Wasserburger Traditionsgeschäft schließt zum Jahresende: „Es ist traurig, aber es geht nicht mehr“

Hat sich schweren Herzens entschlossen, den Pachtvertrag zum 31. Dezember zu kündigen: Claudia Mairhofer gibt ihr „Mini-Kaufhaus“ in der Hofstatt. die Boutique Hinterberger, Ende November/Anfang Dezember auf.
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Hat sich schweren Herzens entschlossen, den Pachtvertrag zum 31. Dezember zu kündigen: Claudia Mairhofer gibt ihr „Mini-Kaufhaus“ in der Hofstatt. die Boutique Hinterberger, Ende November/Anfang Dezember auf.

Wieder schließt ein traditionsreiches Wasserburger Geschäft: Claudia Mairhofer, Pächterin der Haushaltswaren- und Geschenkartikel-Boutique Hinterberger in der Hofstatt, gibt auf. Ende November/Anfang Dezember ist Schluss. Sie gibt nicht nur der Corona-Krise die Schuld.

Von Heike Duczek

Wasserburg – 2021 hätte die Firma Hinterberger ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert. 1999 hatte Claudia Mairhofer das Geschäft von Alexander Hinterberger, Sohn der Gründerin, übernommen: Aus der Angestellten wurde damals die Chefin. Sie war bei der Übernahme erst 24 Jahre alt – und traute sich trotzdem den Sprung in die Selbstständigkeit zu. Denn es waren gute Zeiten in den 90er und 2000er Jahren. Das Geschäft lief,, damals sogar noch auf zwei Stockwerken. Im oberen verkauften Mairhofer und ihr Team sogar Textilien, Tee und Gewürze. Wenn Schlussverkauf war, standen die Kunden in Erwartung eines Schnäppchens in langen Schlangen vor dem Geschäft.

Vor elf Jahren folgte die erste Zäsur: Das „Mini-Kaufhaus“ gab die Etage im verwinkelten ersten Stockwerk des Denkmals auf. In den vergangenen fünf Jahren wurde es dann noch schwieriger, bedauert Mairhofer. Die Umsätze seien nicht so gestiegen wie die Fixkosten, die Gewinnmarge sei immer kleiner geworden. „Ich muss auch an meine Zukunft denken, möchte im Alter nach 40 Jahren Berufstätigkeit auch von meiner Rente leben können“, sagt Mairhofer.

Auch die vielen behördlichen Auflagen machen dem kleinen Einzelhandelsläden zu schaffen, berichtet die Pächterin. „Von der Abnahme des Feuerlöschers bis zu Kontrolle der Waage durch das Eichamt, es wird immer komplizierter und aufwendiger.“

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Der Online-Handel ist bei einem Geschäft wie ihrem keine große Konkurrenz: „Wir haben kaum Artikel, bei denen sich ein Vergleich der Preise im Internet lohnt“, sagt sie. In ihren Laden kommen Kunden, weil sie einen bestimmten Kleber benötigen, eine Schleife in einer Wunschfarbe suchen, ein kleines Mitbringsel für eine Feier benötigen. Meterware individuell vom Band schneiden, eine passende Glückwunschkarte aussuchen: All dies ist beratungsintensiv. Und erfordert einen großen Warenbestand. In der Kasse klingeln dann vor allem Kleinbeträge. „Die Kundenfrequenz im Laden ist nach wie vor hoch, doch es bleibt unter dem Strich zu wenig übrig“, bedauert Mairhofer.

Konkurrenz durch Discounter auf der grünen Wiese

Konkurrenz machen ihrem Geschäft außerdem die Supermärkte und Discounter auf der grünen Wiese vor den Toren der Altstadt: Hier gibt es in den sogenannten Nebensortimenten viele Produkte aus dem Bastel- und Haushaltswarenbereich, die bei einem Einkauf mitgenommen werden. Beispiel FC-Bayern-Fanartikel: Während Die Firma Hinterberger beim Lockdown geschlossen hatte, konnten Wasserburger Supermärkte die beliebten Produkte weiterverkaufen.

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Der sechswöchige Lockdown hat dem Geschäft Hinterberger zwar nicht den Todesstoß gegeben, aber verdeutlicht, „wie ausgeliefert wir Einzelhändler in solchen Situationen sind“. Schwer hat die Zwangsschließung den Umsatz im Sortiment an Bastel- und Geschenkartikeln getroffen: Keine Hochzeiten, keine Geburtstagsfeste, keine Kindergeburtstage. Ballons, Stifte, Geschenkpapier, Scherzartikel: Die Nachfrage nach diesen Artikeln hat sich noch immer nicht wieder deutlich verbessert.

Corona-Lockdown schärft den Entschluss

„Der Lockdown war der Auslöser für den endgültigen Entschluss, zuzumachen“, gibt Mairhofer offen zu. Die Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Geschäfts haben ihr in den vergangenen Monaten stark zugesetzt. Jetzt, nachdem die Entscheidung gefallen ist, verspürt sie trotz aller Trauer auch Erleichterung. „Es war sehr schwer, meinem Team den Entschluss mitzuteilen“, sagt sie. Denn ihr Personal ist in den vergangenen 21 Jahren zu einer „Hinterberger-Familie“ zusammengewachsen. „Meine Mädels tragen meinem Entschluss mit.“ Viele Angestellte haben bereits eine neue Stelle in Aussicht, freut sich die Chefin. Mairhofer, die im Innkaufhaus gelernt hat, hat in den vergangenen 21 Jahren über zehn Azubis ausgebildet.

Auch das hat ihr Freude bereitet. Es gehörte zur Vielfalt eines Berufes, der vom Ein- bis zum Verkauf, von der Buchführung bis zur Teamleitung viel Abwechslung bietet. „Es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht“, zieht sie zufrieden Bilanz. Jetzt gehe es darum, bis Ende des Jahres einen „sauberen Abschluss“ für das Geschäft zu finden. Was sie danach tun wird, darüber will sich Mairhofer jetzt noch keine Gedanken machen. Fest steht nur: Sie möchte die Selbstständigkeit aufgeben, zuerst einmal eine Auszeit mit mehr Zeit für die Kinder im Alter von elf und neun Jahren nehmen. Mairhofer ist überzeugt: „Wenn eine Tür zugeht, öffnet sich eine andere.“

Sorge um den Einzelhandelsstandort Wasserburg

Fest steht für sie jedoch: Der Einzelhandelsstandort Wasserburg wird es in den nächsten Jahren schwer haben. „Ich gespannt, wie es vor allem bei den vielen bei uns noch tätigen Inhabern kleiner Fachgeschäfte weitergeht.“ Die Corona-Pandemie habe zwar die Wertschätzung der Kunden gegenüber regionalen Produkten und Läden erhöht, gleichzeitig jedoch die Bereitschaft, auf Online-Verkaufsplattformen zu bestellen, erhöht. „Ich appelliere an die Wasserburger, in der Stadt einzukaufen, denn dabei tun sie ihrem Ort etwas Gutes. Und können verhindern, dass sich das Stadtbild durch viele Leerstände oder Filialisten verändert.“

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