PROTESTAKTION

Wasserburger Gastronomen stellen gedeckte Tische vor ihre Lokale

Stiller Protest: Christine Stocker-Hoyer und ihr Mann Lutz Hoyer haben für die Aktion „Gedeckter Tisch – gemachtes Bett“ extra einen Cafétisch eingedeckt.
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Stiller Protest: Christine Stocker-Hoyer und ihr Mann Lutz Hoyer haben für die Aktion „Gedeckter Tisch – gemachtes Bett“ extra einen Cafétisch eingedeckt.
  • vonPetra Maier
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Ein Tisch, zwei Stühle und zwei rote Drinks – fertig ist das stille Mahnmal für die gebeutelte Gastronomie in Corona-Zeiten. Christine Stocker-Hoyer vom Wasserburger „Boulevard 10“ blickt zufrieden auf ihre Installation in der Ledererzeile.

Wasserburg–Die Gastronomin beteiligt sich mit dem Ensemble an der Protestaktion „Gedeckter Tisch & gemachtes Bett“, die von der Dehoga Bayern für den gestrigen Montag bayernweit ausgerufen wurde.

„Wir wollen damit eigentlich nicht unsere Kunden ansprechen, sondern hoffen, dass wir mit der Aktion Politiker auf unsere Lage aufmerksam machen können“, erklärt die Gastwirtin ihren öffentlichen Protest.

Offizielles Kampagnenziel der Dehoga ist die Vorstellung eines verbindlichen Öffnungsszenarios für das Gastgewerbe im Nachgang zum Treffen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am 3. März 2021.

Gute Erfahrungen mit der staatlichen Hilfe

Das würde sich die Wasserburger Gastwirtin auch wünschen. Im August 2019 hat sie mit ihrem Mann das „Boulevard 10“ neu eröffnet. „Wir sind aber schon seit Jahren selbstständig in der Gastronomie tätig“, stellt sie klar. Das erfahrene Ehepaar hat das eigene Haus neu renoviert, zur Neueröffnung im August 2019 wurden die letzten Arbeiten abgeschlossen.

„Das bedeutet für uns aber nur einen kleinen Vorteil gegenüber anderen Gastronomen, die Miete zahlen müssen, denn wir zahlen Steuern und Abzahlungen“, rechnet sie vor. „Man muss allerdings in der Gastronomie immer Rücklagen haben und kann nicht von der Hand in den Mund leben“, berichtet sie weiter.

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Mit der staatlichen Unterstützung sei sie gut klar gekommen. „Über den Steuerberater haben wir die November- und Dezemberhilfe beantragt“, führt sie aus. Die erste Hälfte der Unterstützung sei jeweils sofort ausgezahlt worden, dann wurde vom Staat geprüft und erst danach die zweite Hälfte gezahlt. Für Dezember warte sie jetzt noch auf die zweite Hälfte, das Novembergeld sei schon komplett da, verrät Stocker-Hoyer. Sie persönlich findet diese Auszahlungsregelung mit vorheriger Prüfung sinnvoller als den Auszahlungsmodus im März 2020. „Da wurde sofort alles vom Staat gezahlt – dann erst geprüft und teilweise wieder zurückgefordert“, beschreibt sie die Abwicklung, die ihrer Meinung zu viel Unsicherheit geführt hätte.

Auch im Café Central signalisiert ein Tisch, dass die Gastronomie auf Gäste wartet.

Apropos Unsicherheit: Zu gern würde sie Restaurant und Café im „Boulevard 10“ wieder öffnen. Momentan bleibt nur der Straßenverkauf, den sie von Donnerstag bis Freitag, 11 bis 19 Uhr, für ihre Kunden öffnet. „Ohne eine Perspektive, wann ich wieder öffnen darf, kann ich mich nicht um Mitarbeiter bemühen“, klagt sie.

„Ansonsten haben wir ja alles vorbereitet. Unser Hygienekonzept steht seit März 2020. Da könnten die Gäste bei uns wesentlich sicherer speisen, als wenn sie sich bei schönem Wetter am Inn auf der Parkbank dicht zusammensetzen“, macht sie deutlich.

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Auch das Café Central beteiligte sich gestern an der Dehoga-Aktion. „Es wird Zeit, dass man wieder an die Wirte denkt“, erklärt Markus Bauer, Mitbetreiber des Cafés, im Gespräch mit unserer Heimatzeitung.

„Auch die Beschäftigten brauchen eine Möglichkeit wieder Geld zu verdienen.“ Das Café habe im Lockdown wegen seiner Lage im Hinterhof kein to-go angeboten. „Deshalb brennen wir jetzt umso mehr darauf, endlich wieder zu öffnen.“

Aktion im Stechl-Keller

Peter Fichter vom Stechl-Keller in Wasserburg hat mit seiner Aktion „homo hospes“ schon vor Wochen aus eigener Initiative ein deutliches Zeichen gesetzt. Seitdem sitzen und stehen 4 Schaufensterpuppen lässig im Café mit Getränken auf dem Tisch – wer nicht ganz genau hinschaut, könnte meinen, der Stechl Keller habe wieder aufgemacht.

„Die Puppen bleiben sitzen, bis wir endlich wieder öffnen dürfen“, kündigt der Wirt an. Die Aktion kommt bei den Passanten gut an, berichtet Fichter, der sich immer mehr Sorgen um die Gastronomie macht. „Inzwischen nennen uns die Politiker ja schon gar nicht mehr, wenn es um die Öffnungszeiten geht“, klagt er.

„Dabei wird es jetzt echt zach, unsere Gelder sind aufgebraucht“, ergänzt er auch für seine 30 Mitarbeiter. Er befürchtet aber ein noch schlimmeres Szenario: „Wenn jetzt Baumärkte und Friseure wieder öffnen, denn steigen die Corona-Infektionen sicher an“, vermutet er, „und dann heißt es wieder von den Politikern: ‚Jetzt können wir die Gastrobetriebe auf keinen Fall öffnen.‘“

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