganze Menge Freiheiten“, sagt sie mit einem Lächeln. Ihre Devise sei, dass es für jedes Problem eine Lösung gebe. Nach Dienstschluss kann sie aber ganz schnell abschalten und den Feierabend in ihrem Haus in Höslwang genießen. „Eine Stunde abends im Garten, das reicht mir schon. Dann ist mein Kopf wieder frei.“

Interview: Kurz & Bündig

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Mechtild Herrmann: Die Erfahrung, aus den Möglichkeiten, die ich hatte, etwas gemacht zu haben.

Was können Sie nicht ausstehen?

Herrmann: Unehrlichkeit und Intrigen

Was würden Sie gerne nochmal tun?

Herrmann: Da habe ich keine Idee. Ich bin mit meinem Leben rundum zufrieden.

Wann sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Herrmann: Bei meinem ersten Kind, mein Sohn hatte Allergieprobleme. Es ist aber alles gut geworden.

Worauf sind Sie stolz?

Herrmann: Auf meine Familie.

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