Risiko abwägen

Wasserburger Tobi Haller leidet an Multipler Sklerose - und ist nun gegen Covid19 geimpft

Tobias Haller hat sich getraut: Auf Anraten seiner Ärzte hat er sich gegen Corona impfen lassen. Andere MS-Patienten überlegen noch.
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Tobias Haller hat sich getraut: Auf Anraten seiner Ärzte hat er sich gegen Corona impfen lassen. Andere MS-Patienten überlegen noch.
  • vonPetra Maier
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Tobi Haller leidet seit rund 30 Jahren an MS. Er hat es gewagt und sich nun gegen Covid19 impfen lassen. Einen generellen Rat an Leidensgenossen hat er nicht. „Jeder muss das Risiko für sich selbst abwiegen“, sagt der 46-Jährige.

Wasserburg– Die Impfkampagne gegen das Corona-Virus ist angelaufen und stellt manchen vor die Frage: Lasse ich mich impfen oder nicht? Menschen, die von einer Autoimmunkrankheit betroffen sind, überlegen bei dieser Frage gleich zweimal, sagt Magdalena Haller aus Wasserburg. Sie ist Ansprechpartnerin für die Selbsthilfegruppe „WAMSler“, bei der sich MS-Patienten und ihre Angehörigen treffen. Ihr Sohn Tobias (46) ist seit seinem 17. Lebensjahr an MS erkrankt. Er ist der Vorreiter beim Corona-Impfen in der Gruppe.

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„Vor wenigen Wochen hat er sich auf Anraten seiner Ärzte in der MS-Fachklinik Marianne Strauß am Starnberger See gegen Corona impfen lassen – und er hat es gut vertragen“, bestätigt seine Mutter.

Die Impfung fand im Wasserburger Pflegeheim St. Konrad statt, in dem Tobias seit März letzten Jahres wohnt. „Genau zur schlimmsten Corona-Zeit fand sein Einzug dort statt“, erinnert sich Magdalena Haller. Sie ist froh, dass sie ihn dort aktuell jede Woche besuchen kann. „Ich mache dort einen Corona-Schnelltest und darf dann zu ihm, zwei Tage lang, so lange gilt das negative Corona-Ergebnis. Die Woche drauf mache ich dann wieder den Test“, beschreibt sie den Ablauf.

Ihre Selbsthilfegruppe trifft sich seit März letzten Jahres nicht mehr in der Pizzeria Perla di Calabria in Wasserburg. Seit 20 Jahren finden dort „unter normalen Umständen“ monatlich die Gruppentreffen statt.

Aus Leidensgenossen wurden Freunde

„Aus Leidensgenossen sind längst gute Freunde geworden.“ Per Telefon halten die 30 Mitglieder jetzt engen Kontakt, tauschen sich ihre Informationen zu MS aus. Sie ist die häufigste Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Körpereigene Zellen greifen die schützenden Hüllen der Nervenfasern oder auch die Nervenzellen selbst an. Es kommt zu entzündlichen Schädigungen der Nervenstrukturen, die zu Sensibilitäts- oder Sehstörungen, Unsicherheit beim Gehen und Stehen oder Lähmungen und kognitiven/psychischen Einschränkungen führen können. „Das Krankheitsbild kann so unterschiedlich verlaufen“, weiß Magdalena Haller. Die Forschung laufe weltweit auf Hochtouren, immer wieder kämen neue Medikamente auf den Markt. Nicht einfach, da den Überblick zu behalten.

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Umso mehr schätzt sie den Austausch mit Fachärzten und Betroffenen. „In unserer Gruppe sammeln wir noch fleißig Informationen rund um das Impfen gegen Corona“, beschreibt sie die aktuelle Situation. Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern, wie MS auch genannt wird, macht es erforderlich, dass jeder Patient für seine eigene Krankheitsgeschichte entscheiden muss.

Herdenimmunität sehr wichtig

Vonseiten des RKI heißt es: „Prinzipiell ist eine Erkrankung an Multipler Sklerose (MS) keine Kontraindikation zur Durchführung einer Impfung. Die Beobachtung, dass Infektionserkrankungen (zum Beispiel Influenza) bei Personen mit MS das Risiko für einen Schub erhöhen können, unterstreicht die Notwendigkeit eines umfassenden Impfschutzes.“

Auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft spricht sich auf ihren Internetseiten generell für eine Impfung gegen das Corona-Virus aus. Abwägen muss aber natürlich jeder für sich selbst. Das hat auch Tobias Haller getan. Er wartet jetzt auf seine zweite Impfung gegen Corona. Sie soll voraussichtlich am 30. Januar erfolgen. Der Impfschutz beginnt nach derzeitigem Kenntnisstand zwei bis drei Wochen nach der zweiten Verabreichung. „Dann hätte Tobias die Grundimmunisierung und wäre bei Corona auf der sicheren Seite“, hofft seine Mutter.

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