Die Wasserburger Zeitung schaut zurück

Jahresrückblick auf 2020, Teil III: Corona schlägt in Wasserburg wieder zu

Abendstimmung in der Altstadt: Statt Menschenmassen, unterwegs zum Christkindlmarkt, sind im Corona-Dezember 2020 nur wenige Passanten in den Gassen unterwegs.
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Abendstimmung in der Altstadt: Statt Menschenmassen, unterwegs zum Christkindlmarkt, sind im Corona-Dezember 2020 nur wenige Passanten in den Gassen unterwegs.
  • vonKatharina Heinz
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Auch in den letzten vier Monaten dieses verrückten Jahres war die Pandemie das alles beherrschende Thema. Die Wasserburger Zeitung hat jedoch nicht nur über Sorgen berichtet, sondern auch über ein Wunder - und einen Neuanfang.

Wasserburg – Schulstart – für die Wasserburger Schüler begann im September ein neues Jahr unter Corona-Bedingungen. Während Eltern auf eine halbwegs geregelte Betreuung ihrer Kinder hofften, versuchte man in den Schulen, mit den jeweils aktuell geltenden Auflagen zurecht zu kommen: In den ersten beiden Wochen nach den Ferien zum Beispiel galt an den Wasserburger Schulen Maskenpflicht auch im Unterricht. Damit sich auch die Erwachsenen weiterbilden können, stellte die VHS Wasserburg ihr neues Programm vor. Erfreulich: Die Preise blieben gleich, das Vortragsprogramm wurde deutlich ausgeweitet. Ausfallen musste dagegen das Attler Herbstfest. Stattdessen wurde ein Herbstfest „to go“ durchgeführt. An acht Stationen konnte man etwa masskrugschiabn oder Leckereien naschen.

Viele Sorgen im September

Die unbekannte Wasserburger Häkel-Künstlerin hatte sich dem Thema bereits angenommen – bei ihr krabbelten gehäkelte Spinnen in ihren Netzen in leeren Schaufenstern. Im September berichtete auch die Wasserburger Zeitung über den zunehmenden Leerstand in der Altstadt. Zu diesem Zeitpunkt gab es verwaiste Geschäfte etwa in der Schustergasse, der Postgasse oder der Färbergasse. Neben Corona macht die Konkurrenz aus dem Internet den Geschäftsleuten zu schaffen.

Dafür soll es am Badria-Parkplatz bald wieder richtig rund gehen. Die Wasserburger Skateboard-Fahrer wollen dort einen neuen Skaterpark errichten. Dazu haben sie zunächst den Verein „Movinn´ Forward“ gegründet. Mit viel Eigenarbeit und finanzieller Unterstützung der Stadt wollen sie das in die Jahre gekommene Areal nun erneuern.

Erfolgreich zu Ende gegangen ist im September die Aktion „Kunstrausch“. In 25 Geschäften waren rund 100 Kunstwerke ausgestellt und machten jeden Schaufensterbummel zu einem besonderen Erlebnis.

Ende September rückte das Sorgenkind Badria in den Fokus. Zwar hatte es im Sommer trotz Corona öffnen können – die Auflagen machten aber einen lukrativen Betrieb unmöglich. Und schon davor war das Bad defizitär. Denn im Wasserburger Stadtrat ist man überzeugt, dass das Badria dank moderater Eintrittspreise ein Familienbad bleiben soll. Eine 2,5 Millionen-Finanzspritze aus dem Haushalt löste eine Diskussion darüber aus, ob man das Bad nicht gesundschrumpfen solle. Das Ergebnis: Preise und Struktur kommen auf den Prüfstand. Dennoch soll das Badria auch bei kleinem Geldbeutel bezahlbar bleiben. Etwas später, im Oktober, wurde bekannt, dass das Badria in diesem Corona-Jahr Umsatzeinbußen von 50 Prozent verzeichnen musste.

30 Jahre wirkte er in Wasserburg. Im September wurde Pfarrer Paul Schinagl in einem Festakt unter Corona-Bedingungen in den Ruhestand verabschiedet. Er wolle sich jetzt seinen Hobbys, dem FC Bayern und dem Fischen, widmen, sagte er.

Neuanfang und Abschied im Oktober

Kurz danach im Oktober wurde Schinagls Nachfolger mit einer feierlichen Messe in sein Amt eingeführt. Der 37-jährige Bruno Biblinger bekam von Dekan Klaus Vogl symbolisch den Schlüssel von St. Jakob überreicht. Als neue Gemeindereferentin wird ihm Angelika Witt zur Seite stehen.

