Wasserburger Geschäftswelt schwankt zwischen Hoffen und Bangen

Es wird noch dauern, bis wieder – so wie hier beim Arkadenfest 2019 – die Einkaufsstimmung steigt in Wasserburg. Doch langsam laufen die Geschäfte wieder an.
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Es wird noch dauern, bis wieder – so wie hier beim Arkadenfest 2019 – die Einkaufsstimmung steigt in Wasserburg. Doch langsam laufen die Geschäfte wieder an.

Langsam füllen sich die Geschäfte wieder: Die Einkaufsstimmung kehrt zurück. Trotzdem: Die Wasserburger Geschäftsleute kämpfen nach wie vor mit den Nachwehen des Lockdowns. Ein Stimmungsbericht aus der Altstadt.

Von Winfried Weithofer

Wasserburg – Mitte März kam der Lockdown. Die meisten Geschäfte und alle Gastronomiebetriebe mussten schließen. Ende April gingen die Türen wieder auf, erst bei den Läden, dann bei den Friseuren, schließlich, seit Mitte Mai, bei den Gaststätten. Wie beurteilen die Inhaber, die wir kurz nach der Schließung zu ihrer Stimmungslage befragt hatten, jetzt die Lage? Mitarbeiter Winfried W+++

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+++eithofer hat alle ein zweites Mal besucht und nachgefragt.

Lychee`s: Jetzt auch noch Wasserschaden

Lychee’s, der kleine Vietnamese: Inhaberin Thanh Van Beck freut sich, dass sich die Leute wieder trauen, essen zu gehen. „Aber der Hype, den wir erwartet haben, ist ausgeblieben.“ Dankbar ist sie, dass ihr Restaurant in der Krise „sehr stark“ von den Gästen unterstützt worden sei. „Wir dürfen uns nicht beschweren.“ Jetzt kommt auf Thanh Van Beck freilich eine neue Herausforderung zu: Wegen eines Wasserschadens muss sie für vier Wochen zumachen.

La Famiglia hält durch

Restaurant La Famiglia: Chefin Alessandra Fusaro sagt, dass das Geschäft noch lange nicht so laufe wie vor Corona, manchmal rentiere sich der Aufwand wirklich nicht. „Ich hoffe, dass es besser wird.“ Als Familienbetrieb könne ihr Restaurant aber durchhalten. Kurz nach der Schließung Mitte März hatte sie sich noch sehr pessimistisch geäußert, das To-go-Angebot werde kaum angenommen: „Das macht meine Seele kaputt“, hatte sie befürchtet.

Innkaufhaus: Besser als gedacht

Innkaufhaus: Sibylle Schuhmacher, die zusammen mit ihrem Mann Tobias den Laden führt, sagt, die Zeit der Schließung sei sehr belastend gewesen. Natürlich sei die Zahl der Kunden im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit zurückgegangen, „aber es ist okay, sogar überraschend besser als gedacht“. Sie sei allerdings nach wie vor vorsichtig bei der Personaleinteilung und bei der Warenbestellung.

Stechl Keller: Mehr Personal notwendig

Stechl Keller: Betreiber Peter Fichter sagt, dass er wegen der Auflagen mehr Personal als vorher brauche. Auf die Frage, ob er einigermaßen über die Runden komme, antwortet er: „Nein, der Kreditrahmen ist ausgeschöpft.“ Wenn er das Geschäft vor Ort und das Liefergeschäft zusammenzähle, mache er nicht mehr einen so hohen Verlust. Zu Beginn der Schließung habe er am Tag 500 Euro draufgezahlt. „Jetzt gibt es Tage, an denen wir tatsächlich a bisserl Geld verdienen.“

Taxi Haindl: Es wird richtig schwierig

Taxi-Unternehmen Haindl: „Das Geschäft hat sich noch nicht sehr gebessert“, klagt Inhaber Andreas Haindl. Die Großveranstaltungen seien alle abgesagt worden, so auch das Wasserburger Frühlingsfest. Und auch sonst sei wenig los. Zum Beispiel fallen die Fahrdienste für die Stiftung Attl weg, weil die Behinderten noch keinen Ausgang hätten. Haindl befürchtet, dass es für ihn „richtig schwierig“ wird. „Es ist nicht sehr positiv, eher negativ. Man muss mit der Bank sprechen.“

Gärtnerei Posch: Mit blauem Auge davongekommen

Gärtnerei Posch: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Inhaberin Christine Posch. „Ich bin zufrieden, dass die Kunden viele Gemüsepflanzen haben wollten.“ Ostern sei „nicht der Brüller“ gewesen, aber der Mai sei gut verlaufen, so wie früher. „Die Leute waren zu Hause, sie wollten in ihren Gärten was machen.“ Wobei ihr aber nach wie vor die umsatzträchtigen Feste fehlen, die Hochzeiten und die Beerdigungen.

Hagebaumarkt: Nachfrage vorhanden

Hagebaumarkt: Marktleiter Bernhard Christoph äußert sich zufrieden mit dem Geschäftsverlauf nach der Öffnung am 20. April, es laufe so wie gewohnt. „Ich sehe die Situation positiv. Unsere Erwartungen sind erfüllt worden. Die Nachfrage ist vorhanden, der Bedarf an Gartenartikeln ist sehr hoch.“ Die Zahl der Kunden sei sogar gestiegen. „Man merkt schon, dass die Leute nicht in den Urlaub fahren.“´

Friseur Zettl: Kunden verständnisvoll

Friseursalon Zettl: „Wir haben zwar einen höheren Aufwand, es ist umständlicher, aber das Geschäft läuft genauso gut wie vorher“, resümiert Inhaber Jürgen Zettl, der sich auch über seinen „sehr flexiblen Mitarbeiterstamm“ freut. Die Öffnungszeiten habe er deutlich verlängert. Die Kunden würden verständnisvoll auf die Auflagen reagieren – sie müssen zeitgenau kommen und auf Bart- und Augenbrauenpflege verzichten.

Gewandhaus Gruber: Es geht aufwärts

Gewandhaus Gruber: Geschäftsführerin Sonja Schacherl sagt, sie habe sich sehr darüber gefreut, dass viele Kunden gleich nach der Öffnung wieder gekommen seien. Dadurch aber, dass überall Feste abgesagt werden musste, tue sich ihr Geschäft schwer mit dem Verkauf von Abendkleidern oder Dirndln. Aber insgesamt gehe es aufwärts, insbesondere bei Sportartikeln sei das zu spüren. Auch im Unterhaus mit den ganzen Trendmarken laufe es gut.

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