TAGESLICHT LEGT ZU

Wasserburger Heimatforscher Ferdinand Steffan erklärt, was an „Mariae Reinigung“ passiert

„Mariae Reinigung“ ist in der Wasserburger Frauenkirche beim Hochaltar dargestellt.
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„Mariae Reinigung“ ist in der Wasserburger Frauenkirche beim Hochaltar dargestellt.

40 Tage nach Weihnachten, nach Jesu Geburt, galt seine Mutter wieder als kultisch rein und durfte wieder Tempel betreten. Anlässlich von „Mariae Lichtmess“, das am 2. Februar gefeiert wird, erklärt Heimatforscher Ferdinand Steffan, warum dieser Tag auch „Mariae Reinigung“ heißt.

Wasserburg – Man muss schon hoch hinaufschauen in der Wasserburger Frauenkirche, um im zweiten Feld rechts vom Hochaltar des sogenannten Oberlichtgadens das Fresko zum Fest „Mariae Reinigung“ zu entdecken. Es handelt sich um eine Darstellung zu Mariä Lichtmess, das am 2. Februar – 40 Tage nach Weihnachten – gefeiert wird. Ab diesem Tag legt das Tageslicht wieder zu, pro Tag sind das drei bis vier Minuten – also pro Woche gute 20 bis 25 Minuten.

Der in Mühldorf 1721 geborene Johann Paul Kur(t)z, der 1744 die Malergerechtigkeit und das Bürgerrecht in Wasserburg erhalten hatte, war maßgeblich an der künstlerischen Ausgestaltung der Kirche zu „Unserer Lieben Frau“ in den Jahren 1750 bis 1754 beteiligt.

Kultisch rein

Im Feld der letzten Rippenfiguration auf der Orgelempore hat sich der Künstler verewigt: „Ano 1752 / hat Joh: Phaull / Kurtz diße Kirchen / außgemalt. / darbey Joh: Jos: leithner / auß Tyroll als gsöll geweßen“. Dargestellt in diesem Zyklus der Marienfeste ist die übliche Opferung von zwei Tauben (Gabe ärmerer Leute) im Tempel vierzig Tage nach der Geburt eines Kindes. Ab da durfte eine Frau wieder einen Tempel betreten, weil sie wieder als kultisch rein galt. Daher stammt auch der offizielle Titel des Festes „Mariae Reinigung“.

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Bei diesem Opfergang begegnet Maria dem greisen Simeon, der das Kind auf den Arm nimmt und die Worte spricht „Nun entlässest Du, Herr, Deinen Diener in Frieden“, da ihm geweissagt worden war, dass er nicht sterben werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen habe.

Pandemie verbietet Prozession

Die brennende Kerze am rechten Bildrand weist auf Christus, das Licht der Welt hin, wie er auch in der Osterkerze versinnbildlicht wird. Mit der Weihe der Kerzen und der Lichterprozession erhält die Liturgie dieses Festes, mit dem der Weihnachtsfestkreis offiziell endet, eine besondere Symbolik, auch wenn im Zeichen der Pandemie heuer die gewohnten Rituale anders ausfallen müssen.

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