TROTZ REKORDVERLUST:

Wasserburger Stadtrat stellt sich hinter das Badria

  • Heike Duczek
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Das Badria ist kein Luxus, sondern ein Stück Lebensqualität für die Bürger im Wasserburger Land, findet der Stadtrat. Trotz roter Zahlen werden die Eintrittspreise nicht erhöht. Doch wann darf wieder geschwommen und sauniert werden? Vom Versuch einer Wirtschaftsplanung in unsicheren Zeiten.

Ein Bild, das 2020 nur selten zu sehen war: Betrieb in der Schwimmhalle des Badria.

Wasserburg– „Traurige Folien“ müsse sie zeigen, bedauerte die kommissarische Leiterin der Stadtwerke, Brigitte Lex, als sie den Erfolgsplan 2021 im Stadtrat vorstellte. Der trägt seinen Namen zu Recht, denn das kommunale Unternehmen mit dem Strom- und Wasserwerk sowie neuen Nebengeschäfte im Bereich Mobilität und Nachhaltigkeit ist gut aufgestellt. Doch es gibt ein Sorgenkind, das die Bilanz trübt: das Familienbad Badria mit Mehrzweckhalle. Es war schon in Vor-Corona-Jahren in den roten Zahlen – und wird 2021 einen neuen Negativrekord beim Verlust aufstellen.

Der Stadtrat steht jedoch einstimmig hinter dem Badria – einstimmig erfolgte auch der Beschluss, den Stadtwerken 1,3 Millionen Euro zukommen zu lassen, um das Defizit auszugleichen.

Eintrittspreise werden nicht erhöht

Gute Nachricht auch für die Fans des Schwimmbades mit Saunalandschaft: „Die Preise werden nicht erhöht“, teilte Lex mit. Deutlich war ihr jedoch anzumerken, wie schwierig es ist, mitten im zweiten Lockdown eine Prognose für den weiteren Verlauf des Jahres zu wagen. Noch steht nicht fest, wann die Einrichtung wieder aufmachen darf. Seit November sind die Mitarbeiter erneut in Kurzarbeit. Für 2021 sind 159 900 Gäste eingeplant worden – ein Mittelwert zwischen 2019, als es 213 235 Besucher waren, und 2020, dem ersten Corona-Jahr mit 82 202 Gästen.

Auch im Lockdown kostet das Badria: Der Unterhalt geht – wenn auch in eingeschränktem Maße – weiter, denn Strom, Wärme und Wasser können nicht komplett abgestellt werden. 436 000 Euro werden heuer in die Freizeitanlage investiert – in erster Linie in den Brandschutz

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Die Werkreferentin des Stadtrates, Katharina Hausmann von den Grünen, erinnerte daran, dass auch die neue Gastronomie im Badria nur wenige Wochen hatte, um sich vorzustellen. „Ich hoffe, dass Familie Korkmaz weiter durchhält und dem Badria treu bleibt“, so Hausmann.

„Wie sehr sich die Mitarbeiter der Stadtwerke anstrengen, egal, wie innovativ und effektiv sie arbeiten, die Stadtwerke werden auch in Zukunft finanziell am Tropf der Stadt hängen“, stellte Hausmann fest. „Solange Wasserburg ein öffentliches Bad in der Hand der Stadtwerke führt, werden die Stadtwerke auf keine schwarzen Zahlen kommen. Das ist Fakt und einfach auch eine politische Entscheidung, die den Mitarbeitern und dem Image der Stadtwerke nicht negativ ausgelegt werden darf“, appellierte die Werkreferentin.

So sahen es auch die Fraktionssprecher. Markus Pöhmerer für die CSU/Freie Wähler/Wasserburger Block erinnerte an die Gründe, die im Jahr 2000 dazu führten, dass das städtische Bad mit Mehrzweckhalle an die Stadtwerke übergeben wurden. Steuerliche Vorteile spielten die Hauptrolle. 2012 entschied der Stadtrat angesichts der anstehenden Generalsanierung, zu investieren. Seit der Übernahme vor 20 Jahren investierten die Stadtwerke mit Hilfe der Kommune 18,2 Millionen Euro in die Freizeitanlage, so Pöhmerer.

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Wolfgang Janeczka, Sprecher der Fraktion von SPD und linker Liste zum Thema Stadtwerke, forderte ein starkes Signal für den Erhalt des Bades. „Es liegt an uns, ob unsere Schwimmbadkultur künftig baden geht!“ Die Fraktion sehe im Badria eine bedeutende kommunale Aufgabe der Daseinsvorsorge – und eine Frage der Solidarität. „Sport- und Freizeitmöglichkeiten müssten auch für sozial schwächeren Personen und Familien erschwinglich sein.

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Janeczka erinnerte außerdem daran, dass die Bademöglichkeiten rund um Wasserburg immer weniger und die Probleme an den See immer größer würden: „Blaualgenblüten im Friedlsee, reduzierte Liegeflächen in Penzing und Staudham und eine zunehmend vermüllte Viehausener Kiesgrube.“

Hoffnung auf bessere Zeiten

Lorenz Huber, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft Bürgerforum/Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg/ÖDP, unterstrich ebenfalls: „Wir stehen zum Badria.“ Die pandemiebedingten Ausfälle sollten nicht überbewertet werden. „Jetzt nicht den Kopf verlieren“, so sein Appell. „Die Weichen für einen erfolgreichen Betrieb sind gestellt, Das Bad und die Sauna sind aufs Beste saniert, die neue attraktive Gastronomie steht erfolgversprechend in den Startlöchern. Es kommen wieder bessere Zeiten“, ist er überzeugt.

Auch in schwierigen Phasen wie der Pandemie müsse das klare Bekenntnis zum Badria stehen, appellierte auch Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) in seiner Haushaltsrede. Deshalb sei es auch richtig, 1,9 Millionen Euro an Investitionszuschüsse zu geben.

„Erhalten und nicht kaputtsparen“, forderte auch SPD-Fraktionssprecherin Friederike Kayser-Büker. Das Badria zwinge zu einer politischen Haltung. Es gehe um Vereinsleben, Schwimmunterricht, Freizeitmöglichkeiten zu erschwinglichen Preisen, Gesundheitsförderung, Begegnung – um Lebensqualität für alle. „Das Badria ist kein Luxus.“

Rubriklistenbild: © Archiv Wasserburger Zeitung

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