Wasserburgs Bürgermeister beantwortet die wichtigsten Fragen der OVB-Leser zur Corona-Krise

Allein am Schreibtisch geht es ohne Schutzmaske;doch bei Besprechungen tragen die Mitarbeiter des Rathauses derzeit eine. Duczek.
  • Heike Duczek
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Die Corona-Pandemie wirbelt das Leben aller Menschen durcheinander. Es gibt viele Fragen und Sorgen, es gilt aber auch ungewohnte Abwägungen zu treffen. An vorderster Front beim Krisenmanagement in Wasserburg steht Bürgermeister Michael Kölbl.

Wasserburg – Die OVB-Heimatzeitungen haben Michael Kölbl die wichtigsten Fragen der OVB-Leser gestellt.

Wie arbeitet der Krisenstab? Wer trifft sich wie oft, was sind die Themen?

Michael Kölbl: Zum Krisenstab im Rathaus gehören die Fachbereichsleiter, das sind Thomas Rothmaier als Geschäftsleiter, Konrad Doser als Kämmerer, Mechtild Herrmann als Stadtbaumeisterin, Andreas Hiebl, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, Claudia Schaber, Leiterin des Ordnungsamtes, und Stadtwerkeleiter Marius Regler. Ich als Bürgermeister leite den Krisenstab. Er tagt in voller Größe jeden Montagvormittag. Unter fer Woche finden Besprechungen in unterschiedlichen Besetzungen statt. Wir treffen uns persönlich – selbstverständlich unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen mit den notwendigen Sicherheitsabständen. Das ist im Rathaus mit seinen vielen großen Räumlichkeiten gut möglich.

Wie läuft die Arbeit im Rathaus? Sind fast alle im Homeoffice? Wie werden die Schutzauflagen umgesetzt?

Michael Kölbl: Das Rathaus ist natürlich im Krisenmodus. Die Mitarbeiter befinden sich zum Teil in Schichtdiensten, deren Teams sich nicht begegnen. Einige arbeiten auch daheim. Wir haben jedoch bisher nur wenige Homeoffice-Plätze und sind gerade dabei, über unser EDV-Team die Zahl deutlich auszuweiten. Wir halten im Büro sämtliche Schutzmaßnahmen der Allgemeinverfügung ein. Wir halten zwei Meter Abstand zueinander. Wer den Dienst im Rathaus beginnt, wäscht sich als erstes intensiv die Hände. Am Mittwoch habe ich außerdem angeordnet, dass wir bei Gesprächen miteinander Masken tragen – nicht nur aus Schutz für die eigene Person, sondern auch, weil jeder von uns unwissentlich ein Überträger des Virus sein könnte.

Empfangen Sie derzeit noch persönliche Besuche?

Michael Kölbl: Ja, ich sehe regelmäßig die Abteilungsleiter im Rahmen des Krisenstabs. Hausintern bemühen wir uns jedoch darum, möglichst viel telefonisch zu erledigen. Bürger empfange ich nur noch in großen Ausnahmesituationen. Eine solche wäre eine Trauung. Doch die Nächsten sind alle vorerst abgesagt.

Es gibt viel Hilfe für Menschen, die einsam sind, zu Risikogruppen gehören, nicht aus dem Haus gehen können oder sollen. Wie werden die Hilfsangebote angenommen? Reichen sie aus?

Michael Kölbl: Ja, momentan noch. Die Wasserburger Löwen haben unseren städtischen Fahrdienst noch ergänzt. Dieser wurde von Senioren ja auch genutzt, um Arztbesuche zu tätigen. Derzeit haben die älteren Bürger weitaus weniger Arzttermine, diese Fahrten fallen also weg. Außerdem ist die Solidarität mit den Menschen, die allein daheim sind und Hilfe benötigen, auch in den Nachbarschaften groß. Man hilft sich gegenseitig.

Gibt es Hilfen der Stadt für Gewerbetreibende – etwa durch Stundung von Steuern?

Michael Kölbl: Ja, Betroffene können Anträge auf Stundung stellen – für mindestens drei Monate zinslos. Auch die gewerblichen Mieter der Stadt können sich drei Monatsmieten stunden lassen. Wenn weiterer Hilfsbedarf besteht nach dieser Zeit, entscheiden wir neu. Wir werden eine Lösung für jeden finden.

