Wasserburger Läden befinden sich im Kunstrausch: 25 Geschäfte bieten Ausstellungen an

Der Flyer, der in den Geschäften ausliegt, zeigt, wo Schaufenster zur Galerie werden und welche Künstler an der Aktion teilnehmen. Aktion Kunstrausch/OVB
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Der Flyer, der in den Geschäften ausliegt, zeigt, wo Schaufenster zur Galerie werden und welche Künstler an der Aktion teilnehmen. Aktion Kunstrausch/OVB
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Ein Aquarell neben Parfümflakons, eine Skulptur, die mit Flipflops um die Aufmerksamkeit buhlt, Malerei vor einem Werbeplakat für einen Döner: 25 Geschäfte räumen im September Platz in ihren Schaufenstern – für Ausstellungen. Ein „Kunstrausch“ unter Schirmherrschaft des Innkaufhauses – im Vorübergehen.

Wasserburg – Das Plakat zur Aktion drückt treffend die Vision der Macher aus: Passanten drücken sich an Schaufensterscheiben die Nasen platt – nicht nur, weil hier Waren feilgeboten werden, sondern auch Kunstwerke. Ein Experiment, sagt Andreas Pytlik, einer der 17 Künstler, die ihre Arbeiten ins Schaufenster stellen werden.

Der Schnaitseer, früher künstlerischer Leiter des AK 68, ist sich bewusst, dass er seine Kunst damit auf die Straße trägt – raus aus dem geschützten Raum von Galerien. „Ein Wagnis“, sagt er, „denn unsere Arbeiten müssen mit der Dekorations- und Werbewelt in den Auslagen der Geschäfte konkurrieren“.

Die Konkurrenz ist hart im Schaufenster

Doch er und viele Kollegen gehen dieses Risiko bewusst ein – und freuen sich auf die Chance, sich und ihre Arbeiten einmal außerhalb von Atelier, Galerie und Museum zeigen zu können. „Ich bin schon sehr gespannt, ob es uns gelingen wird, die Aufmerksamkeit zu erringen“, sagt Pytlik. Er hofft darauf, Leute für seine Kunst zu interessieren, die in der Regel nicht Ausstellungen besuchen. Im „Vorübergehen“ möchte er – corona-bedingt vorübergehend – mit seinen Werken, die sich intensiv der Farbe Grün widmen, das Interesse von Passanten gewinnen.

Nimmt die Herausforderung an: der Schnaitseer Künstler Andreas Pytlik, der im Schaufenster des Innkaufhauses Werke seiner aktuellen Reihe „planting trees in minds“ zeigen wird.

Die Konkurrenz ist hart im Schaufenster, in dem die 25 teilnehmenden Geschäfte nach wie vor ihre Produkte zeigen. Für Pytlik gibt es jedoch keine „No-Goes“, er würde seine Malerei auch in der Auslage einer Metzgerei präsentieren, sagt er schmunzelnd. „Nur in die Ecke gestellt werden, das möchte ich nicht.“ Kunst benötige ihren Platz, einen Ort, der ihr respektvoll begegne, findet er.

Raus aus den Galerien, rein ins Shoppingleben

Ohne Pandemie, die den geplanten Ausstellungszyklus durchbrochen und viele Präsentations- und Verkaufsmöglichkeiten außer Kraft gesetzt hatte, wäre er nach eigenen Angaben niemals auf die Idee gekommen, seine Werke so intensiv im Schaufenster zu zeigen. „Jetzt lasse ich dieses Angebot auf mich zukommen. Mal sehen, wie wir und unsere Kunst wahrgenommen werden.“

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Raus aus den Galerien, rein ins Shoppingleben: Die Organisatoren der Aktionen, Birgit und Manuel Michaelis sowie Max Windholz, freuten sich, dass ihr Experiment so gut angenommen wird – von den Künstlerkollgen und den Geschäftsleuten. „Alle, die wir angefragt haben, sind sofort bereit gewesen, mitzumachen“, freut sich Birgit Michaelis, die ebenso wie ihr Mann selber ausstellen wird in den Schaufenstern der Stadt.

Kunstaktion soll auch einen sozialen Aspekt haben

Sie spricht von einer „Win-Win-Situation“: Die Künstler erhalten eine Ausstellungschance in Corona-Zeiten, die Geschäfte eine neue Aufmerksamkeit für ihre Auslagen. Im September sind außerdem viele Tages-Touristen in der Stadt: Auch sie bekommen neben den üblichen Waren in den Schaufenstern Kunst zu sehen.

Dass diese Idee funktioniert, beweist seit drei Jahren das Innkaufhaus, das den Kunstrausch erfunden hat. An einem Samstag im Jahr boten bisher Künstler aus der Umgebung ihre Werke in der Kulturetage des Kaufhauses an.

Von Anfang an war den Machern, der Kaufhausfamilie Schuhmacher, klar: Die Aktion soll auch einen sozialen Aspekt haben. So ging im ersten Jahr der volle Verkaufserlös, seit 2019 jeweils zehn Prozent des Erlöses, an einen guten Zweck. Im Jahr 2017 wurde die Wasserburger Tafel unterstützt, 2018 die Aktion Lebenskünstler und im vergangenen Jahr der Kinderschutzbund Wasserburg.

Zehn Prozent des Erlöses geht an den Wunschbaum

Für dieses Jahr war laut Innkaufhaus geplant, die Aktion Wunschbaum zu fördern. Durch die Corona-Krise kann der Kunstrausch aber nicht in gewohnter Form in der dritten. Etage des Innkaufhauses stattfinden. Doch gerade in diesem besonderen Jahr wollte die Kunstrausch-Gruppe den Wasserburgern und den Gästen der Stadt etwas Abwechslung bieten und auch den Künstlern ermöglichen, ihre Werke zu zeigen.

Auch das Innkaufhaus wollte den Kunstrausch 2020 auf keinen Fall ausfallen lassen. Also musste eine „Corona“-passende Idee her: der „Kunstrausch vorübergehend“ – vom 1. bis 25. September in den Schaufenstern der Stadt. Zehn Prozent des Erlöses gehen heuer, wie ursprünglich geplant, an die Aktion Wunschbaum, die in diesem Jahr bereits in den schwierigen Wochen im März bedürftige Kinder unterstützt hat und Weihnachten wieder eine große Geschenkaktion plant.

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