Wasserburger schreiben für Senioren bunte Briefe gegen die Einsamkeit in Zeiten von Corona

Am Hintereingang des Innkaufhauses (Hennagasse) steht ein Korb mit kostenlosen Postkarten bereit – hier können sich interessierte Wasserburger bedienen und ihre fertigen Briefe oder Karten einwerfen.
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Am Hintereingang des Innkaufhauses (Hennagasse) steht ein Korb mit kostenlosen Postkarten bereit – hier können sich interessierte Wasserburger bedienen und ihre fertigen Briefe oder Karten einwerfen.

Bewohner von Altenheimen erhalten keine Besuche mehr – aber in Wasserburg demnächst Briefe und Postkarten. Gemeinsam mit ihrem Mann und vielen Mitarbeitern hat sich Sibylle Schuhmacher, Inhaberin vom Innkaufhaus in Wasserburg, entschlossen, den Senioren zu zeigen, dass jemand an sie denkt.

Von Petra Maier

Wasserburg – „Das Schöne am Frühling ist, dass er immer dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht.“ Mit diesem Spruch möchte eine Wasserburger Kartenschreiberin Mut machen. Adressiert ist ihre Post an Bewohner im Altenheim St. Konrad und im Betreuungszentrum Maria Stern auf der Burg.

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Hier dürfen die Senioren derzeit aufgrund der Kontaktsperren keine Besucher empfangen, damit sie vor Ansteckung mit dem Corona-Virus geschützt sind. Gleichzeitig bedeutet diese strenge Maßnahme aber auch, dass die Bewohner kaum noch Kontakt zur Außenwelt haben. Das möchte Sibylle Schuhmacher, Inhaberin vom Innkaufhaus in Wasserburg, ändern. Gemeinsam mit ihrem Mann und vielen Mitarbeitern hat sie sich entschlossen, den Senioren im Altenheim St. Konrad und im Betreuungszentrum Maria Stern Briefe oder Karten zu schicken. Sie sollen ihnen zeigen, dass jemand an sie denkt und Mut machen, diese schwere Zeit auch ohne Besuche, gut zu überstehen.

Mitarbeiter sofort Feuer und Flamme

„Unsere Mitarbeiter waren sofort Feuer und Flamme für unsere Idee“, beschreibt die engagierte Geschäftsfrau. Viele Briefeschreiber haben sich bereits hingesetzt und ihre Post gestaltet. Auch Kinder der Mitarbeiter kramten schnell Stifte und Papier hervor, um schöne Bilder zu malen.

Shannon Church (11), Tochter einer Mitarbeiterin des Kaufhauses, malte zum Beispiel einOsterbild mit einer großen Sonne. Die werde einem Bewohner im Altenheim dann das Herz erwärmen, hofft sie.

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Ein anderes Kind hat ein Rätsel in den bunten Korb geworfen, in dem beim Hintereingang des Innkaufhauses die Briefe für die Bewohner der Altenheime gesammelt werden. „Wie heißt die Blume, bei der der Zahn eines Tieres dich nicht beißt, die aber im Frühling auf jeder Wiese zu finden ist?“ (Die Antwort wird am Ende dieses Artikels verraten).

In dem bunten Bastkorb finden die Briefeschreiber auch kostenlose Postkarten mit Motiven aus Wasserburg. „Wir haben diese Karten anfertigen lassen und spenden sie jetzt für potenzielle Kartenschreiber“, erklärt die Geschäftsinhaberin.

Überreicht wird die Post, sobald genug Briefe da sind. „Mein Wunsch wäre, dass jeder Bewohner in St. Konrad und Maria Stern einen Brief bekommt“, erklärt die Initiatorin der Senioren-Post-Aktion, „dazu brauchen wir dann insgesamt 140 Briefe oder Postkarten.“

So reagiert das Altenheim St. Konrad

Heimleiter Franz Bachleitner vom Altenheim St. Konrad in Wasserburg freut sich sehr über diese Aktion des Innkaufhauses. „Wir befinden uns derzeit in einer sehr besonderen Situation“, sagt er. „Die Besuchersperre ist ein gehöriger Einschnitt in die Grundrechte unserer Bewohner.“ Für manche sei die Verbindung zu den nächsten Angehörigen „abgezwickt“. „Die letzte Lebensader versiegt“, beschreibt Bachleitner die Situation, wenn Bewohner keinen Besuch mehr von außen erhalten.

Dass sei jedoch nicht nur für die Bewohner in St. Konrad eine traurige Lage, sondern auch für manchen Angehörigen, der seinen Liebsten oder seine Liebste für unbestimmte Zeit nicht im Heim besuchen kann, eine große psychische Belastung.

Große psychische Belastung

Auf der anderen Seite sei die Besuchersperre natürlich auch eine Maßnahme, die den Bewohnern und ihren Angehörigen deutlich signalisiere, dass sie ernst genommen würden in ihrer prekären Lage. „Das Corona-Virus soll ja vor allem für Ältere gefährlich sein. Sie fühlen sich sicher bei uns und geschützt“, weiß Bachleitner. Zum Schutz brauche es momentan auch unpopuläre Entscheidungen.

Die Aktion mit den Briefen und Postkarten wird jedoch, da ist der Heimleiter sicher, eine schöne Abwechslung für die 90 Senioren sein, die in St. Konrad wohnen. Ein handgeschriebener Brief, ein selbst gemaltes Bild und schöne Worte könnten in schweren Zeiten ein wirklicher Lichtblick sein und neuen Lebensmut wecken. „Wir werden schöne Fotos machen können, wenn uns die Post erreicht“, verspricht er zuversichtlich.

(Die Lösung des Rätsels heißt: Löwenzahn)

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