Gibt es Hilfe für Betriebe beim Ausfüllen der Förderanträge?

Michael Kölbl: Ja, gerne auf Anfrage. Doch wir stellen fest, dass die meisten Unternehmen und Betriebe mit ihren Förderwünschen bei ihren Steuerberatern aufschlagen. Die haben derzeit alle Hände voll zu tun, die Anträge abzuarbeiten.

Dürfen die Bürger noch auf den Friedhof?

Michael Kölbl: Ja, aber natürlich nur im Rahmen der Allgemeinverfügung. Die dortigen Vorgaben erlauben Spaziergänge an der frischen Luft, diese könnten zum Besuch des Friedhofs genutzt werden.

Ist die Trinkwasserversorgung „virensicher“?

Michael Kölbl: Ja, die Fachbehörden haben uns mitgeteilt, dass nach dem bisherigen Stand der Wissenschaft das Virus nicht über das Wasser verbreitet wird. Unser System in Wasserburg ist außerdem ein geschlossenes, die Reinigung der Hochbehälter ist für heuer erledigt und noch vor der Coronakrise durchgeführt worden.

Was sind die meist gestellten Fragen derzeit im Rathaus?

Michael Kölbl:Anfangs standen die Fragen rund um die Negativ- und Positivlisten bezüglich der Öffnungsmöglichkeiten von Geschäften und Dienstleistungsbetrieben im Fokus. Während der ersten Tage war die Nachfrage nach Informationen extrem hoch. Mittlerweile sind die Vorgaben so stringent und klar, dass die Unsicherheit abnimmt. Viele Bürger hatten anfangs außerdem Fragen zu Veranstaltungen: Finden sie statt, ja oder nein, werden sie verschoben, wenn ja, wohin? Eine große Herausforderung ist auch die Stichwahl am Sonntag: Es gab viele Fragen zur Briefwahl und zum Einsatz der Wahlhelfer oder zur Zusendung und zum Abschicken der Wahlunterlagen.

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Mit welchen Stellen stehen Sie in Kontakt, wenn es um die Krisenbewältigung geht?

Michael Kölbl: Mit dem Landratsamt und dem Gesundheitsamt und dem Krisenstab. Doch wir versuchen, möglichst alle Kontaktaufnahmen per Mail zu erledigen und aufgrund der schwierigen Situation, in der sich die Behörden befinden, unsere Nachfragen auf das notwendigste Maß zu reduzieren.

Wenn Sie ein Lob aussprechen möchten, ginge das an wen und warum?

Michael Kölbl: Ein großes Lob spreche ich allen Gruppierungen aus, die sich in dieser Krise bewähren: dem Wirtschaftsförderungsverband, der der Lieferservice für den Einzelhandel ins Leben gerufen hat, den Löwen, die unseren städtischen Fahrdienst ergänzen, allen Vertretern der sogenannten systemrelevanten Berufe: den medizinischen Diensten, den Pflegekräften, der Ärzteschaft, den Kassiererinnen und Kassierern, die stundenlang im direkten Kontakt mit den Menschen stehen und, und, und.

Ein dickes Lob gibt es auch für meine Mitarbeiter in allen Bereichen, die mit hoher Flexibilität dafür sorgen, dass unsere Einrichtungen nach wie vor so gut funktionieren. Ich bedanke mich bei den vielen Ehrenamtlichen, die helfen, bei den Nachbarschaften, die sich kümmern. Wir sind zusammengerückt in dieser Krise – sinnbildlich.

Wie geht es Ihnen persönlich?

Michael Kölbl: Ich und meine Familie sind gesund – bis jetzt. Doch ich stelle fest, dass diese außergewöhnliche Situation eine psychische und fachliche Herausforderung ist. Es ist eine Krisenlage, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. Da heißt es gut abwägen bei Entscheidungen. Es ist eine herausfordernde Zeit. Abends ist mein letzter Gedanke Corona, morgens mein erster. Es überlagert alle anderen Themen.

Wissen Sie, wie viele bestätigten Covid-19-Fälle es in Wasserburg gibt? Erfahren Sie davon?

Nein, die Daten der Behörden sind anonymisiert. Trotzdem höre ich viel. Ich gehe deshalb davon aus, dass wir in der Stadt deutlich im zweistelligen Bereich positiv getestete Personen haben.

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