Wasserburger muss Drogentherapie durchhalten, sonst droht Gefängnis

22 Monate Gefängnis bleiben einem Angeklagten aus Wasserburg mit 17-jähriger Drogenkarriere nur erspart, wenn er endlich eine Therapie durchhält, entschied das Amtsgericht Rosenheim.

Wasserburg – Im Mai 2019 musste der 31-Jährige Junkie wieder einmal zum Arzt in Rosenheim, um sich dort seine Substitutions-Medikamente abzuholen. Sei es, dass er sich verspätet hatte, sei es, dass er einfach zu faul war, zur Praxis zu laufen, er beschloss sich auf dem Bahnhofsvorplatz ein Fahrrad „auszuleihen“. Pech für ihn, dass ihm eine Polizeistreife genau zuschaute, als er das Fahrradschloss knackte und ihn, kaum dass er losgefahren war, kontrollierte. Da half keine Ausrede.

Dabei hatte er nur eine Woche vorher in Wasserburg nachts vor dem Badria randaliert und war nur mit größter Mühe festzunehmen gewesen. Dabei hatte er sich der Beleidigung, Körperverletzung und tätlichem Angriff auf die Polizeibeamten schuldig gemacht.

Vorgeführt wurde er aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stadelheim in München, wo er sich wegen eines anderen Drogenvergehens in Untersuchungshaft befand. In der Sache war er geständig, wenn er sich auch gar nicht mehr an alles erinnern wollte.

Keine Therapie durchgehalten

Beeindruckend die Liste von 14 Vorverurteilungen, die sich erklärte, als der psychiatrische Gutachter beschrieb, dass der Angeklagte seit seinem 14. Lebensjahr den Drogen verfallen sei. Begonnen mit Cannabis ab 16 Jahren erweiterte er die Suchtmitteln mit chemischen Drogen, um schließlich mit 18 bei Opiaten zu landen.

Insgesamt zwölf mal war er zur Entgiftung in verschiedenen Kliniken. Etliche Therapien hat er begonnen, aber keine davon durchgestanden. Dazwischen immer wieder auch Gefängnisaufenthalte.

In dieser letzten Untersuchungshaft, so berichtete der berufslose Angeklagte, sei ihm klar geworden dass er sich aus eigener Kraft und ohne Zwang nicht aus dieser Abhängigkeit würde befreien können. Dem Gutachter hatte er bei dessen Exploration noch erklärt, dass er keinesfalls in eine geschlossene Therapie würde gehen wollen.

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Diese Einstellung, so erklärte der Angeklagte vor Gericht, habe sich nun geändert. Er würde nun einen Maßregelvollzug akzeptieren, weil eine Therapie wohl nur auf diesem Weg erfolgreich sein könne. Der Gutachter legte zwar eine gewisse Skepsis an den Tag. Er wollte ihm aber eine letzte Chance nicht verwehren und empfahl dem Gericht, so zu verfahren.

Die Staatsanwältin verwies insbesondere auf die Unbelehrbarkeit des Angeklagten, der nicht nur eine hohe Rückfallgeschwindigkeit aufweise, sondern dazu noch diese Taten unter offener Bewährung begangen habe. 27 Monate Haft war ihr Ahndungsvorschlag, wobei sie darauf bestand, dass auch bei einer geringeren Haftstrafe eine Aussetzung zur Bewährung keinesfalls in Frage kommen dürfe.

Unterbringung angeordnet

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Marc Herzog, betonte, dass sein Mandant umfassend geständig gewesen sei, dass er sich wirklich reuig und einsichtig zeige, was schon damit belegt werde, dass er nun eine dauerhafte und tiefergehende Therapie antreten wolle. Eine Strafe von fünfzehn Monaten sei deshalb durchaus ausreichend.

Die Vorsitzende Richterin Maike Merklin bewertete die Argumente beider Seiten und verurteilte nach Abwägung aller Aspekte den Wasserburger vor dem Amtsgericht Rosenheim zu 22 Monaten Haft. Sie ordnete, wie von dem Verurteilten gewünscht, die Unterbringung in einer geschlossenen Therapie an.

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