Wasserburger Garten-Experte rät: Bacillus thuringiensis gegen den Zünsler

Ein Albtraum für Liebhaber des Buxus sempervivens: die Raupe des Buchsbaumzünslers, die gemeinsam mit eine Horde Artgenossen nur ein jämmerliches Gerippe von eine, Strauch übrig lässt.
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Ein Albtraum für Liebhaber des Buxus sempervivens: die Raupe des Buchsbaumzünslers, die gemeinsam mit eine Horde Artgenossen nur ein jämmerliches Gerippe von eine, Strauch übrig lässt.

Von Karlheinz Rieger. Wasserburg.

– ‚Augen auf im Juni!‘ heißt ein Tipp, wenn man durch den Garten streift. Nicht nur im Raum Wasserburg ist er anzutreffen, der gefräßige und äußerst lästige Zeitgenosse: der Buchsbaumzünsler.

Im Juni beginnt ein neuer Fortpflanzungszyklus bei den Faltern dieses Schädlings. Pro Jahr verderben insgesamt je nach Witterung zwei bis drei Generationen dieses Mitsviechs den Buchsliebhabern die Freude an ihren langsam wachsenden, immergrünen, mehr oder weniger in Form gebrachten Büschen.

Mit dem Falter beginnt Albtraum

„Einem Wettlauf wie im Märchen vom Hasen und Igel kommt der Kampf gegen den Buchsbaumzünsler oft gleich“, sagt Reporter Karlheinz Rieger, der den „leider oft frustrierenden Versuch“ kennt, die eigenen Buchsbestände gegen diesen Gegner zu verteidigen. Er beschreibt die nachtaktiven weißen Falter mit den dunkelbraunen Flügelrändern. Noch schlimmer sind für Rieger und alle anderen Gartenliebhaber die grünlich gemusterten, äußerst gefräßigen Raupen mit den auffallend schwarzen Kulleraugen. Vom Falter zu Gartlers Albtraum.

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„Die Raupe wächst bis zur Größe von etwa fünf Zentimetern heran und macht mit ihren zahlreichen anderen Artgenossen nach und nach aus einem grünen Busch eine gelb-braunes Ästchengerippe“, stellt Rieger fest.

Das Schlimme: Findet der Falter keine Buchsblätter mehr, frisst er auch noch die Rinde oder sucht sich als Wirtspflanzen auch Stechpalmen (Ilex purpurea) und Spindelsträucher (Euonymus japonicus und Euonymus alatus) aus. Bei ihnen ist, wie auch beim Buchsbaum, ständige Kontrolle des inneren Bereiches der Sträucher notwendig. „Alle anderen Sträucher im Garten sind nicht in Gefahr“, weiß Rieger, der sich schon durch viele Anti-Zünsler-Maßnahmen durchprobiert hat.

Wenn vom Buchs nur noch Gerippe bleibt

2006 erstmals in Deutschland aufgetaucht, hat sich der aus Asien stammenden Schädling die vergangenen beiden Jahre verstärkt durch die heimischen Buchsbestände gefressen. Zahlreiche Gartenfreunde haben Spritzen oder das Absammeln der Raupen zwischenzeitlich ganz aufgegeben und sich oft schweren Herzens ganz von ihren Buxus sempervivens getrennt. „Bitter besonders, wenn wie auch im Burgerfeld beobachtet, von einer uralten Buchshecke nurmehr ein gräuliches Gerippe übrig bleibt“, sagt Rieger.

Schutz gegen Fressfeinde

„Gemeinerweise merkt man es oft spät, dass ein Falter seine bis zu 150 Eier an den Blättern abgelegt hat. Denn die geschlüpften Raupen bevorzugen zunächst das Innere des Strauches, da hier in den Blättern eine höhere Konzentration von Toxinen eingelagert ist, die von den Tieren mit aufgenommen werden, um sich vor Fressfeinden wie Vögeln zu schützen“, erklärt der Wasserburger.

