Reaktion auf Corona-Pandemie

„Wasserburger Winter“ statt Christkindlmarkt: 28 Weihnachtsbuden und eine Eisbahn geplant

Wird es heuer so nicht geben: einen Christkindlmarkt mit Eislaufbahn in der engen Wasserburger Altstadt, bei dem die Besucher dicht an dicht vorweihnachtliche Atmosphäre genießen können. Doch der Wirtschaftsförderungsverband bastelt an einer Alternative mit gut verteilten Buden im Zentrum und einer Eisbahn neben dem Altstadtbahnhof.
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Wird es heuer so nicht geben: einen Christkindlmarkt mit Eislaufbahn in der engen Wasserburger Altstadt, bei dem die Besucher dicht an dicht vorweihnachtliche Atmosphäre genießen können. Doch der Wirtschaftsförderungsverband bastelt an einer Alternative mit gut verteilten Buden im Zentrum und einer Eisbahn neben dem Altstadtbahnhof.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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„Wasserburger Winter 2020“ heißt das Konzept, das der Wirtschaftsförderungsverband anstelle eines Christkindlmarktes verwirklichen will. Ein echter Christkindlmarkt ist heuer wegen Corona nicht möglich. 28 Buden sollen in der Altstadt verteilt werden – und vielleicht eine Eisbahn.

Wasserburg – Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) und der Haupt- und Finanzausschuss wollen die Initiative des Wirtschaftsförderungsverbands (WFV) unterstützen. Das Votum dafür fiel einstimmig aus (9:0). Voraussetzung ist natürlich, dass es ein umsetzbares Platzierungs- und Hygienekonzept, das auch die Verkehrsführung einbezieht, seitens des WFV gibt.

Die Silvesterparty fällt flach

Die Eislaufbahn kam im vergangenen Jahr so gut bei den Leuten an, dass der WFV auch wieder das Angebot für Kufenflitzer machen möchte. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Zentrum könnte sie „ausgelagert“ und auf der Fläche neben dem Altstadtbahnhof, wo der Pop-up-Biergarten war, aufgebaut werden. Das beschloss der Ausschuss mit der Gegenstimme von Steffi König (Grüne).

Die Eisbahn am Schopperstattweg ist aber noch Verhandlungsmasse, denn sollte das Budenkonzept in der Altstadt wegen der Coronaregeln nicht ganz aufgehen, wird die Fläche des Pop-up-Biergartens auch für die Standl gebraucht. Dann gibt es keine Eislaufbahn.

„Schwieriger Winter steht uns bevor“

„Ein schwieriger Winter steht uns bevor, die Corona-Pandemie macht vor nichts halt. Einen normalen Christkindlmarkt wird es nicht geben können“, sagte Kölbl im Gremium. Nach den aktuell gültigen Infektionsschutzvorschriften sei es nicht möglich, etwa das Basarzelt, das immer in der Hofstatt steht, wirtschaftlich zu betreiben. Auch rund ums Rathaus kann keine Marktsituation aufgebaut werden – wegen der Abstandsregeln.

Dennoch wolle man die vorweihnachtliche Atmosphäre, die Belebung der Innenstadt zur Adventszeit haben. „Der WFV hat sich den Kopf zerbrochen, wie man unter Corona-Bedingungen eine Wirtschaftsförderung der Geschäfte und Lokale erreichen kann“, so Kölbl. Die Idee des Verbandes sei vergleichbar mit „Sommer in der Stadt“, wie er in Rosenheim stattgefunden habe – als Herbstfest-Ersatz.

Mit Bedacht

Das Konzept „Wasserburger Winter 2020“ sehe er als positives Signal, „aber wir müssen das mit Bedacht angehen“. Man könne Speisen und Getränke beispielsweise nicht an den Ständen verzehren, weil dann ein Stau entsteht. Es braucht einen Wartebereich, eine Wegführung und einen Verzehrbereich – alles ausreichend dimensioniert. „Der WFV muss als Veranstalter einen detaillierten Fahrplan vorlegen“, so der Bürgermeister.

Stadtkämmerer Konrad Doser sagte, der Lageplan liege vor, die geplante Aufstellung von Hütten in der Herrengasse und der Standort fürs Kinderkarussell in der Hofstatt erfordern noch Gesprächsbedarf.

