Wasserburger Molkerei Bauer hat ihre ganz eigenen Antworten auf die Coronakrise

Setzt auf neue Geschäftsfelder und investiert in den Standort: die Molkerei Bauer in Wasserburg. Cater (3), Bauer (1)
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Setzt auf neue Geschäftsfelder und investiert in den Standort: die Molkerei Bauer in Wasserburg. 
  • Heike Duczek
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In der Region Rosenheim steht der Name Bauer für Molkerei-Produkte („der große Bauer“). Doch Bauer ist mehr: seit 2013 eine Gruppe mit sieben Standorten in Deutschland und acht Betrieben unter dem Dach einer Holding. Trotz Corona-Krise wird das Unternehmen 2020 nach eigenen Angaben gut meistern.

Wasserburg – „Wir stehen auf vielen Beinen“, sagt Markus Bauer, der mit seinem Bruder Florian und seit Mitte 2018 zusätzlich mit Heiko Modell die Holding leitet. Zu ihr gehören neben der Molkerei auch Feinkost- und Handelsunternehmen. In einigen Bereichen wie etwa beim Hersteller von Fertiggerichten und tiefgekühlten Pilzen, der Stannecker GmbH, wirkt sich die Corona-Krise stark aus (Jahresüberschuss minus 90 Prozent bisher), in anderen wie der Molkerei mit ihrer Produktion für den boomenden Lebensmittelhandel gar nicht. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass die Gruppe im Umsatz etwa fünf Prozent unter dem Vorjahresergebnis von gut 700 Millionen Euro liegen wird.

Auf die Schnelle Abholmarkt eingerichtet

Bauer hat außerdem aus der Not eine Tugend gemacht: Beim am Firmenhauptsitz beheimateten Frischdienst, der etwa 3500 Kunden aus der Gastronomie, Hotellerie und dem Großhandel sowie Firmen mit über 10.000 Trocken- und Tiefkühlprodukten beliefert, war der Umsatz stark eingebrochen. Denn Hotels und Gasthöfe hatten während des Lockdowns geschlossen, ebenso fast alle Kantinen. Nur noch etwa 25 Prozent des normal üblichen Umsatzes war möglich.

Die Lager waren jedoch voll, viele Produkte hätte der Frischdienst vernichten müssen. Bauer entschied sich, die Palette nicht nur den Großverbrauchern, sondern auch normalen Haushalten anzubieten. Ein Abholmarkt im leer stehenden Gebäude eines früheren Bürobedarfsgeschäfts nahe des Firmengeländes in Wasserburg entstand. Hier können die Bürger bestellen und einkaufen: von der Steige Eier bis zum Salat und zur Tüte Pommes.

Bauer mildert Umsatzeinbruch ab

Das Konzept geht auf – ohne große Marketingoffensive, berichtet Bauer. „Das Potenzial ist da, wir werden dieses Angebot weiter ausbauen“, teilt er mit. Der Frischdienst hat bereits einen eigenen Webshop, denn auch der Onlinehandel soll steigen. Die Umsatzeinbrüche in den ersten vier Monaten des Jahres konnten in diesem Betrieb der Gruppe abgemildert werden.

Statt der geplanten 26 Millionen gab es laut Bauer zwar nur 16 Millionen Euro Umsatz, doch es hätte viel schlimmer kommen können. Schließlich brechen heuer auch Großkunden wie Festveranstalter weg: Der Frischdienst beliefert unter anderem auch das Frühlingsfest Wasserburg, das nicht stattfinden konnte, und das Oktoberfest in München, ebenfalls bereits gestrichen.

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Keinen großen Umsatzeinbruch gab es außerdem in der Molkerei. Bauer erwartet für das Corona-Jahr 2020 ein Ergebnis leicht über dem Vorjahr (240 Millionen Euro). Nach dem Lockdown hatte der Wunsch zur Bevorratung sogar dazu geführt, dass die Milchprodukte verstärkt nachgefragt wurden. Mittlerweile ist der Absatz wieder auf Normalniveau, berichtet Bauer.

Vegan und wenig Zucker: Bauer entwickelt Antworten

Trotzdem verspüre die Molkerei eine Änderung des Konsumverhaltens, die Anpassungen bei den Produktlinien erfordere. „Derzeit werden mehr Natur- als Fruchtyoghurts gegessen“, stellt Bauer fest. Es gelte außerdem, eine Antwort auf die Zuckerkritik zu finden. Die Privatmolkerei entwickle derzeit neue Rezepturen, befinde sich in der Konzeptionsphase für vegane Produkte. Noch im laufenden Jahr werde die Molkerei auf das gestiegene Interesse der Verbraucher an Bio- und veganen Produkten reagieren. Bauer hatte vor Jahren bereits erfolgreich die Diskussion um gentechnikfreie Lebensmittel aufgegriffen.

Der Geschäftsführer macht auch keinen Hehl daraus, dass die Molkerei unter dem schlechten Image des Plastiks leidet. Glas sei aus verschiedenen Gründen keine Alternative, hätten Unternehmensversuche gezeigt, Karton sei überhaupt nicht einsetzbar. „Wir sind dran an Lösungen, die den Anteil des recycelbaren Plastiks weiter steigern“, sagt Bauer.

Millioneninvestition am Standort Wasserburg

2020 ist nach seinen Angaben für die Gruppe ein Jahr der Entwicklungen, Tests, Neuausrichtungen. Am Standort Wasserburg investiert Bauer über mehrere Jahre hinweg einen fast zweistelligen Millionenbetrag in neue Anlagen für Ultrahochtemperatur-Techniken.

Es gehe um lange haltbare Produkte für den Export, der zwölf Prozent des Umsatzes ausmache und weiter ausgebaut werden solle. Im Fokus: das europäische Ausland und Asien.

Brexit bereitet Sorgen, Asien boomt als Exportkontinent

Zweitgrößter Absatzmarkt in Europa ist Großbritannien (nach Holland). Hier bereitet der Brexit nach wie vor Sorgen. „Man weiß nichts“, bringt Bauer die Unsicherheit bezüglich des Exporthandels mit einem aus der EU ausgetreten England auf den Punkt. In Asien punktet die Molkerei auch mit vielen Eigenprodukten. „Made in Germany, das zählt dort was.“

Auch wenn der Export in 30 Länder – sogar nach China – wieder angelaufen ist, steht für Bauer fest: „2020 ist kein normales Jahr. Und ein zweites Corona-Jahr kann sich unsere Wirtschaft nicht leisten.“ Jetzt gelte es, aus der Krise und ihren Fehlern zu lernen. Mit dem Krisenmanagement der staatlichen Stellen ist Bauer „ganz zufrieden“. Im Freistaat hätten die Verantwortlichen relativ schnell reagiert und gut zusammengearbeitet. „Doch solange kein Impfstoff gefunden ist, ist diese Krise noch nicht vorbei“, warnt er.

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