Wasserburger Expertinnen zum Schulstart unter Corona: Jugendliche „leiden fürchterlich“

Gehört beim Start zum neuen Unterrichtsjahr in den Schulranzen: die Maske.
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Gehört beim Start zum neuen Unterrichtsjahr in den Schulranzen: die Maske.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Die Sommerferien gehen zu Ende. Eigentlich sollten die Familien entspannt und erholt dem Kita- und Schulstart entgegen schauen. Doch die Corona-Pandemie ist nach wie vor nicht zu Ende. Was die Familien beschäftigt, darüber berichten die Stadtratsreferentinnen Bettina Knopp und Irene Langer.

Wasserburg – Die Infiziertenzahlen steigen wieder. Wie die Familien damit umgehen und worüber sie sich besonders viele Sorgen machen, erläutert die neue Referentin des Stadtrates für Schule und Kindergarten, Bettina Knopp (Die Grünen). Die 38-Jährige weiß in Doppelfunktion, wovon sie spricht: als Mutter zweier Kinder und Lehrerin.

Bettina Knopp, Referentin für Kindergarten und Schule, hofft auf eine Rückkehr in einem möglichst geregelten Einrichtungsalltag.

Bettina Knopp: Die Familien wünschen sich eine Rückkehr zu einem möglichst normalen und geregelten Kindergarten und Schulalltag. Es bestehen Ängste, dass einzelne Schulen, Klassen oder Kindergärten wieder schließen müssen. Aber allgemein herrscht Zuversicht, dass diese Schließungen nur temporär sein werden und vor allem die Schulen jetzt besser auf Distanzunterricht eingestellt sind.

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Knopp: Die Maskenpflicht gilt zum Glück nur an weiterführenden Schulen für Schülerinnen und Schüler auch am Platz. Das Tragen von Masken im Unterricht sehen alle kritisch, da sie die Mimik der sprechenden Person verbirgt. Es bleibt zu hoffen, dass es sich um eine vorübergehende Bestimmung handelt, die nach den ersten neun Tagen wieder aufgehoben wird.

Knopp: Jede Einrichtung hat ein eigenes Hygienekonzept entwickelt, das auf die betreffende Einrichtung zugeschnitten ist. Die Einrichtungen sind also gut vorbereitet. Vor allem an den Schulen bereitet dem Personal Sorgen, dass die Maskenpflicht auch am Pausenhof gilt. Das kann den Schülerinnen und Schülern nur schwer vermittelt werden.

Insgesamt freut sich das Personal darauf, wieder in den Präsenzunterricht zu starten. Während der Schulschließung ist allen sehr klar geworden, dass Unterricht vor Ort äußerst wichtig ist.

Vor besondere Herausforderungen wird alle Beteiligten die Erkältungssaison im Herbst und Winter stellen, in der je nach Infektionslage unterschiedliche Regeln zum Schul- und Kindergartenbesuch gelten. Da müssen dann Personal und Eltern besonders genau nachlesen, mit welchen Symptomen ein Besuch der Einrichtung noch möglich ist.

Referentin für Jugend und Familie: Corona blockiert die Sturm- und Drangzeit

Irene Langer

Irene Langer, Referentin für Jugend und Familie, stellt fest, dass die Corona-Hygieneregeln überwiegend von den Familien akzeptiert würden. Den Eltern gehe es weniger um das Maskentragen und das Abstand halten, sondern in erster Linie darum, dass Schule und Kita wieder verlässlich stattfinden würden. Denn in den vergangenen Monaten hätten viele Familien „herumjongliert“, um den Alltag zwischen Beruf und Homeschooling zu managen. Das sei vor allem zu Lasten vieler Mütter gegangen.

Kinder nehmen die Corona-Regeln oft sehr gelassen an, berichtet die SPD-Stadträtin. Je kleiner das Kind, desto mehr Akzeptanz. Bei den Familien gelte: Je höher der Bildungsstand, desto höher die Bereitschaft, die Regeln anzunehmen.

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Schwer haben es nach Erfahrungen von Langer ältere Teenager und junge Erwachsene. Sie würden die Notwendigkeit häufig nicht einsehen, „weil sie sich gesund, jung und fit fühlen“ und nur schwer verstehen könnten, dass sie trotzdem die Infektion im Körper haben und jemand anders anstecken könnten. „Junge Erwachsene leiden fürchterlich“, bedauert die Jugendreferentin angesichts der Tatsache, dass Teenager derzeit in ihrer „Sturm- und Drangzeit“ stark blockiert würden.

Das Ausgehen finde nur unter erschwerten Bedingungen statt. Die bei jungen Erwachsenen beliebten Clubs und Discos seien geschlossen. Flirten, miteinander anbandeln, die erste Liebe erleben: All dies sei durch viele Regeln erschwert. Die jungen Leute seien außerdem auf den engeren Freundeskreis zurückgeworfen. Vor allem junge Mädchen würden darunter leiden, dass ihre Ausstrahlung unter der Maske nicht so zur Geltung komme, berichtet Langer.

„Uns allen geht es doch so: Wir vermissen die Sozialkontakte.“ Für Jugendliche seien diese besonders wichtig beim Heranwachsen.

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