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Ära am Wasserburger Gymnasium endet: Der Philosoph geht in den Ruhestand

Entspannt dem Ruhestand entgegen: Peter Rink beendet in diesen Tagen eine lange Schulkarriere. Weithofer
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Entspannt dem Ruhestand entgegen: Peter Rink beendet in diesen Tagen eine lange Schulkarriere. Weithofer

Keinen Tag meines Berufslebens möchte ich missen“, sagt Peter Rink. 14 Jahre lang hat er das Luitpold-Gymnasium in Wasserburg geleitet – als ein Pädagoge mit Herz und Verstand. Ende des Monats nimmt der 66-Jährige Abschied von seiner Schule. Ein Rückblick ohne Wehmut, aber mit nachdenklichen Tönen.

Wasserburg – „Ich habe diese Aufgabe gerne gemacht.“ Natürlich gab es auch Unerfreuliches im Lauf der Zeit, „aber die schlechten Tage helfen einem, die guten zu schätzen“, sagt der scheidende Schulleiter.

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Rink, der Philosoph. Hochgeistiges hat er immer wieder in seinen Rede-Auftritten einfließen lassen. Dafür ist er bekannt geworden. „Ich möchte nachdenken über den Menschen, was ihn umtreibt, auch seine Schattenseiten kennenlernen“, erklärt Rink. Und er möchte „erkennen, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält“.

Rink hat sich etwas Schelmisches bewahrt

Entspannt und gut gelaunt sitzt er in seinem Büro, ist mit sich und der Welt im Reinen. Der gebürtige Berliner, der insgesamt 40 Jahre im Schuldienst war, hat sich etwas Schelmisches bewahrt. Wie es ihm heute geht? „Wunderbar!“ Wehmut verspüre er nicht. „Aber nachdenklich bin ich schon, weil mein Amt zu Ende geht.“ Im August übernimmt Verene Grillhösl die Leitung des LGW mit seinen knapp 80 Lehrern und knapp 800 Schülern. Grillhösl war zuvor stellvertretende Schulleiterin am Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien.

Studiert hat Rink Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaften in Erlangen und Freiburg, wo er 1977 auch sein Examen ablegte. Als Pädagoge und Schulleiter verfügt er über einen riesigen Erfahrungsschatz. Angesprochen auf die Nöte der Lehrer, stellt er fest: „Mit Sicherheit werden sie in der öffentlichen Meinung mehr geprügelt als vor 40 Jahren. Wahrscheinlich sind sie aber heimlich schon immer geprügelt worden.“ Rink liefert gleich den Grund dafür nach: Lehrer hätten es eben mit jungen Menschen zu tun, deren charakterliche Entwicklung noch nicht abgeschlossen sei. Die Spannungen zwischen den Generationen beschäftigen Rink bis in die eigene Familie. „Ich sehe an den eigenen Enkelkindern, , dass ich nicht immer gut damit ankomme, wenn ich klugscheißerisch Wahrheiten verkünde.“ Das mache ihm aber nichts aus.

Warum es die Jugend heute schwerer hat, erwachsen zu werden

Erziehung ist in der Gesellschaft ein großes Thema, und Rink hält da mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Jugendliche hätten es heute schwerer als früher, erwachsen zu werden, sagt er. Und er findet das Verhalten vieler Eltern beklagenswert: Sie würden sich von ihren Kindern gängeln lassen, statt selbst Orientierungslinien vorzugeben. „Das spüren wir in der Schule deutlich.“

Rink hat freilich im LGW gegengehalten und selbstverständliche Verhaltensweisen eingefordert. „Man sollte sich doch wenigstens Grüß Gott sagen, wenn man sich sieht.“ So pflegt das Gymnasium Wasserburg – vorsichtig ausgedrückt – ein traditionelles Image. Gewiss nicht zum Missfallen ihres scheidenden Leiters.

Freude über die Rückkehr zum G9

Herausgefordert wurde Rink in seiner Amtszeit auch durch die staatliche Schulpolitik. Die Lehrerversorgung funktionierte nicht immer, oftmals sah er sich im Stich gelassen. Die schlechte Verkehrsanbindung Wasserburgs trug zu dem Mangel zusätzlich bei. Immerhin, die Umstellung von G8 auf G9 wurde geschafft. „Die Klassen fünf bis sieben sind jetzt schon wieder im neunjährigen Gymnasium.“ Ein bayernweiter Schritt, den er auch auf seine Initiative zurückführt.

Was ist Rinks persönliches Fazit nach 14 Jahren am Luitpold-Gymnasium? „Ich habe die Hoffnung, eine Schule übergeben zu können, die gut aufgestellt ist, die ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag ernst nimmt. Das ist mir eine Genugtuung.“

In der Tat, der Ruf der Schule ist gut. Ein Jahr hat er noch draufgesattelt, um für den Umbau im Haus zu sorgen.

„Ich freue mich auf frei verfügbare Zeit“

Und wie stellt sich Rink das Leben ab August vor? „Ich freue mich auf frei verfügbare Zeit“, sagt er. An Arbeit wird es gleichwohl nicht fehlen. Im September leitet er eine Fahrt des Heimatvereins in die Pfalz, zudem will er Beiträge für das historische Lexikon der Stadt Wasserburg verfassen. Und auch die Berufsschule im Libanon („mein Baby“) voranbringen, dazu Anfang Oktober in den Nahen Osten reisen. Die Ära Rink im LGW ist jedenfalls zu Ende.

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