Wasserburger Stadtrat nimmt Abschied mit Abstand

Abschiedsfoto auf Abstand: Bürgermeister Michael Kölbl (vorne rechts) bedankte sich bei seinem Stellvertreter Otto Zwiefelhofer (vorne links) mit einem Willy-Reichert-Gemälde und ehrte auch die weiteren scheidenden Stadträte (hinten von links) Sophia Jokisch, Markus Hoeft, Dr. Christine Mayerhofer und Marlene Hof-Hippke. John Cater

Die Gesichter: ernst, die Stimmung: getrübt, der Ablauf: viel aufgestaute Arbeit, kein Festessen: Die letzte Stadtratssitzung in Wasserburg verlief – bedingt durch die Corona-Krise – in gedrückter Atmosphäre.

Von Heike Duczek

Wasserburg – Stadträte, die in weiten Abständen in Stuhlreihen saßen und sich im großen Rathaussaal sichtlich unwohl fühlen, Ehrungen mit Mundschutz: Die letzte Sitzung des alten Stadtrates war von einer bedrückten Stimmung geprägt. Die Gesichter: ernst, die Atmosphäre: getrübt, der Ablauf: viele Punkte, die sich aufgrund der langen, coronabedingten Sitzungspause angestaut hatten, kein Festessen.

Solidarität und Ehrenamt gefragt

Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) sprach vom Ende einer „extrem außergewöhnlichen Wahlperiode“. Gleich drei Mal hätten von 2014 bis 2020 weltweite Themen großen Einfluss auf die Kommunalpolitik genommen: 2015 bis 2017 die Flüchtlingsankünfte, 2018 und 2019 der Klimaschutz, 2020 jetzt die Corona-Pandemie. Unterschiedliche Problemlagen, die eins gemeinsam hätten: die Notwendigkeit zur Solidarität. Deutlich geworden sei außerdem die Kraft des Ehrenamts.

+++

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

+++

Auch Stadtratsarbeit erfolgt im Ehrenamt. Über 300 Sitzungen haben die scheidenden Räte in den vergangenen sechs Jahren allein besucht, mit großem Einsatz und Herzblut, so Kölbl, um gute Lösungen gerungen. Dafür gab es den bayerischen Löwen in Porzellan, eine Urkunde und persönliche Dankesworte von Kölbl.

Das könnte Sie auch interessieren: Zum letzten Mal im Wasserburger Ratsstuhl: Ewiger Co-Pilot Otto Zwiefelhofer tritt ab

• Otto Zwiefelhofer: Der CSU-Stadtrat war, wie berichtet, 24 Jahre lang auch Zweiter oder Dritter Bürgermeister, Mitglied in fast allen Ausschüssen des Gremiums. Zwiefelhofer zeige, dass erfolgreiches kommunalpolitisches Handeln jenen gelinge, „die Menschen mögen“, so Kölbl. Der scheidende Stadtrat habe stets das Ohr am Bürger gehabt, „zuhören und sich alles merken können“. Er verfüge deshalb über ein großes Wissen – kenne beispielsweise fast jeden Stammbaum der Wasserburger Familien. Loyal habe Zweifelhofer zwei Bürgermeistern zur Seite gestehen, würdigte Kölbl. Der scheidende Dritte Bürgermeister bekam als Überraschung ein Willy-Reichert-Gemälde – und erhielt den längsten Applaus des alten Stadtrates und seiner wenigen Gäste. „Ich bin sprachlos“, lautete die Reaktion des Geehrten.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

• Peter Stenger: Der SPD-Stadtrat ist der Spitzenreiter in puncto Dienstzeit: 30 Jahre prägte er die Stadtpolitik – ein Urgestein mit Ecken und Kanten, wie Kölbl betonte. Er würdigte Stenger, der als Mitglied der Risikogruppen der letzten Sitzung fernbleiben musste, als unermüdlichen Kämpfer – vor allem für seine Lieblingsthemen Denkmal- und Baumschutz. Manchmal unberechenbar, stets aber fachkundig und sehr engagiert habe der radelnde Rat die Stadt geprägt.

• Marlene Hof-Hippke: Mit ihr geht ebenfalls eine große Politikerpersönlichkeit. Zwölf ihrer 24 Jahre als SPD-Stadträtin war Marlene Hof-Hippke auch Zweite oder dritte Bürgermeisterin. Die ehemalige VHS-Geschäftsführerin engagierte sich intensiv in der Kulturpolitik, war auch Kulturreferentin des Stadtrates. Ihr Herz schlug außerdem für soziale Themen und den Wohnungsbau sowie für Frauenrechte, erinnerte sich Kölbl. Marlene Hof-Hippke wünschte den neuen Stadträten vor allem viel Geduld, das sei ihre Stärke nie gewesen, berichtete sie lächelnd.

• Andreas Aß: Der CSU-Stadtrat, ebenfalls 24 Jahre im Amt, „wusste, wo Volkes Seele schlägt“, so Kölbl. Aß, der sich entschuldigt hatte, habe auch als Wirtschaftsreferent viel geleistet. Weiterer Schwerpunkt: das Bauen. „Ich bin mir sicher, dass der Andi seine Bürgersprechstunden weiter abhalten wird“, meinte der Bürgermeister schmunzelnd angesichts der Tatsache, dass Aß in den von ihm geführten Markthallen stets ein Ohr für seine Kunden hat.

• Dr. Christine Mayerhofer: „Großer Einsatzwillen und Ehrgeiz“ haben die SPD-Stadträtin ausgezeichnet, so Kölbl. Zahlen, Daten, Gesetze: Als Werkreferentin für die Stadtwerke arbeitete sich die Ärztin in die komplizierte Materie eines Stadtwerkes intensiv ein, würdigte der Bürgermeister. Wichtig waren Mayerhofer auch Umwelt- und Klimaschutz. „Es schmerzt ein bissl“, betonte Kölbl angesichts der Tatsache, dass mit Mayerhofer eine weitere politische Frau ausscheidet.

• Markus Hoeft: Der grüne Stadtrat, 2013 als Nachrücker gestartet, gilt als besonnener Kommunalpolitiker, der sich vor allem der sozialen Gerechtigkeit widmete. Das Gremium schätzte sein überlegtes Handeln, so Kölbl. Hoeft bedankte sich seinerseits für den respektvollen Umgang der Stadträte plus Verwaltung miteinander.

• Sophia Jokisch: Freundlich, aber bestimmt trat sie sechs Jahre lang vor allem für Frauenanliegen ein. Weitere Themen des jüngsten Mitglieds im alten Stadtrat: der soziale Wohnungsbau und der Klimaschutz. Jokisch, die für die Linke Liste im Gremium saß, appellierte an die neuen Mitglieder, sich weiterhin für die Vielfalt in der Stadtbevölkerung einzusetzen.

Weitere Berichte aus der letzten Stadtratssitzung folgen.

Kommentare