Wasserburger beleidigt zwei Jahre lang Polizisten – jetzt gibt es keine Bewährung mehr

Justizia
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Das Amtsgericht Rosenheim verurteilte einen Wasserburger Frührentner, der immer wieder durch Beamtenbeleidigungen aufgefallen war, zu einer Haft – in einer Therapieeinrichtung.

Ein alkoholkranker Wasserburger hat sich in den vergangenen zwei Jahren immer wieder mit Polizisten angelegt. 16 Beamte mussten wüste Beleidigungen ertragen. Mehr als 30 Mal beschimpfte der 60-jährige Frührentner die Polizisten auf übelste Weise. Dafür stand er jetzt vor dem Amtsgericht Rosenheim.

Wasserburg – Bis zu drei Flaschen Wodka hatte er manchmal intus – und wollte noch immer mit seinem Mofa über die Straßen in und um Wasserburg kreuzen. Immer wieder – vom Frühjahr 2019 bis Januar 2020 – wurde der Wasserburger angehalten oder am Wegfahren gehindert, wenn er beispielsweise am Aussichtsturm Passanten auffiel.

Diese stellten in einem Fall fest, dass er am dortigen Parkplatz von seinem Mofa fiel, noch bevor er losfahren konnte. Die Passanten informierten die Polizei und hinderten den Angeklagten am Wegfahren. Das ließ sich dieser mit gutem Zureden auch durchaus gefallen. Aber in dem Moment, als die uniformierte Polizei eintraf, wurde er zum Wüterich. Ganze Kaskaden mit unflätigen Schimpfwörtern ergossen sich über die Beamten. Eine Polizistin hatte an die 20 nicht zitierfähige Ausdrücke notiert.

Vor Polizeistreife in Schlangenlinien gefahren

Ein anderes Mal fand die Polizeistreife den Angeklagten an einem Hang gegen 19 Uhr in der Wiese betrunken und schlafend vor. Bei einer abendlichen Temperatur von nur 0 Grad Celsius hätte er in seinem Rausch die Nacht wohl nicht überlebt.

Aber anstatt für diese Lebensrettung dankbar zu sein, attackierte er die Beamten wieder mit den unappetitlichsten Ausdrücken. Ein Polizist im Zeugenstand meinte dazu nur lakonisch „Wir kennen ihn nicht anders.“

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Alle Zeugen sprachen vor Gericht von einem zwar betrunkenen, aber freundlichen Zeitgenossen. Erst beim Anblick der Beamten wäre dessen Stimmung in Aggression umgekippt, ohne dass es dafür einen wirklichen Anlass gegeben hätte.

In einer anderen Situation war er in krassen Schlangenlinien auf seinem Mofa vor der Polizeistreife hergefahren – mit Blutalkoholgehalt von über zwei Promille. Bei der Kontrolle überschüttete er die Beamten wieder wie aus Kübeln mit beleidigenden Ausdrücken. Einer der Beamten sprach im Zeugenstand von einem geradezu überwältigenden schmutzigen Wortschatz.

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Notwendigerweise wird der so Betrunkene dann zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen. Aber auch das gestaltete sich immer wieder mehr als schwierig, weil der Angeklagte sich nach Kräften dagegen wehrte, was ihm zwangsläufig auch den Vorwurf des strafbaren Widerstands einbrachte. Darüber hinaus auch den der versuchten und auch vollendeten Körperverletzung – was gegen Polizisten und Hilfspersonal inzwischen besonders hart bestraft wird.

Psychiater: nur eeingeschränkt schuldfähig

Der forensische Psychiater Rainer Gerth aus dem kbo-Inn-Salzach Klinikum bestätigte, dass der Angeklagte wegen der Alkoholbeeinflussung wohl nur eingeschränkt schuldfähig gewesen sei. Darüber hinaus empfahl er jedoch, den 60-Jährigen einem Maßregelvollzug mit Therapie zu unterziehen, weil zu befürchten sei, dass der Wasserburger ohne Therapie weiter ungehemmt derlei Straftaten begehen würde.

Ins Gewicht fiel auch, dass der Angeklagte bereits drei Mal wegen gleicher Straftaten verurteilt worden war, beim letzten Mal im April 2019 zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten.

Therapie als Chance, das Leben wieder in Griff zu bekommen

Das zwang den Staatsanwalt, eine Doppelbestrafung zu beantragen. Im ersten Tatvorwurf musste die Vorverurteilung einbezogen, und für die drei restlichen Anklagen ein eigener Strafantrag gestellt werden. Eine nochmalige Bewährungsstrafe schloss der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag aus. In der Summe beantragte er zwei Jahre und neun Monate Haft, schloss sich aber dem Vorschlag des Sachverständigen an und beantragte die Unterbringung in einer geschlossenen Therapie.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Hans Sachse, stimmte in der juristischen Bewertung dem Staatsanwalt zu, wollte es aber mit einer Gesamtstrafdauer von zwei Jahren gut sein lassen. Weil sein Mandant dies selber wünsche, stellte auch er den Antrag auf Maßregelvollzug in einer Therapieanstalt.

Warnende Worte der Richterin

Die Vorsitzende Richterin am Amtsgericht Rosenheim, Simone Luger, entschied auf eine Gesamthaftzeit von zwei Jahren und vier Monaten. Auch die Unterbringung in einer geschlossenen Therapie ordnete sie an. „Ich wünsche Ihnen von Herzen dass sie mit dieser Therapie ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Die Zukunft sähe ansonsten für sie sehr düster aus“, betonte die Richterin in ihrem Schlusswort eindringlich.

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