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JETZT WIEDER „CLICK & MEET“

Wasserburger Geschäftsleute ärgern sich über wechselnde Öffnungsregeln: „So ein Kasperltheater!“

Guggi Pöhmerer (Büro- und Schulbedarfam Weberzipfel) bedankt sich im Schaufenster bei ihren Kunden für Treue und Geduld..
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Guggi Pöhmerer (Büro- und Schulbedarfam Weberzipfel) bedankt sich im Schaufenster bei ihren Kunden für Treue und Geduld..
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Auf, zu, auf: „So ein Kasperltheater“, seufzt Sibylle Schuhmacher. Die Inhaberin des Wasserburger Innkaufhauses ist sichtlich genervt vom Hin und Her rund um den Lockdown für den Einzelhandel. So ergeht es auch den Kunden in der Stadt..

Wasserburg – Ihre Gefühlslage haben die Dekorateurinnen des Innkaufhauses im Schaufenster dargestellt: Hier hat ein Kasperltheater den Vorhang weggezogen – der Passant schaut auf Puppen, die sich mit dem Durcheinander der Corona-Maßnahmen auseinandersetzen. Ein Polizist ist dabei, der das Bußgeld, das bei Verstößen fällig wird, als Mund-Nasen-Schutz trägt. Zwei Kasperl schauen ausnahmsweise gar nicht frech, sondern eher verunsichert aus dem Schaufenster.

„Wir wissen: Die Lage ist ernst“, sagt Schuhmacher, „und wir nehmen Corona ernst“, ergänzt sie. Dass es die politischen Entscheidungsträger nicht einfach haben derzeit: „ebenfalls akzeptiert“. Trotzdem: „Dieses Rum-Geeiere, das geht nicht und produziert Chaos“, findet Schuhmacher.

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Kunden stellen Fragen

Regelmäßig muss sie ihren Kunden erklären, warum welche Abteilung ihres Kaufhauses geöffnet ist und welche nicht. Was ist systemrelevant, was nicht? Auch das ändert sich schließlich regelmäßig, wie die neue Einschätzung der Schuhgeschäfte zeigt, die jetzt öffnen dürfen. Seit gestern gilt im Landkreis Rosenheim angesichts der Inzidenz, die wieder seit drei Tagen unter 100 gerutscht ist, außerdem „Click & Meet“, also Einkaufen nach Anmeldung. Vor Ostern ging angesichts gestiegener Inzidenzzahlen mal wieder nur „Click & Collect“, also Ware bestellen und vor der Landetür in Empfang nehmen.

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Vorhang auf für ein Kasperltheater: Im Schaufenster des Innkaufhauses beschäftigen sich Kasperl und Co. mit dem Folgen der Corona-Politik.

Wasserburger Geschäftsleute haben Schwierigkeiten bei Personalplanung

Das Hin und Her erschwert nicht nur die Personalplanung, denn Mitarbeiter stehen quasi auf Abruf bereit, berichtet Schuhmacher, der es zudem schwerfällt, die Kundenresonanz abzuschätzen. Denn die Verwirrung ist groß, stellt auch Gismunde („Guggi“) Pöhmerer fest. Die Geschäftsführerin von Pöhmerer Büro- und Schulbedarf darf zwar aufgrund ihres systemrelevanten Sortiments auch ohne morgendlichen Blick auf die Inzidenzzahlen öffnen, bekommt trotzdem viele Anrufe verunsicherter Kunden, die wissen wollen, ob das Geschäft am Weberzipfel offen ist. Weil viele Menschen im Homeoffice arbeiten und viele Kinder daheim lernen, ist der Bedarf an Büro- und Schreibmaterialien, vor allem aber an Papier zum Ausdrucken, groß. Trotzdem wirkt sich nach Erfahrungen von Pöhmerer das Hin und Her um die Corona-Regeln für den Einzelhandel negativ auf die Kauflaune aus.

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Auch dass die Cafés und die Gastronomie noch immer nicht öffnen durften, sei spürbar. „Eine Kaffeepause gehört zum Einkaufen einfach dazu. Es ist still geworden in der Stadt“, bedauert Pöhmerer. Die Kunden sind ihrem Geschäft, das derzeit vormittags geöffnet hat, trotzdem treu geblieben. Deshalb bestimmen sie das Bild im Schaufenster von Pöhmerer in der Altstadt: Hier bedankt sich die Inhaberin mit Kundenfotos, die beweisen: „Die Wasserburger halten uns die Stange.“

Wirtschaftsreferent fordert: „Mehr Vertrauen“

Die Kunden seien außerdem sehr vernünftig, so Pöhmerer. „Sie halten sich zu 99 Prozent an die Regeln.“ „Mehr Vertrauen“ in das Verantwortungsbewusstsein der Bürger wünscht sich aufgrund dieser Erfahrung auch der Wirtschaftsreferent des Stadtrates, Christoph Klobeck. Der Inhaber eines Bettenfachgeschäfts in der Altstadt ist überzeugt, Geschäfte und Gastronomie sowie Kultureinrichtungen könnten öffnen, schließlich gebe es die entsprechenden Hygienekonzepte. „Die Politik muss den Menschen mehr zutrauen“, so Klobeck. Click & Collect, Click & Meet, Geschäfte mit und ohne Systemrelevanz, Mischkonzepte, unterschiedliche Regelungen in benachbarten Landkreisen: Derzeit seien die Kunden vor allem eins: verwirrt – und die Ladenbesitzer meist frustriert. „Dieser Flickenteppich muss ein Ende haben.“, fordert Klobeck.

Das sagt der Wirtschaftsförderungsverband

„Das Publikum ist verunsichert“, sagt auch Moritz Hasselt, Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV) Wasserburg. Die meisten Kunden kaufen nach seinen Erfahrungen derzeit nur das, was sie wirklich brauchen. Shopping finde kaum statt. Hasselt kritisiert nicht nur das Durcheinander der verschiedenen Öffnungssysteme, die sich von Bundesland zu Bundesland, von Landkreis zu Landkreis unterscheiden würden, sondern auch die immer wieder neuen Aussagen der politischen Entscheidungsträger. Der Lockerungsdruck, der derzeit trotz der hoch ansteckenden Virus-Variante in der Politik zu spüren sei, ist für ihn ein Auswuchs des begonnenen Wahlkampfs. Was Hasselt, Inhaber eines Uhren- und Schmuckgeschäfts, außerdem ärgert: Dass es auch Ladeninhaber gibt, die die Regeln sehr individuell auslegen, kurzum: sich nicht dran halten würden. „Das ist nicht solidarisch.“

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