Ausnahme gilt nur für Anlieger

Wasserburgs Altstadt bekommt ab Ende März 2021 eine Verkehrsberuhigung an den Wochenenden

An den Wochenenden wird der motorisierte Verkehr aus Hofstatt, Färbergasse und Herrengasse ausgesperrt und zwar immer samstags und sonntags von je 10 bis 24 Uhr. Ausgenommen sind Anlieger.
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An den Wochenenden wird der motorisierte Verkehr aus Hofstatt, Färbergasse und Herrengasse ausgesperrt und zwar immer samstags und sonntags von je 10 bis 24 Uhr. Ausgenommen sind Anlieger.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Das jahrelange Ringen um eine Verkehrsberuhigung in der Wasserburger Altstadt kommt nun vorerst zu einem Ende. Auf einen Kompromiss einigten sich die Stadtratsfraktionen. An den Wochenenden wird der motorisierte Verkehr ausgesperrt – Anlieger ausgenommen. Los geht es Ende März 2021.

Wasserburg – Überraschend einstimmig beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einen „hart erarbeiteten Kompromiss“: Kraftfahrzeuge aller Art werden an den Wochenenden aus Hofstatt, Färbergasse und Herrengasse verbannt – ausgenommen sind Anlieger.

Start an musikalischen Samstagen im März

Beginn ist am 27. März 2021, denn da starten regulär wieder die musikalischen Samstage, „dann haben wir einen Auftakt mit Musik“, sagte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) in der Sitzung, die in der Aula der Mittelschule stattfand.

Er berichtete von der Verkehrsklausurtagung am 10. Oktober und der schwierigen Herausforderung, alle Stadtratsfraktionen unter einen Hut zu bekommen, aber auch ebenso, alle Interessenslagen zu berücksichtigen.

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„Wir haben da ein buntes Spektrum an Bewohnern, Gewerbetreibenden, Fußgängern, Radfahrern, Autofahrern, Kunden und etwa Lieferanten. Und jeder will für sich gesehen etwas anderes“, so Kölbl.

Nach der neuen verkehrsberuhigenden Maßnahme wird ab 27. März 2021 immer samstags und sonntags jeweils von 10 bis 24 Uhr der motorisierte Verkehr ausgesperrt.

Radler und E-Bike-Fahrer immer willkommen

Demnach dürfen Radler und E-Bike-Fahrer passieren. Und Anlieger natürlich. „Anlieger haben ein Anliegen. Zum Beispiel Bewohner, Lieferanten und auch Kirchgänger“, so Kölbl. Im Vorfeld habe er die Polizei ins Boot geholt, die informelle Kontrollen durchführen wird, aber zumindest anfangs keine Bußgelder verhängen wird.

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Mit der Regelung soll der Fußgängerfrequenz mehr Gewicht eingeräumt werden. „Ich denke, das ist ein Kompromiss, mit dem jeder Stadtrat mehr oder weniger leben kann. Die einen mussten sich mehr bewegen, die anderen weniger. Das Gute: Es wurde offen und ehrlich miteinander diskutiert und das macht einen guten Kompromiss am Ende auch aus“, so der Bürgermeister, der auf eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung hoffe.

Obwohl er am Ende mit „Ja“ stimmte, verlieh Christian Stadler (Grüne) seiner Enttäuschung Ausdruck. „Wir hatten uns deutlich mehr erwartet“, sagte er. Dennoch wolle er die beschlossene Variante nicht von Vornherein in der Öffentlichkeit schlecht reden. „Wir werden das Ganze kritisch begleiten“, so Stadler.

„Schritt in die richtige Richtung“

Friederike Kayser-Büker (SPD) sprach von einem langwierigen Prozess und einem „Schritt in die richtige Richtung, aber vielleicht ist das nicht der letzte Schritt“. Lorenz Huber (Bürgerforum Wasserburg) sagte „leben und leben lassen. Jeder sollte auf die eigene Disziplin schauen – Anwohner wie auch Besucher. Mit diesem Krompromiss jedenfalls können wir gut leben“.

Heike Maas (CSU/Freie Wähler/Wasserburger Block) sagte, „nach wie vor sieht die CSU keinen Handlungsbedarf. Wem gehört denn die Altstadt? Allen!“ Man hätte alles so lassen können, wie es ist. Dennoch ging auch ihre Fraktion mit.

DAS SAGT DER WFV:

„Das ist ein Kompromiss, mit dem wir leben können – schweren Herzens. Wir haben ja dazu im Vorfeld gegenüber dem Stadtrat schon Stellung bezogen“, sagt Moritz Hasselt, Vorsitzender vom Wirtschaftsförderungsverband (WFV) in Wasserburg.

„Man muss irgendwie aufeinander zugehen, wenn sich etwas bewegen muss. Wir als Gewerbetreibende haben appelliert, nicht in der Corona-Zeit mit dem Verkehr zu experimentieren“, so Hasselt weiter. Zum Thema „Anlieger frei“ sagte er augenzwinkernd, ein Anliegen habe jeder, der reinfahren will.

Dem WFV sei es wichtig, dass eine Verkehrsberuhigung nicht zu Lasten der Einkaufsstadt gehe – vor allem jetzt, im Corona-Jahr 2020. Es sei geprägt von den Einbußen des Lockdowns und Hygienebeschränkungen. „Kaum einer, der nicht Feder lässt“, so die WFV-Mitglieder. Bewährte Veranstaltungen wie Marktsonntage und Feste, die die Frequenz in der Altstadt erhöhen würden, seien außerdem ausgefallen. Stationäre Geschäfte ständen verstärkt in Konkurrenz zum Online-Handel.

„Der hohe Leerstand in der Altstadt zeugt davon“, hieß es in der Stellungnahme des Verbandes, der sich statt einer Verkehrsklausur des Stadtrates eine „Wirtschaftszukunftsklausur“ gewünscht hätte. Wichtig sei die Erreichbarkeit der Betriebe in der Altstadt. „Ohne Erreichbarkeit verpuffen alle anderen Bemühungen um Attraktivität, Qualität und Vielfalt.“

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