Wasserburger Ferienrätsel (Folge 16) führt nach Haag: Hier hat man früher Gickerl aus dem Knast bestellt

Kein Delinquent, sondern ein Geschäftsmann, der das Gefängnis in Haag kaufte, um hier seine Firma zu etablieren. Wie ist sein Name? Unser Bild zeigt ihn, wie er durch die Gefängnisluke schaut.
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Kein Delinquent, sondern ein Geschäftsmann, der das Gefängnis in Haag kaufte, um hier seine Firma zu etablieren. Wie ist sein Name? Unser Bild zeigt ihn, wie er durch die Gefängnisluke schaut.

Heute führt uns das Wasserburger Ferienrätsel in die Marktgemeinde Haag zu einer besonderen Türe. Durch diese ehrwürdige Pforte passierten einst die „bösen Buben“. Das Gebäude trug den Namen Amtsgerichtsgefängnis Haag. Es wurde 1901 für den Amtsgerichtsbezirk Haag gebaut, weil das Alte aus allen Nähten platzte.

Von Ludwig Meindl

Haag – Das Wasserburger Ferienrätsel besucht heute ein altes Gefängnis in Haag. Die Zellen befanden sich im Keller des Amtsgerichtsgebäudes am Marktberg, der damals noch Landgerichtsberg hieß. Schon 1245 hatte der Staufer Friedrich II. dem Haager Siegfried von Fraunberg die gräfliche Amtsgewalt verliehen.

Gebäude 1849 nieder gebrannt

1803 war Haag schon einmal an das Landgericht Wasserburg gekommen, 1838 wurde es wieder selbständig. 1879 wurde die Verwaltung der Grafschaft ausgegliedert und das neue Amtsgericht gegründet.

Das Gebäude befand sich immer schon am Marktplatz und war 1849 niedergebrannt, später wieder errichtet. 1914 wurde es umgebaut und erhielt als eines der ersten Häuser Haags eine Zentralheizung. Im Zehentstadel befanden sich die Stallungen des Richters. 1970 wurde es aufgelöst. Das Amtsgericht wurde Rathaus, die alten Zellen dienten als Lagerraum.

Strafgefangene im Gänsemarsch

So reichte auch die Geschichte des Gefängnisses an der Wasserburger Straße von 1901 bis 1970. Vorher gehörte es zum Ortsbild, dass eine Abteilung Strafgefangener im Gänsemarsch durch die Straßen zu einem Arbeitgeber ging, der sie gemietet hatte, hinterdrein der Gefängniswärter. Lockere Behandlung genossen die „bösen Buben“ in den 50er, 60er Jahren, wo man schnell einmal einsitzen konnte. Denn hatte einen der „Schandi“ abends auf dem Fahrrad ohne Licht erwischt, hieß die Alternative: eine gewisse Summe Strafe oder ein paar Tage Gefängnis.

So saßen in Haag keine Schwerkriminellen ein. Man kannte sich und es kam auch vor, dass einer der „Insassen“ abends ins Café Keller hinüberschrie und sich einen Gickerl und eine Mass Bier bringen ließ. Schon zur Jahrhundertwende erheiterten die Amtsgerichtsgeschichten die Haager Bürger.

Gauner klaute beim Bürgermeister Gänse

Beim Bürgermeister persönlich hatte sich ein Gauner erdreistet, Gänse zu stehlen. Der „Herr Sergeant“ nahm die Spur auf und machte gleich zwei Verdächtige ausfindig. Bei den Taglöhnern Johann und Mathias kamen in der Hausdurchsuchung in Wohnstube wie in Kammer die vermissten Gänse zum Vorschein, dazu ein Rucksack voller Gänsefedern und ein scharf geladener Revolver.

In Hacklthal hatte jemand aus einer Küche Schweinefleisch, Kaffee, Schmuck und die Barschaft von sieben Reichsmark gestohlen. In einen Kommodekasten, in dem 200 Mark lagen, waren Löcher gebohrt: „Es gelang den Dieben aber nicht, des Geldes habhaft zu werden.“ Der Sergeant tippte auf die beiden Taglöhner, da die neunjährige Marie einen Mann zum Fenster reinschauen sah, der roten Bart und rote Haare hatte, „welches Signalement mit der Person des Johann übereinstimmt“.

Doch der gestand nur den Gänsediebstahl ein. So wurde er dafür und „in Anbetracht des getrübten Leumundes“ mit einem Jahr Gefängnis bestraft.

Italiener wurde ausgelacht

Lachen mussten die Haager vor 100 Jahren über den italienischen Ziegelarbeiter Giovanni Bizutti. Der „lungerte einem 20-jährigen Millimadl auf“ und „suchte sie zu vergewaltigen“. Wider Erwarten aber versetzte das „kräftige Mädchen“ dem „Welschenlandssohn“ einen so kräftigen Stoß, dass „er zu Boden taumelte und von seinem Vorhaben Abstand nehmen musste“. Die Verhandlung endete in allgemeinem Gelächter über den liebeshungrigen Angeklagten und mit Freispruch für ihn – was aus heutiger Sicht nicht adäquat anmutet.

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Heute ist in dem Gebäude, das einst Gefängnis war, eine Firma angesiedelt. Wir suchen nach dem Namen des Geschäftsmannes, der das alte Gefängnis erwarb, um seine Firma darin zu etablieren?

Wenn Sie die Antwort kennen, notieren Sie den zweiten Buchstaben ins 42. Kästchen, den sechsten Buchstaben ins 52. Kästchen und den siebten Buchstaben ins Kästchen Nummer 8.

Die Pforte des Amtsgerichtes Haag.

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