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FOLGE 12

Wasserburger Ferienrätsel: Als die Eiselfinger Eltern 1925 in den Schulstreik traten

1972 wurde das alte Schulhaus abgerissen. Der bauliche Zustand und die hygienischen Verhältnisse waren amtlicherseits bereits 1970 als unzumutbar eingestuft. An der selben Stelle findet sich heute der Ersatzbau, der durch einen Querbau im Osten mit dem Grundschultrakt verbunden wurde.
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1972 wurde das alte Schulhaus abgerissen. Der bauliche Zustand und die hygienischen Verhältnisse waren amtlicherseits bereits 1970 als unzumutbar eingestuft. An der selben Stelle findet sich heute der Ersatzbau, der durch einen Querbau im Osten mit dem Grundschultrakt verbunden wurde.

Eltern, die in den Schulstreik treten? Ja, das gab es, 1925 in Eiselfing, weil das Bezirksamt Wasserburg festlegte, wann die Kinder in der Schule zu erscheinen hatten. Dabei wurden die Schüler, darunter auch schulpflichtige Dienstboten, daheim gebraucht, zum Arbeiten. Ende vom Lied war, dass die sturen Eltern vor Gericht landeten.

Von Karlheinz Rieger

Eiselfing – Heute beschäftigt sich das Ferienrätsel mit dem Thema Schulsprengel.

Will man wissen, wie die Kinder früher in Eiselfing unterrichtet wurden, muss man in der Zeit vor 1740 mit der Recherche anfangen. In sogenannten Winkelschulen wurde damals Unterricht gehalten, eng begrenzt im jeweiligen, nahen Lebensraum.

Die Trompeter-Resl unterrichtete trotz Verbotes Kinder

Der Kramer von Aham, Georg Weingartner, übernahm diese Aufgabe zum Beispiel für seinen Ort. Eine der Moosfischer-Töchter unterrichtete die Eiselfinger. Der Lohn fiel damals eher bescheiden aus. Beide erhielten in der Woche nur einen Groschen und ein Scheit Holz. Obwohl in der Folge diese Art des Unterrichtens von Amts wegen bekämpft wurde, unterrichtet noch 1789 die Trompeter Resl, ungeachtet des Verbotes, die Eiselfinger Kinder. Eine richtige Ausbildung hatte damals keiner, auch offiziell bestellte Lehrer nicht, nur elementare Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen waren erforderlich.

Weitere Berichte aus dem Raum Wasserburg:

Daran änderte sich auch ab 1771 nach Aussprechen des ‚allgemeinen Schulzwanges‘ in Bayern, der aber ab 1802 erst realisiert wurde, zunächst nicht viel.

In Eiselfing, damals noch Kircheiselfing, gab es jedenfalls schon ab 1773 eine Pfarrschule, die ihre Gründung dem Kloster Attl verdankte.

120 Stunden Schule pro Jahr

Als Schullokal wurde das Wasch- und Backhaus des Pfarrhofes genutzt. Für das Jahr 1804 sind hier 47 männliche und 55 weibliche Schulkinder, darunter drei aus Penzing und Babensham, verzeichnet. 1814 wurde der Antrag Ahams auf eine eigene Schule abgewiesen. 1903 musste das 1875 neu gebaute Schulhaus wegen steigender Schülerzahlen aufgestockt werden. Zum damaligen Schulsprengel gehörten unter anderem die Gemeinden Aham, Freiham und Schönberg.

Nachdem 1919 die Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht von Amts wegen verfügt worden war, sorgte bald darauf im Jahre 1922 eine „Entschließung“ des damaligen zuständigen Ministeriums, die jährliche Unterrichtszeit auf 120 Stunden festzulegen, für Ärger bei den Eltern und Gemeindevertretern. Die Umsetzung der „Entschließung“ oblag nämlich dem damaligen Bürgermeister Georg Maier und der Schulpflegschaft. Man konnte sich aber über die Schulbesuchszeiten nicht einigen. Deshalb legte schließlich das Bezirksamt Wasserburg diese ab Oktober 1924 für die Wintermonate fest: Sonntag von 10 Uhr bis 12 Uhr, sowie an Montagen von 13 Uhr bis 16 Uhr.

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Die Schüler erschienen aber am Werktag nicht. Man streikte. Eltern und Gemeindevertretern erschienen die Schulwege zu lang, die Zeitversäumnisse der schulpflichtigen Dienstboten damit zu groß. Kompromisse wurden in der Folge alle abgelehnt, der Widerstand gegen die aufgezwungenen Vorgaben wuchs. Auch die Anordnung der Regierung, die Kinder wenigstens am Sonntag für zweieinhalb Stunden zum Unterricht zu schicken, scheiterte im März 1925 an der Sturheit der Beteiligten.

Schließlich appellierten die Sprengelgemeinden an den Landtag, die Anordnung der Regierung zurückzunehmen. Beim Bezirksamt Wasserburg wurde deshalb um Aufschub der Umsetzung gebeten. Dieses erstattete am 1. März 1925 allerdings beim Amtsgericht Wasserburg gegen sämtliche Erziehungsberechtigten Anzeige. Fast alle erhielten daraufhin einen Strafbefehl von je 30 Mark, gegen den wieder alle bis auf Bürgermeister Maier Einspruch erhoben.

Freispruch für alle - nur nicht für den Bürgermeister

Die Verhandlung am 23. Juni endete schließlich mit dem Freispruch fast aller Beteiligten. Nur Bürgermeister Maier, der als einziger die Strafe akzeptiert hatte und den das Gericht nach Prüfung des Sachverhaltes als den Alleinschuldigen am Schulstreik ermittelte, wurde verurteilt. Ab da erschienen die Schulpflichtigen aber dann pünktlich und vollzählig.

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In den 60er-Jahren wurde die Schule schließlich wieder zu klein, 1965 wurde das neue Gebäude fertig. Mit der Gebietsreform 1972 änderten sich erneut die Schulsprengelgrenzen und das traditionelle, kleinteilige Landschulprofil, die Schule wurde nochmals erweitert. Ab dem Jahr 2006 konnte über den M-Zug an der Schule sogar ein mittlerer Bildungsabschluss erworben werden, das letzte Mal 2018.

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Bis zur Gebietsreform 1972 war der Schulstandort Kircheiselfing allerdings der Hauptort einer Gemeinde im damaligen Landkreis Wasserburg, die diesmal als Lösungswort gesucht wird.

Wenn Sie die Lösung kennen, notieren Sie den letzten Buchstaben in Kästchen Nummer 6, den fünften in Kästchen 28 und den zweiten in Nummer 53. Nummer 9 kommt in Nummer 32.

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