Wasserburger Frühlingsfest abgesagt – Niemand bleibt auf seinen Karten sitzen

Kein Festzug, kein Festzelt, kein Festbier:Das Frühlingsfest muss ausfallen. John Cater

Die Absage des Wasserburger Frühlingsfestes ist für Veranstalter, Festwirt, Brauerei und Schausteller eine kleine bis große finanzielle Katastrophe. Doch für die Fans, die bereits Karten und Marken erworben haben, gibt es gute Nachrichten.

Von Heike Duczek

Wasserburg – Das war keine Überraschung – und trotzdem eine schlechte Nachricht: Das Wasserburger Frühlingsfest fällt aus – so wie alle Großveranstaltungen dieses Frühjahrs und Sommers. Obwohl niemand mehr mit der Durchführung gerechnet hatte, konnte der Wirtschaftsförderungsverband (WFV) als Veranstalter erst jetzt die offizielle Nachricht herausgeben. Aus rechtlichen Gründen musste Vorsitzender Moritz Hasselt warten, bis auch die bayerische Staatsregierung offiziell das Versammlungsverbot so weit ausgedehnt hatte, dass es auch den Termin des Frühlingsfestes zwischen dem 20. Mai und dem 1. Juni betrifft.

+++

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

+++

In der fast 40-jährigen Geschichte unter Leitung des WFV hat es noch nie eine Absage gegeben. Hasselt ist deutlich anzumerken, wie sehr es ihn trotz der Tatsache, dass es sich schon lange abgezeichnet hat, schmerzt. Der Wirtschaftsförderungsverband hatte zahlreiche Änderungen geplant: Unter anderem gab es einen neuen Starttermin: erstmals am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt. Nach elf Tagen sollte die Brauchtumsveranstaltung am Pfingstmontag enden. 2019 war der Festplatz neu gestaltet worden, hatte es eine neue zweistöckige Wiesn-Alm gegeben. 2020 sollte auf diesem Konzept aufgebaut werden.

WFV bedauert „hohen wirtschaftlichen Schaden“

Der Ausfall hat auch einen hohen wirtschaftlichen Schaden für den WFV zur Folge, denn das Frühlingsfest Wasserburg ist dank der Organisation rein im Ehrenamt eines der wenigen Feste, die noch schwarze Zahlen schreiben. Aus den Gewinnen – je nach Wetterlage waren es in den vergangenen Jahren zwischen 30.000 und 60 000 Euro – finanziert der Verband alljährlich unter anderem den Christkindlmarkt. Das Frühlingsfest war sogar der Gründungsgrund für den WFV: Aus den Einnahmen sollten die im Verband organisierten Geschäftsleute Weihnachtsmarkt und Weinachtsbeleuchtung bezahlen, hieß es bei der Übergabe Anfang der 80er Jahre durch den damaligen Bürgermeister Dr. Geiger und die Stadtkapelle.

Der WFV hat nur drei Einnahmequellen: Mitglieds- und Förderbeiträge und das Frühlingsfest. Jetzt brechen die Gelder aus dem dritten Topf komplett weg. Ob es deshalb möglich sein wird, heuer den Christkindlmarkt in gewohnter Form durchzuführen, steht in der Sternen. Doch Hasselt weist auch darauf hin, dass niemand derzeit vorauszusagen mag, ob das Versammlungsverbot nicht sogar noch weiter ausgedehnt wird bis Ende dieses Jahres.

Hasselt dankt in dieser schwierigen Situation Festwirt Georg Lettl für seine Treue und sein Entgegenkommen bei der nun notwendigen Rückgabe von Karten und Marken, die schon bestellt wurden (Siehe Kasten). „Wir sind in der glücklichen Lage, einen Festwirt zu haben, der unser Fest nicht als den fetten Gewinnbringer ansieht, sondern als Imagesache und mit viel Herzblut hinter uns steht“, sagt Hasselt.

Festwirt Lettl sagt tapfer: „Wir schaffen das“

Die Privat-Brauerei Gut Forsting trifft die Entscheidung, das Frühlingsfest abzusagen, in der Tat schwer, obwohl Brauereichef Georg Lettl, gleichzeitig Festwirt in Wasserburg, den Beschluss natürlich erwartet hat. Das Geschäftsjahr hat bereits im Oktober begonnen und war bis Februar nach seinen Angaben „super gelaufen“. „Dann kam Corona und eine gewaltige Zesur“, bedauert Lettl.

Der Fassbierverkauf seitdem: null. Der Fassbierbereich macht bei der Brauerei Forsting 15 Prozent des Umsatzes aus, weitere zehn Prozent brechen weg, weil keine Feste mehr stattfinden, berichtet der Vorstand. Das ergebe einen Umsatzeinbruch von 25 Prozent. Nur minimal könne dieser durch einen verstärkten Verkauf im Getränkehandel ausgeglichen werden. Hinzu kommen monatlich wegfallende Pachteinnahmen von 15 000 Euro. Denn die Brauerei Forsting verlangt derzeit keine Pacht von ihren Wirten. „Wir empfinden es als moralische Pflicht, kein Geld für ein Objekt zu nehmen, mit dem ein Gastronom derzeit kein Geld verdienen kann“, erklärt Lettl.