Während die Wasserburger Stadtgarde verkündete, dass der Fasching 2021 ausfällt, müssen sich die Reitmehringer von den Bäumen der Bahnhofstraße verabschieden. Die Eschen, die die Allee schmücken, sind teils 100 Jahre alt und sterbenskrank. Sie sollen Stück für Stück durch Spitzahorn ersetzt werden.

Ende Oktober machte das Rosenheimer Landratsamt einen Strich durch ein Wasserburger Vorhaben. Der Stadtrat hatte davor ein Konzept eines mobilen Biergartens am Inndamm befürwortet. Ein Ausschankwagen und Sitzgelegenheiten sollten dabei am Inn aufgestellt werden. Aus gaststättenrechtlicher und wasserrechtlicher Sicht nicht genehmigungsfähig, hieß es von Seiten des Landkreises. Ablassen wollen die Initiatoren von der Idee trotzdem nicht. Sie kündigten an, das Konzept neu zu überdenken.

Ein Wunder im November

Diese Klausur hat es gebracht: Denn nach einer Tagung zum heftig umstrittenen Thema „Verkehrsberuhigung in der Altstadt“ haben sich die Stadtratsmitglieder überraschend geeinigt. Ab 27. März werden an den Wochenenden sämtliche Kraftfahrzeuge aus Hofstatt, Färbergasse und Herrengasse verbannt. Die verkehrsberuhigende Maßnahme soll immer samstags und sonntags von 10 bis 24 Uhr gelten. Anwohner sind ausgenommen.

Eine endgültige juristische Entscheidung fiel auch in Sachen Altstadtbahn. Der Freistaat Bayern hatte die Stilllegung der Strecke zwischen Reitmehring und der Wasserburger Altstadt beschlossen, wogegen das Konsortium der Altstadtbahn in mehreren Instanzen geklagt hatte. Im November hatte nun auch das Bundesverwaltungsgericht bestätigt, dass die Stilllegung der Strecke rechtmäßig sei. Enttäuschung herrschte beim Fahrgastverband „Pro Bahn“. Dort betrachtet man es als „völlig aus der Zeit gefallen, im Umland des Ballungsraumes München Schienen stillzulegen.“ Der Wasserburger Stadtrat hatte sich indes für eine Stilllegung ausgesprochen. Bürgermeister Michael Kölbl würde sich einen Radweg auf der Strecke wünschen.

Mit der zweiten Corona-Welle traten auch in Wasserburg erstmals Corona-Skeptiker auf den Plan. Mit einer künstlerischen Performance und einer Demo machten rund 120 Gegner der Corona-Maßnahmen auf deren „Unverhältnismäßigkeit“ aufmerksam. Auf der anderen Seite sprachen sich etwa 60 Gegendemonstranten gegen Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus aus. 50 Einsatzkräfte der Polizei waren vor Ort, alles blieb friedlich. Bei einer weiteren Demo am darauffolgenden Samstag war das Interesse deutlich geringer. Nur noch 30 Teilnehmer kamen dafür an den Marienplatz.

Wirbel um Deponie im staaden Dezember

Im Dezember ging der Streit um die geplante Deponie in Babensham an der Grenze zu Wasserburg in eine neue Runde. Für Wirbel sorgte das Vorhaben der Firma Zosseder, einen Parkplatz zu verlegen. Das Staatliche Bauamt hatte dafür eine Genehmigung erteilt, während die Genehmigung zum Bau der DK1-Deponie von Seiten der Regierung von Oberbayern noch aussteht. Durch die Parkplatzverlegung könnte eine Zufahrt zur Deponie entstehen. Bei einem Ortstermin besichtigten Vertreter der Bürgerinitiative Wasserburger Land und des Bund Naturschutzes mit Landtagsabgeordneten der Grünen das Areal der geplanten Deponie, auf der auch asbesthaltige Stoffe eingelagert werden könnten.

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Zum Jahresende folgte dann noch eine besondere Eröffnung. Am Riedener Weg ging das neue Schöpfwerk in Betrieb. Das eher unscheinbare Gebäude, welches das bestehende Schöpfwerk ergänzt, hat eine große Bedeutung für den Hochwasserschutz in Wasserburg. Es verhindert, dass die Altstadt bei Starkregen absäuft. Die vier Pumpen sollen pro Sekunde 1000 Liter Wasser bewältigen können. Die Baukosten lagen bei rund vier Millionen Euro.

In den letzten Tagen des Jahres fuhr auch in Wasserburg das Leben wieder herunter. Nachdem die Corona-Zahlen auf zu hohem Niveau stagnierten, ordnete die Regierung den harten Lockdown an. Erneut mussten Geschäfte und Co. schließen. Weihnachten in Wasserburg wurde 2020 zu einer wirklich „staaden Zeit“.

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