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20 Jahre Rathauschef – der etwas andere Rückblick

Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl über Erfolge, Krisen und Beinah-Katastrophen

Bürgermeister Michael Kölbl ist seit 20 Jahren im Amt. Fotograf John Cater hat ihn am für Kölbl symbolträchtigsten Ort fotografiert: am Inndamm mit Blick Richtung Roter Bücke und Altstadt. Diese ist „neben unserer gut aufgestellt lokalen Wirtschaft das Kapital unserer Stadt“, findet Kölbl.
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Bürgermeister Michael Kölbl ist seit 20 Jahren im Amt. Fotograf John Cater hat ihn am für Kölbl symbolträchtigsten Ort fotografiert: am Inndamm mit Blick Richtung Roter Bücke und Altstadt. Diese ist „neben unserer gut aufgestellt lokalen Wirtschaft das Kapital unserer Stadt“, findet Kölbl.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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„Mit Superlativen tue ich mich schwer“, sagt Bürgermeister Michael Kölbl. Trotzdem ist er bereit, eine etwas andere Bilanz von 20 Jahren Dienst im Rathauschefsessel zu ziehen. Das waren seine spannendsten Momente, die dramatischsten Ereignisse, die schönsten Erlebnisse.

Wasserburg – „Es gibt einen Tag, den werde ich niemals vergessen“, sagt Kölbl. „Es ist der Tag, an dem das namensgebende Denkmal von Wasserburg, die Burg, verkauft wurde.“ Bis heute empfindet Kölbl es als „Riesenerfolg“, dass es gelungen ist, den Komplex aus dem Mittelalter nach dem Rückzug der Ordensschwestern im Jahr 2010 an die Kreishandwerkerschaft zu übergeben. Und das Seniorenheim zu sichern. Die Verhandlungen seien damals vom erklärten Wunsch aller geprägt gewesen, es zu schaffen. Per Handschlag seien sich die Beteiligten am Konferenztisch einig geworden. Da sei ihm ein großer Stein vom Herzen gefallen, sagt Kölbl.

2005 wäre die Altstadt beinah untergegangen

Der dramatischste Tag seiner 20-jährigen Amtszeit war jedoch eine Nacht – vom 23. auf den 24. August 2005. Damals drohte das Jahrhunderthochwasser die Altstadt zu überfluten. Wenige Zentimeter fehlten, „dann wäre wir im wahrsten Sinn des Wortes abgesoffen “, erinnert sich Kölbl. Wäre es soweit gekommen, hätte das Hochwasser laut späterer Risikoabschätzung über 100 Millionen Euro Schaden anrichten können. „Wir haben also ein Riesenglück gehabt.“ Über eine Millionen Euro hat die Stadt danach erneut in Schutzmaßnahmen wie die Dammerhöhung gesteckt, den bis heute ab einem bestimm Pegel greifenden Hochwassereinsatzplan aufgestellt.

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Als extrem herausfordernd empfand Kölbl auch die Corona-Krise. Niemand habe eine Pandemie auf dem Schirm gehabt. Die sich oft stündlich wechselnden Auflagen hätten auch die Stadtverwaltung extrem gefordert. „Und nach wie vor sind die Langzeitfolgen für die Stadtgesellschaft nicht abschätzbar“, bedauert Kölbl. Eine Sorge, die ihn vor allem umtreibt: Dass das Wasserburger Vereinsleben Schaden genommen haben könnte. „Denn Wasserburg lebt von den vielen rührigen Ehrenamtlichen.“

Bewährte Strukturen bei Flüchtlingsaufnahme

Ihnen habe die Stadt auch zu verdanken, dass die zweite große Krise seiner Amtszeit, die Flüchtlingsaufnahme 2014 bis 2016, zu stemmen. Die vielen Ehrenamtlichen hätten „der Stadt alle Ehre“ gemacht, „ich bin bis heute stolz darauf, dass wir es so gut geschafft haben“, sagt Kölbl. Die damals entstandenen Strukturen – Helferkreise und Unterkunftsmöglichkeiten – hätten sich jetzt bei der Aufnahme der Ukrainer wieder bewährt.

Die vielen Ehrenamtlichen bescherten außerdem „viele schöne Stadtfeste “, große Jubiläumsfeiern (unter anderem 1200 Jahre Atetl und 150 Jahre Feuerwehr), die „tollen Bürgerspiele, sogar mit Wallenstein-Zug“ – und Sportfan Kölbl auch „beispiellose Aufstiege“ bei den Basketballerinnen und den Fußballern. Bei beiden ist derzeit zwar etwas die Luft raus, trotzdem gehört unter anderem der Basketball, mit dem die Frauen 2004 deutsche Meister wurden, nach wie vor zu den Lieblingsdekorationsstücken im Bürgermeisterzimmer.

Stolz auf eine lebendige und bunte Stadt

Auch kulturell habe sich viel getan in den vergangenen 20 Jahren, findet Kölbl. Zum Amtsstart hieß es unter anderem, das Theater Wasserburg auf feste Beine zu stellen. 2003 sei es gelungen, eine passende Struktur zu finden, heute sei die Stadt sehr stolz auf ein funktionierendes professionelles Theater.

Große Veränderungen gab es nach Erfahrungen des Bürgermeisters auch im Stadtbild. Eine der wichtigsten Baustellen ist eine ganz aktuelle: der Neubau von Inn-Salzach-Klinikum und Romed-Klinik. Auf Jahrzehnte hinaus sei damit der Gesundheitsstandort Wasserburg gesichert, freut sich Kölbl.

Größte Baustelle der Stadt war jedoch die Mittelschule: Für 19 Millionen Euro wurde sie generalsaniert und erweitert. Auch die Altstadt habe sich verändert: Straßen, Plätze und Gassen seien umgebaut, das Brucktorensemble sei saniert worden. Gerettet werde derzeit die Stadtmauer.

Foto von der ersten, noch erfolglosen Kandidatur im Jahr 1996.

Wichtig waren Kölbl nach eigenen Angaben außerdem Ankauf und Sanierungen der beiden Bahnhöfe in Reitmehring und in der Altstadt. – plus Bau der Busbahnhöfe. Als er anfing als Bürgermeister – vor genau 20 Jahren – gab es außerdem noch nicht einmal den Stundentakt im Stadtbus, jetzt fährt er sogar alle 30 Minuten.

Größte Herausforderung: die Energiewende

Auch die Kinderbetreuung hat sich stark verändert – und bereitet wieder Sorgen, bedauert Kölbl. Denn es fehlen Plätze und Fachkräfte. Größte Herausforderungen für die nächsten Jahre: die Schaffung von weiterem günstigem Wohnraum und die Energiewende. Wasserburg werde hier auf viele kleine dezentrale Anlagen setzen, so Kölbl. Größte finanzielle Belastung: das defizitäre Familienbad Badria. Es für die Zukunft als bezahlbare Einrichtung zu erhalten, sei eine der wichtigsten Aufgaben.

Mehr Unsicherheiten

Die Zeiten haben sich in den vergangenen Jahren stark geändert, findet der Rathausschef. Er stellt generell eine „gewisse Unsicherheit“ fest. Frieden, Stabilität, Planbarkeit: Das habe die erste Hälfte seiner Amtszeit in der Regel ausgezeichnet. Natürlich habe es auch viel Unvorhergesehenes gegeben – „ doch nicht so viele Fragezeichen wie heute.“ Die vergangenen Jahre hätten die Stadtgesellschaft vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt. Und trotzdem: „Wir haben den Krisen gut getrotzt, Wasserburg ist bunt, lebendig und dynamisch geblieben.“

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