KULTUR IM LOCKDOWN UNTERSTÜTZEN

Wasserburger Kleinkunstbühne macht wieder auf: Kulturkreis bekommt Unterstützung

Kulturreferentin Edith Stürmlinger nimmt schon mal Platz in den Zuschauerreihen im Gimplkeller, der noch 2021 wieder eröffnen soll – sobald es die Corona-Lage erlaubt.
+
Kulturreferentin Edith Stürmlinger nimmt schon mal Platz in den Zuschauerreihen im Gimplkeller, der noch 2021 wieder eröffnen soll – sobald es die Corona-Lage erlaubt.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
    schließen

Mitten im Lockdown, der die selbstständigen Künstler mit Berufsverboten schwer trifft, setzt der Kulturkreis Wasserburg ein ermutigendes Zeichen: Er will den Gimplkeller als Kleinkunstbühne wieder eröffnen. Der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates unterstützt das Vorhaben einstimmig.

Wasserburg – Der Haupt- und Finanzausschuss unterstützt das Vorhaben des Kulturkreises mit einem Zuschuss zu den Mietkosten für die nächsten zwei Jahre. Wasserburg bekommt also in der Altstadt eine neue Kulturstätte – ausgerechnet im Corona-Jahr 2021.

Aufbruchstimmung in dunklen Zeiten

Was für ein Lichtblick in dunklen Zeiten: So empfanden die Mitglieder den Vortrag von Kulturreferentin Edith Stürmlinger (Bürgerforum), die das Vorhaben des Kulturkreises vorstellte und den Zuschussantrag stellte. Eine Aufbruchstimmung war zu spüren – „von Freude“ und einem Mut machenden Projekt sprach Georg Machl (CSU), als Vorsitzender der Stadtkapelle Wasserburg Mitglied des Kulturkreises. Dieser habe fast vor der Auflösung gestanden, das neue Projekt sei eine Spange, welche die Mitglieder – Künstler und Kulturvereine sowie Kulturinteressierte – positiv in die Zukunft schauen lasse.

Lesen Sie auch:

Chance für Künstler aus dem Wasserburger Land: Neues Leben im Gimplkeller?

„Wasserburg braucht eine Kleinkunstbühne“, ist Stürmlinger überzeugt. Wasserburg hatte außerdem schon eine. Ursprünglich sollte Kleinkunst zusammen mit dem Theater Wasserburg, damals noch „Belacqua“, im Kulturforum an der Salzburger Straße Platz bekommen, das ließ sich jedoch neben einem professionellen Theaterbetrieb nicht realisieren, erinnerte die Dritte Bürgermeisterin. Am Marienplatz öffnete Theatermacher Jörg Herwegh schließlich das Narrenschiff, nach einer längeren Pause kam mit Heiko Rüsse ein neuer privater Betreiber und ein neuer Name: Gimplkeller. Rüsse war ebenfalls mit viel Idealismus dabei, wenn es galt, Künstler auf die kleine Bühne zu holen. Dann kam Corona, die Kulturstätte musste schließen, der Betreiber gab im August 2020 auf.

Stürmlinger: „Kultur ist ein Zuschussgeschäft“

Im Kulturkreis entwickelte sich der Wunsch, den Gimplkeller wieder zu beleben. Nur wie? Fest steht: „Kultur ist ein Zuschussgeschäft“, sagt Stürmlinger. Trotzdem gab es viele positive Signale: Die Vermieterin sagte eine günstige Pacht zu. Der ehemalige Betreiber zeigte sich bereit, die 70 Stühle, Theke, Bühne, Lautsprecher- und Lichtanlage – alles voll funktionsfähig – im Raum zu belassen. Die Wasserburger Rotarier lösen Technik und Möblierung ab. Und der Kulturkreis entschied sich, die Bühne zu betreiben. Die Stadt gibt erst eimal für die nächsten zwei Jahre einen Zuschuss, der in etwa die Miet- und Nebenkosten deckt. „Der Kulturkreis traut sich das Vorhaben zu“, sagte die Kulturreferentin im Haupt- und Finanzausschuss. Der Kulturkreis werde sich finanziell nicht übernehmen, versprach sie außerdem.

Summe von 5000 und 5900 Euro sei überschaubar

Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD) sah eine Chance auf einen Neuanfang. „Es wäre wahnsinnig schade, wenn die Kulturbühne wieder verschwinden würde aus Wasserburg“, findet er. Die Stadt solle mit der relativ überschaubaren Summe von zwei Pachtzuschüssen in Höhe von 5000 und 5900 Euro unterstützen.

Auch interessant:

Wasserburger Künstler über ihre Situation in der Corona-Krise: „Es ist ein Berufsverbot“

Steffi König (Grüne) sprach von einem „super“ Vorhaben. Nur das Konzept sei noch etwas dünn, Folgekosten dürfe es nicht als Rattenschwanz hinter sich herziehen für die Stadt, fand sie. Vor allem regionale Künstler und der Nachwuchs sollten hier eine Auftrittschance erhalten – „nicht teuer bezahlte von weit her“. Die Fraktionsvorsitzende von CSU/Freie Wähler-Wasserburger Block, Heike Maas, legte bei ihrer wohlwollenden Zustimmung ebenfalls Wert auf die Feststellung, beim städtischen Zuschuss handele es sich nur um eine Unterstützung bei der Finanzierung von Fixkosten, nicht um eine Gagenförderung. Ein Automatismus dürfe nicht entstehen, warnte auch Armin Sinzingern (Wasserburger Block).

Das könnte Sie auch interessieren:

Wasserburger Schauspielerin Marie Theres Relin: „Corona hat die Frauen zurückgeworfen“

Die Fraktionsvorsitzende von SPD und Linke Liste, Friederike Kayser-Büker, sprach angesichts der Planung von einem richtigen Signal in vor allem für Künstler schweren Zeiten. „Das tut so gut.“ Der Kulturkreis als Dachverband der Künstler werde schon dafür sorgen, dass seine Mitglieder hier vorrangig Auftrittsmöglichkeiten bekämen.

Arbeitsgruppe für das Programm

Die Kulturreferentin kündigte auf Nachfrage an, im Verein werde eine Arbeitsgruppe für die Programmgestaltung gegründet. Auch einen festen Ansprechpartner für den Gimplkeller werde es geben. Trotzdem dürfe es dem Verein und Betreiber nicht vorgeschrieben werden, nur örtliche Künstler auftreten zu lassen, auch auswärtige sollten eine Chance bekommen. Stürmlinger zeigte jedoch auch deutlich auf: „Kultur trägt sich nicht allein.“ Nach zwei Jahren werde der Betreiber vermutlich erneut um Unterstützung der Stadt bitten müssen, betonte sie offen.

Kommentare