++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Das Unternehmen könne ein schlechtes Geschäftsjahr wegstecken: „Wir schaffen das, denn wir hatten zehn sehr gute, erfolgsverwöhnte Jahre. Unsere Kapitaldecke ist gut, die Liquidität nicht gefährdet“, erklärt der Chef. Trotzdem: „Die Situation derzeit ist alles andere als lustig.“

Kurzarbeit gibt es in der Brauerei nicht. „Wir machen weiter und das Beste draus“, sagt Lettl. Die Mitarbeiter bauen Überstunden und Urlaubstage ab oder Minusstunden auf, die später wieder aufgefüllt werden können. Noch gab es keinen Corona-Fall im Betrieb – dank zweier getrennt arbeitender Schichten und hoher Hygieneauflagen.

Bereits 2019 hatte Lettl, der seit fünf Jahren auch Festwirt beim Frühlingsfest ist, den Vertrag mit dem WFV um fünf Jahre verlängert. Da die Veranstaltung 2020 ausfällt, legt er noch ein Jahr drauf, erst 2025 wird neu verhandelt.

Diese Treue würdigt auch WFV-Vorsitzender Hasselt. „Ich danke unserem Feswirt, dass er sich so für uns einsetzt. Das ist nicht selbstverständlich.“ Hasselt legt auch Wert auf die Feststellung, dass der WFV mit den Schaustellern mitfühlt. „Wir Geschäftsleute haben die Option, dass wir irgendwann wieder öffnen können. Die Schausteller kommen aus der Winterpause und sind hoffnungslos bis zum 31. August. Das ist für viele Betriebe eine finanzielle Katastrophe.“

Schausteller klagt: „Situation ist existenzbedrohend“

Dies bestätigt Stamm-Schausteller Bernd Kollmann, der seit vielen Jahren mit seinem Autoscooter auf dem Frühlingsfest – „eine gute Veranstaltung mit ordentlichen Umsätzen“ – präsent ist. Hier beschäftigt er vier Mitarbeiter, im gesamten Familienbetrieb zehn. Jetzt droht der Ausfall einer ganzen Saison. Noch gibt es zu tun: Kollmann und sein Team befinden sich im Lager, beschäftigen sich mit Reparatur- und Wartungsarbeiten an den Fahrgeschäften. Doch Geld kommt nicht rein.

„Tragisch“, nennt Kollmann dies, er spricht von einer „existenzbedrohenden Situation“, ausgelösten durch einen „Totalstillstand“ seiner Branche. Sie benötigt nach Kollmanns Überzeugung neben den Soforthilfen noch dringend einen Extra-Rettungsschirm – „ansonsten werden einige auf der Strecke bleiben“. Sein in vierter Generation geführtes Familienunternehmen versucht, das finanzielle Desaster vorerst mit Kostenreduzierung in den Griff zu bekommen: Versicherungen würden reduziert, Fahrzeuge abgemeldet, der Betrieb verhandele über gesenkte Mieten für Lagerplätze. Diese würden nun auch über den Sommer hinweg benötigt. Wer keine Rücklagen habe, gerate schnell in finanzielle Schieflage. Bankkredite seien auch keine Lösung, „schließlich müssen die zurückgezahlt werden“, so Kollmann.

Selbst in den Kriegszeiten habe es meistens noch kleinere Feste gegeben, „dass einmal eine ganze Welt stillsteht und eine ganze Branche gleich mit, das ist ein Albtraum“.

Jetzt hofft Kollmann, dass es nach dem 31. August wenigstens mit kleineren Festplätzen auf der Basis eines reduzierten Betriebsmodus weitergeht. Für das Münchener Oktoberfest, der große Umsatzbringer seines Unternehmens, hat er jedoch wenig Hoffnung.

Das geschieht mit gekauften Marken und Karten

„Niemand muss auf den Kosten für seine Frühlingsfest-Marken aus diesem Jahr sitzen bleiben“, schreiben Wirtschaftsförderungsverband (WFV) Wasserburg und Festwirt.

Die Bierzeichen und Essensmarken könnten per Post oder – sobald es die Gegebenheiten der Corona-Krise wieder zulassen – auch im Brauerei-Büro zurückgeben werden. Für die Rückerstattung (inklusive Portokosten) sei es unerlässlich, dass die Rechnung beigelegt und die eigene Kontoverbindung (IBAN) angegeben werde.

Die Brauerei Gut Forsting bittet um Verständnis, dass sie die Anträge erst nach zweiwöchiger Ruhezeit der Post bearbeitet, um die Mitarbeiter im Brauerei-Büro keinem unnötigen Gesundheitsrisiko auszusetzen.

Natürlich bestehe auch die Möglichkeit, die Marken einfach im nächsten Jahr zu verbrauchen. „Wir garantieren Euch, dass Bierzeichen und Essensmarken aus 2020 auch in 2021 ihre Gültigkeit behalten und diese auch bei einer Tischreservierung im nächsten Jahr Berücksichtigung finden.“

Für die Karten für den Auftritt der Band „LaBrassBanda“, geplant am 27. Mai, gilt folgende Regelung: „Wir konnten LaBrassBanda für einen Auftritt auf dem Wasserburger Frühlingsfest 2021 gewinnen. Gerne könnt Ihr Eure Karten behalten, denn sie besitzen uneingeschränkt Gültigkeit für den Termin im nächsten Jahr. Ansonsten gilt, dass diese dort zurückgegeben werden müssen, wo sie gekauft wurden.“

Wenn Karten im Brauerei-Büro erworben wurden, wird um etwas Geduld gebeten: Die Brauerei gebe bekannt, ab welchem Zeitpunkt eine risikolose persönliche Rückgabe im Büro vor dem Hintergrund der Corona-Krise möglich sei.

Kommentare