Wasserburger Stadträte sind sauer: Die Kosten fürs Museumsdepot explodieren

Das Museum Wasserburg hat eine der größten Sammlungen in Bayern. Ihr Bestand wäre gefährdet, wenn es nicht bald eine Depotlösung gibt.
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Das Museum Wasserburg hat eine der größten Sammlungen in Bayern. Ihr Bestand wäre gefährdet, wenn es nicht bald eine Depotlösung gibt.
  • Heike Duczek
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Hart hatte der Stadtrat um die Finanzierung des Museumsdepots gerungen. Nun der Schock: Die Ausschreibung ergab Kostensteigerungen von bis zu 90 Prozent bei einigen Gewerken. Trotz Rotstift liegen die Kosten bei 3,8 statt 3 Millionen Euro. Warum der Stadtrat trotzdem bereit ist, die Kröte zu schlucken.

Wasserburg– Die Verärgerung über die exorbitanten Kostensteigerungen waren den Stadtratsmitgliedern und der Verwaltung deutlich anzumerken. Denn es liegt nicht nur an der allgemeinen Baupreisentwicklung, sondern auch an fehlerhaften Berechnungen der Kosten für Außenwände, Decken und weitere Konstruktionen. Allein bei diesen drei Positionen ergaben sich nach Angaben von Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) Abweichungen von rund 832.000 Euro.

Am Projekt hängt die Zukunft des Museums

Ist das Projekt Zentraldepot damit zum Scheitern verdammt? Muss es verschoben oder umgeplant werden? Alle Fraktionen waren sich mit der Verwaltung einig: Das geht nicht, es muss gebaut werden. Denn mit dem Depot steht und fällt auch die Zukunft des städtischen Museums.

Museum Wasserburg hat eine der größten Sammlungen in Bayern

Die Sammlung ist nach Angaben von Kölbl eine der größten zwischen München und Salzburg. Sie gehört zu den ältesten in Bayern und hat überregionale Bedeutung. Die Exponate aus der 1000-jährigen Geschichte der Stadt lagern derzeit auf sechs verschiedene Depots verteilt – nicht fachgerecht. Dauerhaft müsste die Sammlung ohne modernes Depot mit zeitgemäßer Klimatechnik verkleinert oder gar aufgehoben werden, warnte Kölbl – zumindest könnten nur noch jene Exponate aufbewahrt werden, die in der Dauerausstellung Platz hätten. Viele Bürger aus der Region haben die Objekte der Stadt treuhänderisch zur Aufbewahrung übergeben – es wäre nur schwer zu übermitteln, wenn sich die Kommune dieser Exponaten entledigen würde, so der Bürgermeister. Mit dem Neubau des Depots stehe und falle auch die dringend notwendige Sanierung des Museums.

Staatliche Zuschüsse wieder aufgefressen

Für das Depot sind staatliche Zuschüsse in Höhe von etwa einer Million Euro versprochen worden. Diese Mittel, um die die Stadt so hart gekämpft hatte, werden jetzt durch die Kostenerhöhung wieder gefressen, bedauerte Markus Bauer (CSU).

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Die Haushaltslage in Wasserburg ist nach Angaben von Kämmerer Konrad Doser – trotz Corona – gut. Die Stadt erwartet keine gewaltigen Einnahmeeinbußen. Sie ist quasi schuldenfrei. Seit 2009 wurden bereits 387 000 Euro in die Planung gesteckt, das Geld wäre auch futsch, sollte das Projekt zu Grabe getragen werden.

Scharfe Kritik an den Architekten

Der Arbeitskreis Depot mit Mitgliedern aus dem alten Stadtrat hat sich für eine Fortführung des Vorhabens ausgesprochen. Der Bürgermeister empfahl dem neuen Stadtrat deshalb, den Maßnahmenbeschluss nicht zu kippen – „wenn es aber noch mal eine Kostenexplosion gibt, dann vergeben wir die Arbeiten nicht und es ist Schluss.“

Kulturreferentin: „Einmalige Sammlung nicht verkommen lassen“

Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD) appellierte ebenfalls, das Projekt nicht sterben zu lassen. „Das sind wir unserer 1000-jährigen Geschichte schuldig.“ Josef Baumann (Freie Wähler Reitmehring) machte seiner Verärgerung Luft: „Ich bin sauer auf die Architekten, so kann man mit einer Kommune nicht umgehen.“ Dem pflichte er bei, sagte Kölbl. Bauer erinnerte an den langen Kampf um die Kosteneindämmung auf etwa drei Millionen Euro. Jetzt seien es wieder 3,8 Millionen – „weiter geht es nicht, auf keinen Fall“. Lorenz Huber (Bürgerforum), äußerte die Vermutung, in den nächsten Jahren würden aufgrund der Wirtschaftskrise die Zuschüsse vermutlich nicht mehr so fließen, die Stadt solle also jetzt doch der Kostenmehrung zustimmen. „Wir haben keine Alternative“, findet Kulturreferentin und Dritte Bürgermeister Edith Stürmlinger (Bürgerforum). „Wir können unsere einmalige Sammlung nicht verkommen lassen.“

Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann betonte, die Bauverwaltung könne diesmal beschränkt neu ausschreiben. Der Bürgermeister nahm die Anregung aus dem Stadtrat auf, den Auftrag zu erteilen, weitere Einsparpotenziale auszuschöpfen. CSU-Fraktionsvorsitzende Heike Maas erinnert erneut daran, es reiche ein reiner Funktionsbau.

Baustart ist erst im Jahr 2021 möglich

Der Baustart kann heuer nicht mehr erfolgen, vor 2021 geht es nicht los. Ob die Einweihung überhaupt noch in dieser Wahlperiode klappen werde, wollte SPD-Fraktionsvorsitzende Friederika Kayser-Büker wissen. Damit rechnet Herrmann. Der Stadtrat befürwortete einstimmig den Neubau. Bauer hatte angedeutet, die Fraktion von CSU und Wasserburger Block werde nur mehrheitlich Ja sagen. So kam es aber nicht.

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