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Wasserburger Selbsthelfer beweisen: Die Integration klappt

Nähten wärmende Schals für Obdachlose (von links): Freya Jaroljmek, zwei Flüchtlingsfrauen und Heike Mass, Vorsitzende der Selbsthelfer, bei der Übergabe an Thomas Schleinitz vom Team des Internationalen Bundes. re

Mit der Nähmaschine Gutes tun und lernen, wie Ehrenamt funktioniert: Nach diesem Prinzip funktionieren die „Selbsthelfer“ in Wasserburg und Bad Endorf. Das Projekt beweist: Die Integration von Flüchtlingen kann gelingen.

Wasserburg – „Integration funktioniert“, sind Heike Maas und Barbara Otte-Mayer überzeugt. Die Erste und die Zweite Vorsitzende des Vereins Selbsthelfer, der 2015 gegründet wurde, als tausende Flüchtlinge auch im Landkreis Rosenheim ankamen, stellen nach vier Jahren Hilfe zur Selbsthilfe fest, dass es viele Zugewanderte geschafft haben, in der neuen Heimat Fuß zu fassen. Es gibt junge Mädchen, die 2015 noch kein Deutsch sprachen und heute das Gymnasium besuchen, Frauen, die ihren Führerschein erworben und eine Arbeitsstelle bekommen haben. Und auch viele Migrantinnen, die sich selbst ehrenamtlich betätigen. „Das macht uns sehr stolz“, sagen Heike Maas und Barbara Otte-Mayer, deren Projekt mehrfach mit renommierten Preisen (unter anderem mit dem Integrationspreis der Regierung von Oberbayern) gewürdigt wurde.

Aktuell: Obstbeutel aus Gardinen

Das Ehrenamt haben die zugewanderten Frauen bei den Selbsthelfern gelernt. Denn der von Heike Maas, Barbara Otte-Mayer und Marianne Seubert 2015 gegründete Verein motiviert Flüchtlinge, sich ehrenamtlich zu betätigen – für Menschen, die es ebenfalls schwer haben. Die Ehrenamtlichen, Deutsche und Frauen mit Migrationshintergrund, erstellen Produkte, die sie anderen schenken – um ihnen zu helfen oder eine Freude zu bereiten. Produziert wird mit Nadel und Faden. Die Nähmaschinen ratterten 2015 und 2016 in zehn Selbsthelfergruppen im Landkreis Rosenheim, zwei davon sind nach wie vor aktiv: in Wasserburg unter anderem mit Freya Jaroljmek, Gabi Senger-Peischl und Bettina Deiml, in Bad Endorf mit Karola Lux, Dani Hahn und Margot Eisner.

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Die deutschen Frauen erstellen gemeinsam mit Zugewanderten aus gespendeten Stoffresten und Garnen Dokumententaschen, Wasch-, Turn- und Brotbeutel, Federmäppchen, Kissenhüllen, Reissäckchen, Wimpelketten – und ganz neu angesichts der Debatte um Plastikverpackungen Obst- und Gemüsebeutel aus alten Gardinen. Diese Artikel werden in Senioren- und Kinderheimen oder an Tafeln verteilt. In Wasserburg nähten die Frauen unter anderem gemeinsam Loopschals für die Bewohner der „Traube“, einer Einrichtung für Obdachlose.

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Die Frauen aus Afghanistan, Syrien und afrikanischen Ländern lernen bei den Selbsthelfern nicht nur den Umgang mit der Nähmaschine, sondern auch den Wert einer wichtigen Aufgabe, die in Deutschland den Kit der Gesellschaft darstellt: ehrenamtliches Engagement. Wie es funktioniert, wissen viele Migranten aus den Ländern, in denen sie aufgewachsen sind, nicht, stellen die Vereinsmitglieder immer wieder fest. Die zugewanderten Frauen, die unentgeltlich für andere nähen, erfahren, wie bereichernd ein Ehrenamt sein kann. Denn die Näherinnen aus Afghanistan oder Syrien bemerken am dankbaren Lächeln der Beschenkten die Wertschätzung, die Tafelbesucher, Altenheimbewohner oder Menschen mit knapp bemessenem Geldbeutel ihren Präsenten entgegenbringen.

Neue Freundschaften sind entstanden

Auf dem Christkindlmarkt in Wasserburg haben die Selbsthelfer einige Produkte auch verkauft. Das eingenommene Geld geht zurück in die Länder, aus denen die Flüchtlinge stammen – unter anderem an ein Projekt des Wasserburger Entwicklungshelfers Dr. Thomas Brey in Tansania.

Viele nähen deshalb so wie Fatima aus Afghanistan weiter, obwohl sie längst integriert sind – einfach, weil es ihnen Spaß bereitet, anderen zu helfen. Und auch ein wenig, weil sie die Gemeinschaft in den Nähgruppen nicht mehr missen möchten. Es ist vor allem für manche Frauen aus Migrantenfamilien mit überholten Geschlechterollen eine Möglichkeit, auch alleine das Haus zu verlassen. Nähen ist als Tätigkeit oder sinnvolles Hobby anerkannt. Neue Freundschaften – auch interkulturell – sind dabei entstanden, berichtet Heike Maas. Sie und Barbara Otte-Mayer genießen als Leiterinnen die Treffen ebenfalls sehr – genauso wie so manche Einladung zum Essen in eine Flüchtlingsfamilie.

„Wir können die Probleme der Welt nicht lösen“, ist Heike Maas überzeugt, „doch vor Ort kann mit einfachen Maßnahmen wie unserem Selbsthelfer-Projekt die Integration in das gesellschaftliche Leben erleichtert werden.“

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