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„Wir unterstützen diese Marschrichtung und unsere Geschäfte, Bürger und die Gastro freuen sich über so eine Belebung“, sagte Heike Maas (CSU). Die Eisbahn beim Altstadtbahnhof wäre eine gute Sache. Kinder können Wintersporteln, man müsse dazu nicht weit fahren. „Wenn ich einen Skiausflug mit meinen Kindern mache, verbrauche ich auch Energie, um dort hinzukommen“, sagte Maas in Richtung der Grünen, die den „unnötigen Energieverbrauch“ der Eislaufbahn kritisieren. Zudem, so Maas, seien auch Coronaregeln auf der Eisfläche machbar.

„Gut, dass der WFV nicht aufgibt“

Werner Gartner (SPD) sah den Vorstoß des WFV positiv, „das wollen wir unterstützen. Ich finde gut, dass der WFV nicht aufgibt“. „Die Eisbahn war letztes Jahr ein toller Erfolg, nur das Speedway-Event war überflüssig“, so Gartner. Die Schulen haben das Schlittschuhfahrangebot sehr gut genutzt. „Dass Energie dafür eingesetzt wird, ist eben notwendig“, so Gartner. Kölbl wies an dieser Stelle erneut darauf hin, dass Ökostrom dafür genutzt wird.

Steffi König (Grüne) erinnerte daran, die Stadt habe den Klimanotstand ausgerufen. Zudem zweifle sie, dass Corona-Abstände auf dem Eis einhaltbar seien, „das klappt auch im Badria beim Schwimmen nicht“.

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Elisabeth Fischer (CSU) erkundigte sich, ob es wieder eine „Almhütte zum Trinken“ neben der Eisfläche gibt. „Ja, aber nur für die Ausgabe von Schlittschuhen und Getränken, nicht zum Verweilen“, so Kölbl.

„Die ganze Stadt ein Weihnachtsmarkt, das ist es, was wir wollen“, sagte Josef Baumann (Freie Wähler Reitmehring). Armin Sinzinger (Wasserburger Block) fragte, wer im Krisenjahr von Corona „die Eisbahn finanziert. Sie soll je ein hohes Defizit verursacht haben. Ich bezweifle, dass der Veranstalter SAS das heuer so stemmen kann“.

Anwohner recht aufgeschlossen

Bürgermeister Kölbl entgegnete, „die Stadt zahlt‘s nicht“. Er erinnerte an den Beschluss des Hauptausschusses vom 18. Juni 2020, dass 30 000 Euro als Corona-Ausgleichsleistung an den WFV gehen. „Das war das normale jährliche Christkindlmarktdefizit. Mehr gibt es nicht“, so Kölbl.

SAS kann nach Beschluss planen und prüfen

Er berichtete zudem von Gesprächen mit Anwohnern, die von der Eislaufbahn in der Herrengasse im vergangenen Jahr betroffen waren. „Bis auf die laute Speedway-Aktion war die Resonanz positiv. Auch die Pop-up-Biergartenanwohner waren aufgeschlossen. Nur eine Familie sei mehr von der Lautstärke betroffen gewesen, jedoch habe man ja im Winter, falls die Eislaufbahn kommt, die Fenster zu.

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Musikveranstaltungen kommen hier ohnehin nicht in Frage, die Hintergrundmusik wird werktags 21 Uhr und am Wochenende um 20 Uhr abgedreht. Sofern es die Corona-Entwicklungen zulassen, wäre die Nutzung der Eisfläche werktags bis 22 Uhr und sonn- und feiertags bis 20 Uhr möglich. Geschlossen wäre am 24. und 15. sowie 31. Dezember. Die Stadt würde dem WFV die Fläche am Schopperstadtweg für sechs Wochen kostenlos überlassen.

Manuel Scheyerl von SAS, der die Eisbahn nach Wasserburg bringen möchte, sagt im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung, „ob die Bahn kommt oder nicht, ist noch nicht fix. Wir brauchten den Beschluss des Ausschusses und gehen jetzt in die Vorplanung und prüfen, ob das Ganze wirtschaftlich machbar ist“.

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