Sieht man die ersten braunen Stellen mit den typischen Fraßstellen außen an den Blättern oder die grünlichen Kotkügelchen, die sich am deutlichsten in den von den Raupen hinterlassenen, feinen, weißlichen Gespinsten oder in Spinnennetzen am Busch finden lassen, ist es oft schon zu spät. Die einzelnen Raupen sind dann bereits verpuppt und die nächste Generation an Faltern steht für die Weiterverbreitung bereit.

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Was also tun? Diverse Tipps bietet das Internet, „nicht immer die wirksamsten übrigens“, sagt Rieger. Dazu gehört das Absammeln der Raupen, der Einsatz von Hochdruckreinigern, das Abdecken mit Netzen, um das Eindringen der Falter zu verhindern oder Hausrezepte wie Wasser mit Spülmittel und Chili-Öl versprühen.

Folie und Sonne ungute Mischung

„Vorsicht empfiehlt sich bei der Verwendung von Abdeckfolien, wenn die Sonne scheint. Es besteht dann Verbrennungsgefahr bei den Blättern durch Überhitzung“, warnt Karlheinz Rieger. Und er weiß: Neemöl-Produkte oder Steinmehl schädigen leider auch andere Raupen und Insekten.

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Die Verwendung von Algenkalk, der auf den Pflanzen verteilt wird, soll den Raupen den Appetit verderben, muss aber nach jedem Regen wiederholt werden und hat zudem, langfristig angewandt, negative Auswirkungen auf die Bodenqualität.

Biologisch mit Bakterien

Pheromon-Fallen dienen nicht der Bekämpfung, eher dem Feststellen des Befalls, da nur die männlichen Tiere dabei gefangen werden. Erfolgversprechender ist die biologische Bekämpfung der Raupen auf der Basis des Nützlinge schonenden Bacillus thuringiensis. „Ein solches Mittel ist zum Beispiel unter dem Namen Xentari im Fachhandel erhältlich“, erklärt der Gartenexperte.

Mit einmaligem Spritzen erhalte man aber auch keinen dauerhaften Schutz. Zudem sollten die Unterseiten möglichst aller Blätter erreicht werden. Dies dürfte zumindest bei dichten Hecken zum Problem werden. „Zudem sollte man Wasserflächen im Umfeld abdecken, da sonst unerwünschte Nebeneffekte bei den Teichbewohnern auftreten können“, rät Rieger.

Entsorgung wird erleichtert

Entschließt man sich doch schweren Herzens zur Entfernung der Buchsbäume, galt bis 2019 die Empfehlung: Entsorgung über den Restmüll in verschlossenen Säcken.

Laut Mitteilung des Sachgebiets Kreislaufwirtschaft im Landratsamt Rosenheim spreche aus fachlicher Sicht derzeit aber nichts mehr gegen eine Entsorgung zusammen mit sonstigem Grüngut über die vorhandenen Grüngutcontainer und die örtlichen Wertstoffhöfe in haushaltsüblichen Mengen. Für größere Posten empfiehlt die Behörde allerdings eine Anlieferung an den Kompostieranlagen in Aschau, Bruckmühl oder Eiselfing.

DAS SAGT DER GARTENBAUVEREIN:

Dass die Buchsbaumzünsler-Seuche noch lange nicht vorbei ist, davon ist Stefan Hammermüller, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Wasserburg e. V. überzeugt. Er hat allerdings im Raum Weikertsham beobachtet, dass nach anfänglich starkem Befall im Frühjahr, sich viele Vögel im Buchs tummelten und jetzt weniger Raupen gesichtet werden. Hammermüller hofft, dass es auch durch das verringerte Nahrungsangebot durch die zahlreichen abgestorbenen oder vorsorglich entfernten befallenen Büsche aus den Gärten zu einer natürlichen Reduktion der Raupen und Falter kommt. Bei der Beratung seiner Mitglieder steht vor allem die Schärfung der Aufmerksamkeit der Gartler im Vordergrund. Hier heiße es, auch im Interesse der anderen Nachbarn konsequent zu handeln. Regelmäßig mit Xentari zu spritzen sei derzeit wohl die geeignetste Lösung, gegen die Plage erfolgreich vorzugehen.

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