Wasserburger Zeitung löst Rätsel: Absenderin der „geheimnisvollen Flaschenpost“ gefunden

Stehen am „Flaschenpostbriefkasten“: Hannah Konrad, die die Botschaft in Mittergars in den Inn geworfen hatte und Dieter Leier, der sie bei einer Kajaktour rausgefischt hat.
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Stehen am „Flaschenpostbriefkasten“: Hannah Konrad, die die Botschaft in Mittergars in den Inn geworfen hatte und Dieter Leier, der sie bei einer Kajaktour rausgefischt hat.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Ein Bibelzitat per Flaschenpost: Dieter Leier aus Bergham fischte im August bei seiner Kajaktour auf dem Inn auf Höhe Kloster Au eine Flaschenpost aus dem Wasser. Mit Hilfe der Wasserburger Zeitung hat der 60-Jährige die Absenderin ausfindig gemacht. Hannah (10) aus Zangberg hatte die Botschaft zum „Licht der Welt“ losgeschickt.

Au/Mittergars/Zangberg– „Gott sei Dank ist niemand schiffbrüchig geworden“ schreibt Dieter Leier aus Bergham an die Wasserburger Zeitung. Er hatte im August beim Kajakfahren aus dem Inn eine Flaschenpost gefischt und mit Hilfe unserer Berichterstattung die Absenderin ausfindig gemacht: die zehnjährige Hannah Konrad aus Zangberg.

Bei Kajaktour etwas Glitzerndes entdeckt

Die Schülerin hatte die Flaschenpost bei einem Kindergottesdienst der „Christlichen Gemeinde Wasserburg“, der auf einem Bauernhof in Mittergars stattfand, gebastelt und in den Fluss geworfen.

Dieter Leier ist Ingenieur und hat einen Plan erstellt über den „Postweg“ der Flaschenpost, die er auf Höhe Kloster Au aus dem Inn gefischt hatte.

Aus dem Johannes-Evangelium

Dieter Leier war einige Tage später auf Kajaktour und sah etwas im Wasser glitzern: eine Plastikflasche mit hübschen Bändern verziert.

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Im Inneren befand sich ein zusammengerolltes Blatt patiniertes Briefpapier mit einem Bibelzitat. „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. Johannes 8 Vers 12“, stand da geschrieben, dazu der Nachsatz, „diese Nachricht wurde vor ungefähr 2000 Jahren geschrieben und gilt heute immer noch!“.

Kein Kommunionkind

Der 60-jährige Ingenieur dachte gleich an ein Kommunionkind als Absender, „auf jeden Fall ein Mädchen“. Nach der Berichterstattung in der Zeitung meldete sich die Mama der Absenderin bei der Redaktion und ein Treffen zwischen Finder und Absenderin kam zustande. Ein Kommunionkind ist Hannah nicht, sie gehört einer freikirchlichen Gemeinschaft an.

Zeitungsartikel bringt Finder zu Absenderin

„Als der Artikel in der Zeitung erschien, waren wir gerade im Urlaub. Mit Freude haben wir ihn danach gelesen und freuen uns auf einen Kaffee mit Herrn Leier“, schrieb Irene Konrad an die Wasserburger Zeitung.

Treffen auf Hof in Mittergars – beim Inn

Das stand in der Flaschenpost.

Das Treffen fand bei Familie Geisberger in Mittergars statt. Die Geisbergers sind die Ansprechpartner der „Christlichen Gemeinde Wasserburg“ und veranstalten wegen Corona die Versammlungen gern auf ihrem Hof. „Wir haben Platz und im Sommer war es toll für die Mädchen und Buben, dass sie im Rahmen der biblischen Kinderstunde basteln konnten, zum Beispiel eine Flaschenpost“, erzählt Claudia Geisberger, die direkt neben dem Inn wohnt.

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Inspiriert hatte die Schwestern Hannah (10) und Zoe (6) ein Bericht aus dem christlichen Magazin „Ethos“. Eine Familie erlebte einen Sturm auf einem Campingplatz und „vermisste“ ein Kind, das sich noch im Duschraum aufhielt. „Alle hatten Angst und beteten, dass die Gefahr vorübergeht“, erinnert sich Hannah an die Geschichte. Sie blätterte in einem Büchlein mit Bibelversen und wollte etwas Passendes finden. „Wenn man Angst hat, dann kann man an das ,Licht der Welt‘ aus dem Johannesevangelium denken“, sagt die Schülerin, die die fünfte Klasse des Gymnasiums Waldkraiburg besucht.

Über die Begegnung mit Leier, der ihre Flaschenpost gefunden hatte, freute sich die Zehnjährige besonders. „Erst kam er zu spät“, erzählt das Mädchen schmunzelnd. „Er hat mir ein Bonbonglas gemacht. Das fand ich sehr schön, dass er mir was mitgebracht hat.“

Zoe (6) wartet auch auf einen Finder

Beim Paddeln auf dem Inn fischte Dieter Leier auf Höhe Kloster Au die Flaschenpost aus dem Wasser.

Hannah erzählte Dieter Leier, dass sie schon „ein bisschen auf Antwort gehofft“ hatte. „Es war ihre erste Flaschenpost und ihr ging es hauptsächlich um die Botschaft, die sie in die Welt hinaus schicken wollte“, berichtet der 60-Jährige.

Bei Kaffee und Kuchen auf dem Geisberger-Hof bei und wunderschönem Wetter tauschten sich die Erwachsenen aus über die Bibel, den Glauben, den Hof und etwa den Inn. „Die Kinder haben auch super mitgemacht. Es war ein wunderbares Treffen, Herr Leier war sehr interessiert und aufgeschlossen“, sagt Hannahs Mutter Irene, die im medizinischen Fachhandel tätig ist.

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Alle spazierten gemeinsam zur Uferstelle am Inn, wo die Flaschenpost ins Wasser kam, um ein Erinnerungsfoto zu machen. Auch Hannahs Schwester Zoe hatte eine abgeschickt. Die wird hoffentlich noch gefunden werden. Dieter Leier drückt die Daumen.

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